17.10.2021 - 11:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

DVAG-Chefvolkswirt befürchtet länger anhaltende Inflation

An der Tankstelle oder bei Lebensmitteln spürt es jeder am Geldbeutel: Die Preise ziehen kräftig an. Inflation droht auch im nächsten Jahr. Diese Prognose stellt der Chefvolkswirt der größten eigenständigen Finanzberatung in Deutschland.

Vor allem die Preise für Energie und Treibstoff befeuern derzeit die Inflation.
von Clemens FüttererProfil

Direktor Dr. Ralf-Joachim Götz von der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) geht zum Jahresende von einer etwa fünfprozentigen Geldentwertung aus. Auch 2022 dürften die Preise deutlich steigen. „Ich sehe die Inflation kritischer als die EZB.“ Der Chefvolkswirt spricht im Gespräch mit Oberpfalz-Medien von einer „sehr schmerzhaften Sache“ für Sparer. Götz rechnet für die letzten zwölf Monate mit einem inflationsbedingten Kaufkraftverlust von über 100 Milliarden Euro, bezogen auf das Bargeld und die Kontoguthaben der privaten Haushalte in Deutschland.

Die Ursachen liegen seiner Auffassung nach unter anderem in der starken Zunahme der Geldmenge und auch in der deutlichen Energie-Verteuerung, "die allerdings auch politisch gewollt ist, beispielsweise durch die CO2-Bepreisung zum Klimaschutz". Zudem führe die Knappheit an Halbleitern und anderen Vorprodukten zu Lieferengpässen, die wiederum höhere Preise zur Folge hätten.

Kritisch sieht Götz Überlegungen, das Bargeld mit der Zeit abzuschaffen. Nach dem jüngsten Bericht der Bundesbank horten die Deutschen derzeit mit mehr als 330 Milliarden Euro Bargeld so viel wie noch nie. Seit 2018 sind die Bestände um fast 50 Prozent gestiegen. "Das drückt eine starke Verunsicherung aus sowie das Bestreben, eventuellen Negativzinsen auf dem Konto auszuweichen.“ Bargeld bedeute nicht weniger als geprägte und gedruckte Freiheit. Schließlich erweitere die Einführung eines digitalen Euros die Möglichkeiten staatlicher Kontrolle über das Konsum- und Sparverhalten.

Bei Kryptowährungen skeptisch

Angesichts von „riesigen Versorgungslücken“ in der staatlichen Rentensicherung und zum langfristigen Vermögensaufbau rät der DVAG-Volkswirt zu einer persönlichen Vermögensberatung und da, wo es passt, auch zu aktienbasierten Anlagen. Hierzu zählt er Aktien, Investmentfonds sowie fondsgebundene Lebensversicherungen. „Kurz nach meinem Einstieg in das Berufsleben stand der Dax bei 1000 Punkten. Heute übertrifft er 15.000.“ Ralf-Joachim Götz (61) empfiehlt von Profis gemanagte Aktienfonds. „Sie kosten zwar etwas mehr, haben aber Sparbuch und Co. beim Anlageerfolg weit hinter sich gelassen.“

Zurückhaltend beurteilt Götz Kryptowährungen: "Sie stellen kein planbares Investment dar. Ihre Kurse schwanken stark, Tagesabweichungen im zweistelligen Prozentbereich gab es bereits mehrfach." Bitcoin und Co. erscheinen ihm, wenn überhaupt, nur als Beimischung geeignet: „Und auch nur für den, der sich auskennt.“ Zum Edelmetall Gold ist Götz weniger skeptisch eingestellt. Allerdings: „Es bringt keine Zinsen, und der Goldpreis ist in Bewegung. Ich würde meine Altersversorgung nicht allein darauf aufbauen.“ Gold glänze nicht immer... Bei den Immobilien habe der Boom inzwischen die ländlichen Regionen voll erreicht. Den niedrigen Zinsen stünden jedoch stark gestiegene Preise gegenüber. Sein Rat: „Aufpassen und genau rechnen. Auch ein billiger Kredit muss am Ende des Tages zurückbezahlt werden.“

80.000 Kunden in der Oberpfalz

Ralf-Joachim Götz verweist abschließend auf Bürgerbefragungen des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA). Danach fühlen sich 33 Prozent der Menschen in Bayern durch ihre Altersvorsorge (gesetzlich, betrieblich und privat) „unzureichend für ihren Ruhestand abgesichert“. 63 Prozent der Befragten im Freistaat rechnen damit, dass sich das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verschlechtern wird. Beim Anteil der Aktiensparer an der Gesamtbevölkerung ist Bayern Vizemeister in Deutschland. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) legen 23 Prozent der Befragten in Bayern Geld in Aktien und/oder Fonds an.

Die DVAG betreut mit rund 170 hauptberuflichen Beratern etwa 80.000 Kunden in der Oberpfalz. Nach eigenen Angaben zählt die Deutsche Vermögensberatung in Bayern mehr als 1,4 Millionen Kunden, was 11 Prozent der Einwohner entspricht. Die DVAG wies 2020 im Konzern knapp 223 Milliarden Euro Gesamtbestand und fast 212 Millionen Euro Jahresüberschuss aus.

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Dr. Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der DVAG

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