21.11.2018 - 15:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ehelicher Sex oder Vergewaltigung?

Der eheliche Geschlechtsverkehr sei „noch nicht strafbar“, stellte Richter Hubert Windisch fest. Strafbar sei lediglich das Ausnutzen der Wehr- oder Besinnungslosigkeit einer Person. Hatte das ein Ehemann, der Sex wollte, getan?

Ein Ehemann wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ehefrau freigesprochen.
von Autor RNSProfil

Mit einem Freispruch endete ein Prozess wegen Vergewaltigung am Dienstag vor dem Schöffengericht. Ein 59-Jähriger hatte sich „zur Aussprache“ neben seine Ehefrau ins Bett gelegt. Eigentlich hatte das Paar zwei getrennte Schlafzimmer. Die 50-Jährige hatte zuvor eine Schlaftablette eingenommen und hatte, nach eigener Aussage, später nichts mehr mitbekommen. Am frühen Morgen gestand ihr ihr Mann, dass er in der Nacht den Geschlechtsverkehr mit ihr ausgeübt habe. Mit dem Vorwurf der Vergewaltigung konfrontiert, sei er „aus allen Wolken gefallen, sagte er vor dem Schöffengericht. Seine Frau habe mitgemacht. Es sei normaler Sex gewesen.

Eheprobleme hatte es bei dem Paar schon lange gegeben. Die Frau hatte unter ständigen Seitensprüngen ihres Mannes gelitten. Dieser habe, so die Weidenerin, „bei seinen häufigen Motorrad- Touren mehr schöne Frauen als kurvenreiche Strecken unter die Räder genommen“. Schließlich habe sie ihm das Ultimatum gestellt, sich in Wöllershof in Behandlung zu begeben, berichtete sie. Bei einem Wochenendurlaub sei es zu dem bewussten Vorfall gekommen. Zuerst habe sie von einer Anzeige absehen wollen, wenn ihr Mann die Tat seinem Vater, seiner Therapeutin und seinem besten Freund beichten würde. Nachdem er das zwar gemacht hatte, ihm aber jede Schuldeinsicht gefehlt habe, habe sie sich zur Anzeige entschlossen, sagte die Frau im Zeugenstand.

Dr. Silvia Fröbel vom Bezirksklinikum Wöllershof berichtete, dass der Angeklagte sechs Wochen wegen leichter bis mittelschwerer Depressionen aufgenommen worden war. Nach den Vergewaltigungsvorwürfen seien die Eheleute wieder „erstaunlich harmonisch“ miteinander umgegangen. Händchen haltend seien sie im Park spazieren gegangen. Dass man bei Einnahme einer einzigen Schlaftablette „völlig weg“ sein könne, sei unwahrscheinlich, meinte die Ärztin. Nach der Entlassung aus der Klinik zog der Betriebswirt wieder zu seiner Angetrauten. Es habe auch wieder einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gegeben, berichteten beide. Mittlerweile seien sie aber getrennt und die Scheidung sei eingereicht. Wegen der „notorischen Fremdgeherei“ und der Vergewaltigung müsse das Trennungsjahr nicht abgewartet werden, sagte die 50-Jährige. Ihr Mann habe ihr zwei Häuser im Vorfeld der Scheidung überschrieben, „aber das bringt mir mein Leben nicht zurück“.

Staatsanwältin Katrin Gaida und Verteidiger Johannes Zintl plädierten unisono auf Freispruch, da der Mann davon ausgegangen sei, dass seine Frau mit dem Verkehr einverstanden gewesen war. Ihre Aussage reiche nicht, ihm das Gegenteil zu beweisen, so Gaida. Zintl wies darauf hin, dass sie eventuell sogar keine Schlaftablette eingenommen gehabt hatte, denn später hätten die Noch-Eheleute die Vergewaltigung sogar spielerisch nachgestellt. Zweifel an den Hintergründen des Geschehens hatten auch Richter Windisch und die beiden Schöffen. „Wer lässt denn einen Vergewaltiger wieder bei sich einziehen?“, so der Vorsitzende.

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