08.10.2021 - 18:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Ende der Maskenpflicht nicht nur Freude an Schulen in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt/WN

Kein Maskentragen mehr im Unterricht: Zu Wochenbeginn ist diese Pflicht für Schüler und Lehrkräfte weggefallen – für die allermeisten von ihnen auch ein Grund zur Freude. Aber nicht jeder schreit uneingeschränkt "Juhu".

Unterricht ohne Maske: Das war auch an den Schulen in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt/WN schon lange nicht mehr möglich. Nun liegt die erste Woche "ohne" hinter Schülern und Lehrern.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Im Unterricht ins Gesicht schauen – und zwar ins komplette: Seit Montag ist das wieder möglich. Das Kultusministerium hat die Maskenpflicht am Platz abgeschafft. Für Schüler und Lehrer gilt damit "die gleiche Regelung", wie Kilian Graber von der Realschule Vohenstrauß erläutert: "Wenn man den Abstand nicht mehr halten kann und sobald man den Arbeitsplatz verlässt, zum Beispiel wenn der Lehrer Arbeitsblätter austeilt: Maske auf." Ansonsten kann die Maske in der Tasche bleiben. Hier vier Erfahrungsberichte nach fünf Tagen "ohne".

Grund- und Mittelschule Floß

"Es ist insgesamt gut gelaufen": So beschreibt Herbert Kraus die Lage an der Grund- und Mittelschule Floß. "Die Kinder sind froh, dass sie keine Maske mehr tragen müssen." Einzelne Mädchen und Buben würden dies dennoch weiterhin tun: "Und das dürfen sie auch." Der Schulleiter verweist dabei auf die Vorgabe des Kultusministeriums: "Man kann die Maske herunterlassen, muss es aber nicht." Über die Gründe, warum manche Schüler diese weiterhin am Platz aufsetzen, kann Kraus nur spekulieren: Speziell "die Kleineren sind es so gewohnt, dass sie gar nicht mehr dran denken", meint er.

Wie für die Kinder sei auch für die Lehrer "der Unterricht ohne Maske leichter": "Mit" sei "schon schwer vom Verständnis her". Dies gelte besonders für den Sprachunterricht, und hier vor allem, "wenn man die Sprache erst lernen soll", merkt der Schulleiter an, der selbst an der Grundschule Englisch unterrichtet. "Aber an der Mittelschule ist es dasselbe." Angesichts der hohen Inzidenz sei Abstand zu halten nun wichtig, betont Kraus und teilt noch kurz mit: "Bei den Pooltests läuft alles sehr gut – mit Anfangsschwierigkeiten."

Gymnasium Eschenbach

"Durchweg positiv" ist "unisono" die Rückmeldung von Schülern und Kollegium am Gymnasium Eschenbach. "Es gefällt, jetzt wieder einander auch zu sehen, Reaktionen festzustellen", erklärt Schulleiter Harald Olschner: "Mal ein Lachen, mal ein Schmunzeln. Das sind ja Dinge, die weggefallen sind."

Und das Aus für die Maske am Platz erleichtere "den Unterricht ungemein", stellt er fest mit Blick auf Interaktion und persönlichen Kontakt: "Das ist einfach was anderes." Auch wenn das Maskentragen "niemanden umgebracht" und "alle brav mitgemacht" hätten: Ohne Maske "ist es schon angenehmer". Schüler wie Lehrer würden dies bestätigen: "Sie schnaufen leichter, werden nicht so schnell müde."

Trotzdem berichtet er auch von "Unsicherheit bei mir als Schulleiter": " Was passiert, wenn ein Kind tatsächlich positiv ist?", "Wie viele Schüler werden am Ende nach Hause geschickt?", fragt er sich. Zumal man am Eschenbacher Gymnasium "schon immer mal wieder einzelne" Fälle habe. Allerdings: "In dieser Woche war tatsächlich kein auffälliger Test dabei, zum Glück", jedoch "in der Woche davor – mit Maske".

Um Infektionen zu verhindern, setzt Olschner auf mehr Lüften, Abstand halten und "wenn es eng wird, Maske aufsetzen". Die Schüler hätten sich bisher "ganz fantastisch" den Einschränkungen gestellt, lobt er und hebt hervor, "wie selbstverständlich sie damit umgegangen sind", obwohl es doch "ein brutaler Einschnitt ins Leben" gewesen sei. Beim Unterricht habe sich vor allem der musische Bereich zurücknehmen müssen, genauso der Sport. "Ich wünsche mir so, dass jetzt nicht wieder was kommt."

Realschule Vohenstrauß

"Das hat sich ganz schnell eingespielt", macht Kilian Graber deutlich. Von der Maskenpflicht befreit, habe man nun wieder "verhältnismäßig normalen Unterricht", erklärt der Vohenstraußer Realschulleiter. Es herrsche "überwiegend Erleichterung". Wer jedoch "Bedenken hat, setzt die Maske auf", merkt Graber an. "Das ist ja auch ein Selbstschutz." So gebe es quer durch alle Jahrgangsstufen "vereinzelt" Schüler, die weiterhin mit Maske dem Unterricht beiwohnen. Zudem berichtet er für seine Schule von Lehrkräften, "die die Maske durchgängig tragen".

