Weiden in der Oberpfalz
14.03.2024 - 16:08 Uhr
OnetzPlus

Nach dem Eier-Drama am Osterbrunnen: Heimatringvorsitzender appelliert an Vernunft der Bürger

Der Osterbrunnen in Weiden musste im vergangenen Jahr ganz schön Eier lassen. Viele wurden zerstört, ganze Eierketten sogar gestohlen. Am Samstag wird die Osterkrone wieder aufgebaut. Gibt es in diesem Jahr Schutzmaßnahmen?

"Es war schon komisch. Im vergangenen Jahr hatten wir Warnhinweise am Osterbrunnen angebracht. Sie sollten eigentlich verhindern, dass die Schmuckeier betatscht werden und eventuell zu Bruch gehen. Hat nichts geholfen", sagt Heiner Vierling, Vorsitzender des Heimatrings. Im Gegenteil. Er hatte den Eindruck, dass dies eher provozierte, die Echtheit der Eier am Osterbrunnen zu testen. Über 100 Hühnereier waren innerhalb weniger Tage kaputt. Überlegungen, künftig Plastikeier zu verwenden oder einen Zaun um den Brunnen zu bauen, standen im Raum.

Zaun keine Lösung

Was davon wohl für heuer umgesetzt wird, wenn am Samstag, 16. März, um 14 Uhr der Osterbrunnen auf dem Oberen Markt eingeweiht wird? "Nichts von alledem", sagt Vierling auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. "Eine Umzäunung ist ein Krampf. Das wird nichts bringen und entspricht auch nicht unseren Vorstellungen von Brauchtumspflege. Die Besucher sollen sich doch den geschmückten Brunnen aus der Nähe anschauen können." Er habe keine Lösung, wie ein Zaun oder eine Abgrenzung aussehen könnte. "Es wäre einfach auch nicht schön."

Also doch wieder Hinweise wie "Bitte nicht drücken, wir sind ECHT" oder "Hands off!" "Nein. Auch auf die verzichten wir", sagt der Vorsitzende. Den Osterbrunnen werde ab Samstag wie gehabt die Osterkrone mit rund 2800 Eiern schmücken. In die Girlanden eingearbeitet seien auch Gänse- und Straußeneier. "Wir setzen auf die Vernunft der Besucher. Vor allem die der Erwachsenen." Wenn Kinder mal die Eier anlangten, sage man ja gar nichts. Ein gewisser "Schwund" an kaputten Eiern werde jedes Jahr mit eingerechnet. Aber im vergangenen Jahr war es massiv. "Da fehlte plötzlich eine ganze Kette, die jemand aus der Krone entfernt hatte. Das ist einfach nur schäbig, da höre der Spaß auf." Den Diebstahl habe der Heimatverein damals nicht bei der Polizei angezeigt. "Die hat anderes zu tun. Außerdem ist der Sachschaden eher gering."

Viele fleißige Helfer

Schwerer wiege der ideelle Wert. Weiden habe einen der wenigen Osterbrunnen, der noch mit echten Hühnereiern geschmückt sei. In ihrer Freizeit hätten in den vergangenen Jahren Schulkinder, Kindergärten, Siedlergemeinschaften, Mitglieder des Volkstrachtenvereins D'Altbairischen und Eltern immer wieder Eier ausgeblasen und sie mit verschiedensten Motiven und Farben gestaltet. "So haben wir immer eine kleine Reserve", sagt Vierling. Er hofft, dass sie nicht benötigt wird, so wie 2023.

Die Vorbereitungen für den Aufbau der Osterkrone erreichen in dieser Woche ihren Höhepunkt, wenn die Helfer die einzelnen Eierketten samt Grün zur Krone zusammenfügen bzw. zuvor die Eier neu auffädeln. Auf rund 40 Kilogramm schätzt der Heimatringvorsitzende das Gesamtgewicht der Konstruktion, das zu zweit gerade noch so zu heben sei. "Um sie aber auf den Brunnen zu hieven, brauchen wir das Technische Hilfswerk zur Unterstützung." Das wird auch am Samstag wieder dabei sein, wenn zum neunten Mal die Aufbauarbeiten am Brunnen am Oberen Markt beginnen. Bis nach Ostern bleiben die bunten Eier ein Hingucker in der Altstadt. Heuer hoffentlich ohne größere Verluste.

OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz03.04.2023
Info:

Brauchtum Osterbrunnen

  • Brunnen werden in der Osterzeit geschmückt: üblicherweise ab Palmsonntag (traditionell erst ab Karsamstag) und bleiben bis zwei Wochen nach Ostern.
  • Hat vor allem in der Fränkischen Schweiz Tradition
  • Seit den 1970er und 1980er Jahren zunehmend Verbreitung in Teilen Süddeutschlands
  • Anordnung der Ostereier erinnert meist an die Form einer Krone und wird deshalb auch Osterkrone genannt
  • Weiden: 14 Uhr Segnung des Osterbrunnens, Oberer Markt

Quelle: Bayerischer Landesverein für Brauchtumspflege – Brauchwiki.de

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.