27.04.2021 - 16:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auf dürren Wiesen und fetten Feldern: Stadt Weiden sieht 214 Hektar für PV-Anlagen

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Die Stadt Weiden lässt keinen Wildwuchs beim Bau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu. Vielmehr steuert der Stadtrat den weiteren "Zuwachs" mit neuem Konzept, das mit 214 Hektar eine überraschend große Fläche als "gut geeignet" nennt.

Der erste Bauabschnitt der Photovoltaik-Freiflächenanlage in der Flur "dürre Wiesen" nördlich von Neunkirchen ist bereits verwirklicht. Zwei weitere Bauabschnitte sollen noch folgen. Die Schwerpunkte der künftigen regenerativen Energieerzeugung sieht das Entwicklungskonzept der Stadt um Neunkirchen, Rothenstadt, Wiesendorf, Mallersricht und Maierhof.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Es sind nicht nur die dürren Wiesen (an der Bahn südlich des Gewerbegebietet Weiden-West III), die mit den PV-Platten belegt werden können. Ins Visier nehmen die Gutachter vom "Team 4" aus Nürnberg auch die fetten Äcker zwischen Ullersricht, Maierhof und Mallersricht.

Und auch große Flächen nördlich Neunkirchen und östlich von Wiesendorf, im Fachgutachten 2010 noch als Potentialflächen ausgeschlossen, tauchen sie jetzt als gut geeignet für Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen im Konzept auf. Insgesamt fanden die Experten (zum Beispiel auch zwischen Ermersricht und Autobahn) 214 Hektar. Als "grundsätzlich geeignet" gelten sogar 496 Hektar, die einen Katalog von Vorgaben erfüllen müssen.

Orientierung für Investoren

Das Konzept, das in den neuen Flächennutzungsplan eingearbeitet wird, will Grundstückseignern und vor allem Investoren "Orientierung" geben, wo Freiflächen überhaupt möglich sein sollen. Nur einige Teilflächen - etwa beidseits der Staatsstraße nach Etzenricht - stehen auch in Konkurrenz zu einer klassischen gewerblichen Nutzung.

Siedlungsflächen fallen selbstverständlich aus, ebenso Gewerbe-, Wald-, Schutz- und Erholungsgebiete, Fischerberg und das Tal der Waldnaab. Vielmehr suchen die Gutachter "bereits vorgeschädigte" Bereiche. Und so kommen die großen Gebiete zwischen Rothenstadt und Etzenricht sowie ganz im Süden des Weidener Ortsteils ins Spiel. Die Strom-Überlandleitungen sowie "Megal" und Umspannwerk lassen die Eingriffe in Natur und in die "bereits stark technisch geprägte" Landschaft durch PV-Freianlagen weniger dramatisch erscheinen

In der Landschaft verstecken

Der Fokus liegt bei der Flächensuche einerseits darauf, Anlagen mit hoher Gesamtleistung, wie sie dem aktuellen technischen Stand entsprechen realisieren zu können. Deshalb sind aus technischer Sicht Areale erst über zehn Hektar am Stück sinnvoll. In der Regel werden Freifläche-Photovoltaikanlagen als eingezäunte Gesamtfläche zuzüglich entsprechender Ausgleichsflächen angelegt. Eine Einbindung in die Landschaft kann in der Regel durch "abschirmende Gehölzpflanzengen" erfolgen. Sie sollen also in der Landschaft "versteckt" werden.

PV-Anlagen hoch effektiv

Das städtebauliche Konzept erlaube künftig bei Investoren-Anfragen für PV-Freiflächenanlagen eine zügige Aussage über die Genehmigungsfähigkeit, erklärte Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel im Stadtrat. Dies ersetze natürlich nicht eine weitere Abwägung. Stadtrat Karl Bärnklau (Grün.Bunt.Weiden) betonte, dass die Stadt nicht an einem intensiven Ausbau der Photovoltaik umhinkomme. Er votiere zwar für die Belegung von Dächern, um den Flächenverbrauch zu senken. Zugleich aber müsse man sehen, dass sich in PV-Freiflächen wertvolle ökologische Systeme bildeten. Zudem sei der Stromertrag pro Hektar bei der Photovoltaik um den Faktor 40 höher als bei Biogasanlagen.

Der Boom bei den PV-Großanlagen scheine vorbei zu sein, äußerte SPD-Fraktionschef Roland Richter seine Skepsis. Das Thema Landschaftsverbrauch durch PV-Nutzung werde kontrovers gesehen. Seine Fraktion stehe jedoch hinter dem neuen Konzept, das keineswegs einen Freifahrtschein für "PV-Freiflächen überall" ausstelle. Für die CSU erklärte Wolfgang Pausch, dass die Rechte der Grundstückseigentümer im Vordergrund stehen sollten. Das Konzept gebe einen Rahmen vor. Auch Manfred Schiller (AfD) sah das Konzept positiv, wenngleich Photovoltaik nur zu bestimmten Zeiten Strom liefern könne. "Wir müssen den Kraftwerkspark immer noch in Reserve halten." Einstimmig segneten die Stadträte schließlich des neue Standortkonzept ab.

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Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

"Sehr gut geeignete Flächen" für Photovoltaik-Großanlagen in Weiden

  • Rothenstadt südlich "Am Anger" und westlich entlang der Bahntrasse sowie nördlich "Zum Naabberg" bis etwa auf halbe Höhe zum Sportzentrum
  • Maierhof nördlich der Bahnlinie Nürnberg sowie nördlich der Staatsstraße nach Amberg bis nach Mallersricht
  • Weiden-Süd zwischen Südost-Tangente, Bahnlinie und Autobahn
  • Ermersricht westlich entlang der Autobahn bis vor Frauenricht
  • Neunkirchen westlich - mit deutlichen Abstand - TSV-Sportplatz ("Rinderbühl") bis zur Stadtgrenze sowie im Norden östlich der Holztratstraße vor dem Weidingbach
  • Wiesendorf ("dürre Wiesen" und "Bruckwiese") östlich des Dorfgebietes und südlich der Bahn (gegenüber Gewerbegebiet West III)
  • Auf 282 Hektar summieren sich die Flächen, die als "geeignet" gelten. Diese schließen die Lücken zwischen den gut geeigneten Gebieten im Westen des Rothenstädter Dorfgebietes, umschließen im gebührenden Abstand nahezu den Ortsteil Neunkirchen, liegen zwischen Latsch und Luftlandeplatz. Zudem bestehen nutzbare PV-Flächen zwischen Neumühle und Almesbach in Weiden-Ost.

 

 

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