08.03.2021 - 10:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Einser-Jurist Leupold fühlt sich wie ein Gefangener

Nicht ist mit der Flucht nach Südtirol, mit der Walter Leupold gerne dem Trubel zu seinem Geburtstag entgeht. "Corona hat mich festgenagelt", betont er. "Ich fühle mich wie ein Gefangener." In Ketten legen lässt er sich aber nicht.

Walter Leupold feiert am 8. März seinen 70. Geburtstag
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Nichts ist mit der Flucht nach Südtirol, mit der Walter Leupold gerne dem Trubel zu seinen runden Geburtstagen entgeht. "Corona hat mich diesmal festgenagelt", betont er. "Ich fühle mich wie ein Gefangener." In Ketten legen lässt er sich aber nicht.

Seinen 70. Geburtstag (8. März) feiert Walter Leupold - coronakonform - nur mit Ehefrau Elvira und Tochter Nadja in Schwandorf. Die Gratulanten aus dem großen Kreis seiner Wegbegleiter aus Justiz und Politik will der Weidener Landgerichtspräsident i. R. und Ehrenkreisvorsitzende der Weidener CSU "so bald es möglich ist" zur Feier einladen. Die Pandemie überschatte alles. Er stelle aber den Sinn der Einschränkungen nicht infrage.

Infrage stellen will der langjährige Weidener CSU-Parteistratege, der ungezählte Wahlkämpfe organisierte, Wahlprogramme und Reden schrieb, "die Leistungen" der Kommunalpolitiker in der Max-Reger-Stadt: Die Bürgerentscheide zu Weiden-West IV hätten sie "verschlafen, verbockt und verdaddelt".

Während das Engagement der Akteure der Bürgerinitiative Walderhalt durchaus zu würdigen sei, müsse er die Stadtpolitik kritisieren. "Da war kein Einsatz für West IV, nur eine absolute Lücke. Das war eine krasse Fehlleistung und wird die Stadt noch lange schmerzen." In diesen "verstolperten zehn Jahren der Vorbereitung" hätte ein OB Hans Schröpf "wohl die Flächen erworben, beplant, die eine Hälfte bebaut und die andere Hälfte bereits an Betriebe vergeben. Wir würden uns über West V unterhalten", meint Leupold, der auch im neuen Lebensjahrzehnt "Wächter, Mahner und durchaus mal wieder Wadlbeißer" sein will. "In Weiden fehlt jemand, der gute Ideen, Visionen hat und sie auch durchboxt."

Die Chance auf ein so großes, zusammenhängendes Gewerbegebiet erhalte Weiden nicht so schnell wieder. "Vielleicht kann man in einigen Jahren diese Entscheidung wieder neu aufrollen."

Von seiner Kritik nimmt Leupold, der 13 Jahre den CSU-Kreisverband Weiden und danach sechs Jahre die Stadtratsfraktion führte ("um die Spendenaffäre von OB Hans Schröpf sauber aufzuarbeiten") auch die Christsozialen nicht aus. Auch ihnen sei es nicht gelungen, den Bürgern eine überzeugende Antwort auf die Fragen zu West IV zu geben.

Unter OB Kurt Seggewiß sei die Stadt in einen Dornröschenschlaf gefallen. Und OB Jens Meyer sei es nicht gelungen, sie wieder aufzuwecken. "Da hat er meine Hoffnungen enttäuscht. Für uns als CSU darf das aber nicht heißen, wir tun nichts, weil die anderen die Hand in den Schoss legen." Nach der Corona-Pandemie müsse die Weidener CSU "mal wieder richtig loslegen", fordert Leupold, der bereits 1978 in den Weidener Stadtrat einzog und im Mai 2016 als dienstältester Stadtrat seinen Platz räumte. Leupold gilt als einer der Väter der Kliniken Nordoberpfalz AG.

Als "längst abgehakt" bezeichnet er seine gescheiterten Versuche, als Landtagsabgeordneter bzw. als Oberbürgermeister zu kandieren. "Diese Aufgaben hätten nicht interessiert. Zugetraut hätte ich sie mir."

Leupold, der Einser-Jurist mit Prädikatstaatsexamen, galt als strenger Staatsanwalt und Richter. Respekt verschaffte er dem Strafgesetzbuch als Richter in Nabburg, Staatsanwalt in Weiden, Amtsgerichtsdirektor in Schwandorf, Leitender Oberstaatsanwalt in Amberg und Landgerichtspräsident in Weiden. Ein Strafmaß müsse fair und gerecht sein, erklärt er. "Fair und gerecht aber auch im Sinne der Opfer. "Der Staat hat sich das Gewaltmonopol vorbehalten. Gerade die Geschädigten, die sich ihre Rolle nicht aussuchen konnten, müssen sich in einem Verfahren wiederfinden können."

Leupold langjähriger Partner in der CSU war Gerd Hofmann, der ebenfalls am 8. März Geburtstag feiert

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