05.03.2021 - 16:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: CSU-Urgestein Gerd Hofmann feiert 80. Geburtstag

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Sobald es die Coronalage erlaubt, will Gerd Hofmann seinen 80. Geburtstag nachfeiern. Die Gratulantenrunde am 8. März bleibt beim ehemaligen Weidener Stadtrat und CSU-Fraktionschef sehr klein. Doch der Jubilar hat noch viel zu anzumerken.

Gerd Hofmann in seinem geliebten Garten. Am 8. März feiert er seinen 80. Geburtstag.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Corona-Pandemie nennt Hofmann eine Katastrophe - für das politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und das private Leben. Er befürchtet eine Pleitenwelle, das Veröden der Innenstadt. "Es gibt kein Patentrezept, wie wir da wieder rauskommen." Als Dialyse-Patient sei er derzeit besonderen Risiken ausgesetzt.

Kontakte nach außen gebe es nur noch über Telefon. "Das schmerzt. Wir waren immer viel unterwegs." Seine Frau Maria sei stark in ihrer Mobilität eingeschränkt. "Maria ist mein Liebstes. Es ist ein Segen: Wir sind 56 Jahre verheiratet." Die Einkäufe für die Hofmanns erledigt ein befreundetes Ehepaar. Die beiden Söhne sind längst aus dem großen Haus: Matthias (43, Dr. jur., Fachanwalt für Insolvenzrecht mit eigener Kanzlei), lebt in Oberbayern, Martin (39, Dipl.-Kaufmann) in Südtirol.

Power-Tage im Garten

Nach den lebensnotwendigen "Blutwäschen" am Montag, Mittwoch und Freitag sei er regelrecht erschlagen. "Dazwischen liegen aber meine Power-Tage. Jetzt kommt wieder meine Zeit. Ich kann hinaus in den Garten, mich austoben. Maria versucht, mich immer zu bremsen." Er sei immer noch Frühaufsteher, bereits ab 6 Uhr auf den Beinen, hole die Brötchen, lese alles, was ihn in die Finger komme.

Als Kriegskind und Halbwaise - der Vater fiel, als Gerd Hofmann gerade zweieinhalb Jahre alt war ("ich hab' nur ein Foto von ihm") - prägen "Kampfgeist und Disziplin" sein ganzes Leben. Als praktizierender Christ begegnet er allen Beschwernissen des Alters mit einer großen Portion Optimismus.

Der "Bub aus der Scheibe" besucht Oberreal- und dann die Handelsschule, geht 1959 zur Finanzverwaltung, studiert an der Beamtenfachhochschule in Herrsching. Über viele Jahre ist er in der Vollstreckung des Finanzamtes Weiden tätig: Er kennt seit 1972 die Wirtschaft in der Region und deren Probleme im Detail. 1976 zieht er als Nachrücker für Hans Schröpf, der zum OB gewählt wird, in den Stadtrat ein.

Finanzexperte im Stadtrat

Hofmann macht sich schnell einen Namen als Finanzexperte. Seinen ersten Haushalt, den aus dem Jahr 1976, versehen mit seinen persönlichen Anmerkungen, hat er immer noch. 34 weitere hat er penibel durchgearbeitet und mitgestaltet. Bereits im Jahr 1980 übernimmt er als Nachfolger von Josef Hofmeister den Vorsitz der CSU-Stadtratsfraktion, ist damit "rechte Hand" des OB, den er den Rücken frei hält.

Umso tiefer ist seine Enttäuschung, als Schröpf 1997 eine Auszeit von der Fraktion nimmt. 2001 verzichtet Hofmann auf den Fraktionsvorsitz: Die Bandscheibenvorfälle, die schweren Nierenoperationen zwingen ihn, den fordernden "rund-um-die-Uhr-Job" aufzugeben. Hochgeehrt gibt er 2010 das Stadtratsmandat ab - und bleibt im Hintergrund bis heute gefragter Ratgeber seiner Fraktion.

Als "Teamchef mit Gespür für Machbares" steht Hofmann auch für die über 30-jährige Entwicklung Weidens vom Provinzstädtchen zum Regionalzentrum, für den Rathausneubau, die Altstadtsanierung ebenso wie für die Ausweisung von Bau-, Industrie- und Gewerbegebieten, für Eisstadion und Thermenwelt, Max-Reger-Halle, Südost- und Nordtangente, Ankerdurchbruch, Regionalbibliothek und Maria-Seltmann-Haus. Als Gründungsmitglied des Oberpfälzer Kunstvereins versucht er, auch das kulturelle Angebot in der Stadt zu fördern.

West IV: Tiefschlag

Die Gewerbesteuer sei das A und O der Stadtfinanzen, das war immer das Credo des Finanzexperten. Er erinnert wieder an seinen ersten Haushalt 1976: "Wir hatten damals 5,8 Millionen an Gewerbesteuern. Darum haben wir alles getan, um die Wirtschaft zu stärken." Und gerade deshalb stuft er das Scheitern des geplanten Gewerbegebietes West IV als Tiefschlag für die weitere Stadtentwicklung ein. Weiden werde um ein Jahrzehnt zurückgeworfen. "Es ist schade, dass die Bürgerentscheide so ausgegangen sind. Aber der Vorlauf bei den Planungen war unheimlich lange. Wenn man dafür zehn Jahre braucht, zeigt dies nur eines: Hier waren bei der Stadt keine Macher am Werk."

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Hintergrund:

Zu Person: Gerd Hofmann

  • Stadtrat von 1976 bis 2010, CSU-Fraktionsvorsitzender von 1980 bis 2001, stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender von 1972 bis 2002,
  • Aufsichtsrat der Stadtbau GmbH (1978 bis 2010), Kreisvorsitzender des Bayerischen Beamtenbundes Weiden/Nordoberpfalz (1980 bis 2007), Verwaltungsrat, dann Aufsichtsrat der Kliniken Nordoberpfalz AG.
  • Bezirkspersonalrat bei der OFD Nürnberg, Hauptpersonalrat beim Bayerischen Staatsministerium der Finanzen (1969 bis 1984), Ortsverbandsvorsitzender der Bayerischen Finanzgewerkschaft (1974 bis 1982)
  • Auszeichnungen und Ehrungen: Goldene Bürgermedaille, Ehrenvorsitzender der Fraktion, Ehrenmitglied der CSU, Bundesverdienstkreuz, Kommunale Verdienstmedaille, Träger des "Ehrenrömers" der Gemeinde Weiden am See.

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