In der ersten Woche "ohne" sei bei den Coronatests an der Realschule "alles negativ" gewesen. Der Schulleiter informiert aber auch über einen positiven Test in diesem Schuljahr. "Einzelne enge Kontaktpersonen" – dabei handle es sich "im Wesentlichen" um die Sitznachbarn – seien in Quarantäne geschickt worden: "nur eine Handvoll". Diese hätten sich nach dem fünften Tag mit einem negativen Ergebnis wieder freigetestet.

Kepler-Gymnasium Weiden

"Das ist alles so eine Gratwanderung", sagt Sigrid Bloch: Die Stimmung am Kepler-Gymnasium in Weiden schwankt zwischen Erleichterung und Bedenken. "Die einen sind froh, dass die Maskenpflicht im Unterricht gefallen ist. Andere machen sich Sorgen, da die Kinder nicht geimpft sind: Hoffentlich passiert nichts, wenn sie so eng aufeinander sitzen."

Sie habe die Erfahrung gemacht, "dass die Schüler sich sehr darüber freuen". Manche würden aber auch "die Maske aufbehalten wollen", erzählt die Schulleiterin, die in der Unterstufe Musik unterrichtet. Ihre Klasse etwa habe "von sich aus angeboten, 'wir lassen die Maske auf, wenn wir singen'".

Die Lehrkräfte mache die neue Situation ebenfalls froh: Für sie sei es "doch sehr wichtig, die Gesichter zu sehen". Im Englisch-Unterricht etwa könnten die Lehrer das "th" nun "richtig den Kindern vormachen und auch sehen, ob die Kinder das richtig machen".

Das Fazit der Schulleiterin zum Ende der Maskenpflicht am Platz: "Das ist ein klein wenig ein zweischneidiges Schwert. Und wir sind uns auch dessen bewusst." Vielleicht sei "die Gefahr einer Ansteckung ohne Maske größer", erklärt Bloch, hebt aber auch hervor: "Im Augenblick bewahrheitet sich diese Befürchtung nicht."

Seit Montag habe man "keinen Positivtest gehabt", seit Beginn des Schuljahres einen einzigen Fall. Und da sei es "aus verschiedenen Gründen nicht nötig" gewesen, weitere Kinder in Quarantäne zu schicken: "Auch hier ist die Lage sehr entspannt und ruhig." Bloch hofft, "dass das so bleibt und niemand in Quarantäne muss".

Gesundheitsamt: Bei Coronafall zurück zur Maske

Wie das Gesundheitsamt Weiden-Neustadt beim "Kontaktpersonenmanagement in Schulen" vorgeht, beschreibt dessen Leiter Dr. Thomas Holtmeier. "Bei einem einzelnen Infektionsfall" würden "detailliert die Expositionsbedingungen der Mitschüler" erhoben. "Quarantänemaßnahmen beschränken sich derzeit im Wesentlichen auf Schüler, die in unmittelbarer Nähe des Infizierten gesessen haben", lässt er wissen. "Bei den übrigen Klassen- oder Kursangehörigen ist das Infektionsrisiko deutlich geringer", da "in den Schulen umfangreiche Lüftungsmaßnahmen ergriffen werden".

Allerdings berichtet Holtmeier von "Zusatzmaßnahmen für die betroffenen Mitschüler in Kurs oder Klasse". Diese sehen eine "Maskenpflicht für 14 Tage nach dem letzten Kontakt und eine intensivierte Testung" vor. "Je nach Testverfahren in der Schule" bedeute dies "eine tägliche Schnelltestung bis zum siebten Tag nach dem letzten Kontakt beziehungsweise eine Fortsetzung der Pooltestung mit einem Abschlusstest am fünften Tag nach dem letzten Kontakt".

Seien "in einer Klasse mehrere Schüler infiziert" und lasse "sich dies auf den Kontakt in der Schule zurückführen", werde die "gesamte Klasse für fünf Tage nach dem Auftreten des ersten Falls unter Quarantäne gestellt", informiert der Leiter des Gesundheitsamts.

Preis und Angebot: Das ändert sich bei den Coronatests

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Hintergrund:

Infektionszahlen

  • Inzidenz: laut Robert-Koch-Institut am Freitag, 8. Oktober, (Übermittlungsstand 7. Oktober) Stadt Weiden 68,2, Landkreis Neustadt/WN 59,2
  • Infektionsfälle insgesamt: Inzidenz liegen 29 Fälle in der Stadt Weiden und 56 im Kreis Neustadt/WN im Zeitraum 1. bis 7. Oktober zugrunde
  • Infektionen bei Kindern (0 bis 5 Jahre): 1 Fall in Weiden (3,4 Prozent aller Infektionen), 3 Fälle im Landkreis Neustadt (5,4 Prozent)
  • Infektionen bei Schülern (6 bis 18 Jahre): 12 Fälle in Weiden ( 41,4 Prozent), 13 Fälle im Kreis Neustadt (23,2 Prozent)
  • Schüler in Quarantäne: Gerhardingerschule 8 Personen, Hans-Sauer-Schule 5, Grundschule Neustadt/WN 1, Elly-Heuss-Gymnasium 1 (Stand Freitag, 8. Oktober, 10 Uhr).
  • Gesundheitsamt: Aus Zahl der Fälle kann nicht automatisch auf Zahl betroffener Klassen geschlossen werden. Infektionsfall wirkt sich nur dann auf Schule aus, wenn Betroffener innerhalb der Zeit, in der er ansteckend war, in der Schule war. (rca)

 

 

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