08.04.2020 - 18:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Egoistischer als die Briten: Wie Deutschland die EU verrät

Natürlich kann sich Deutschland gegen Corona-Bonds sperren. Dann soll es aber auch endlich sagen, dass es nur um nationale Interessen geht und die europäische Idee nur ein kitschiges Märchen ist, kommentiert Wolfgang Würth.

Schön kitschig: Die EU-Flagge.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil
Kommentar

Corona-Bonds sind die letzte Chance, die der Europäischen Union bleibt. Ein deutsches Nein zu den gemeinsamen Anleihen kommt einer Ablehnung der Idee von einer europäischen Gemeinschaft als Ganzes gleich.

Europa steht vor einer riesigen Herausforderung. Eine gemeinsame Anstrengung zur Bewältigung der Coronakrise könnte den Gemeinschaftsgeist wiederbeleben, der in vielen Ländern, vor allem im Süden, verlorengegangen ist.

Die deutschen Entscheider hadern aber: Corona-Bonds könnten etwas höhere Zinsen bedeuten, ohne sie würde der deutsche Staat das benötigte Geld am Kreditmarkt günstiger bekommen. Italien oder Spanien müssten dagegen ein Vielfaches an Zinsen bezahlen.

Dabei sind diese beiden Länder stärker getroffen, benötigen mehr Geld als Deutschland, um die Krise hinter sich zu lassen. Wenn Deutschland sich nun verweigert, ist es mit dem eh schon schwachen Glauben an eine echte europäische Union in diesen Ländern endgültig vorbei.

Und ein Ende der EU wäre nur konsequent, wenn sich Deutschland nicht einmal angesichts der Coronkrise zu echter Solidarität bekennen mag. Es ist legitim, alleine nationale Interessen zu verfolgen. Doch dann sollte man sich den europäischen Kitsch sparen, EU-Flaggen auf- und das EU-Parlament abwickeln. Ein bloßer europäischer Markt lässt sich über Handelsverträge günstiger erreichen. Die Briten haben dies so ausgesprochen und entsprechend gehandelt. Gerade aus Deutschland wurden sie für diesen Egoismus hart kritisiert. Deutschlands Finanzminister Scholz handelt derzeit genauso egoistisch - nur die Ehrlichkeit und Konsequenz der Briten fehlt.

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