12.08.2021 - 18:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Endlich freies Bauland für Familien in Weiden

Die Baugrundstücke gibt es natürlich nicht geschenkt. Doch zwölf Familien können in Weiden-Süd ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen: Möglich macht dies die neue Baulandentwicklungsstrategie der Stadt Weiden.

Zehn Doppelhaushälften, zwei Einfamilienhäuser sowie drei große Geschosswohnungsbauten sieht der Entwurf des Bebauungsplanes "Horbach" an der Etzenrichter Straße/Ecke zum Burgstall vor.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Baugrund in Weiden ist knapp und sehr teuer. Die Stadt selbst besitzt keine Flächen, die sie aktuell den Häuslebauern anbieten könnte. Ein Manko, das seit vielen Jahren beklagt wird. Das wird sich ändern, denn Weiden greift – aus sozialen Gesichtspunkten – in das bislang freie Spiel des Immobilienmarktes ein, wo oft selbst für gutes Geld kein Baugrund zu erwerben ist: Gut 1000 Grundstücke sind in den alten Baugebieten zwar ausgewiesen und erschlossen. Sie kommen aber erst gar nicht auf den Markt. Weidener wandern ins Umland ab.

Bei der Entwicklung von Bauland machten bisher Grundstückseigentümer und Investoren den Reibach. Sie mussten zwar die Kosten der Erschließung berappen, wobei auch kleine Grundstückseckchen an die Stadt übergingen, aber die gewaltige Wertsteigerung, wenn eine Wiese zu Bauland wurde, schöpften die Flächenbesitzer ab. Als besonders rentierlich galt es, wenn Investoren die Nutzung auf Grundstücken mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan „entwickelten“ und dann die neuen Eigentumswohnungen an den Käufer brachten.

Soziale Komponente

Mit dem Grundsatzbeschluss zur Baulandentwicklungsstrategie vom März 2020 stellt die Stadt Weiden für ihre bauwilligen Bürger beherzt den Fuß in die Tür. Baurecht für Grundstücke - ab einer gewissen Größe - wird nur noch geschaffen, wenn die Eigentümer bereit sind, die Hälfte des Areals an die Stadt abzutreten. Diese Flächen sollen dann - beispielsweise nach einem sozial gestaffelten Punktesystem - an bauwillige Familien weiterverkauft werden.

Vorbild bei der Auswahl der Bürger, die sich um Parzellen bewerben können, könnte hier ein Punktekatalog werden, wie ihn etwa die Gemeinde Schirmitz anwendet, bestätigt Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Aber auch andere Varianten sind möglich, um bei der Baulandvergabe die soziale Komponente einzubringen. So könnten etwa Teile der Flächen für den sozialen Wohnungsbau oder barrierefreie Wohnungen vorgehalten werden. "Wir treten als Stadt zum Wohl der bauwilligen Familien mit den Grundstückseigentümern in eine Planungs- und Schicksalsgemeinschaft ein", erklärt der Dezernent. "Nur so haben wir eine Chance, die Grundstückspreise in der Stadt zu steuern oder andere soziale Forderungen einfließen zu lassen. Endlich haben wir dazu einige Möglichkeiten."

Hier geht was

In zahlreichen Gesprächen und Verhandlungen versucht die Stadt, Grundstücksbesitzer und Investoren davon zu überzeugen, dass die neue Baulandentwicklungsstrategie "Vorteile für alle" bringen könne. Am weitesten gediehen ist dabei das Großprojekt an der Etzenrichter Straße/Zum Burgstall. Für das gut 15 000 Quadratmeter große Eckgrundstück - südlich am Fuße des Fichtenbühls - ging der Bebauungsplanentwurf am vergangenen Montag in die öffentliche Auslegung. "Wir haben hier eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Grundstückseigentümer und Investor", betont Seidel. Noch bis zum 9. September können die Unterlagen eingesehen und dazu Stellungnahmen abgegeben werden. Dabei wird die Bebauung bis hoch zur Gaststätte Hubertus geschlossen.

Die Fläche ist seit Jahrzehnten nahezu ungenutzt. Der einst vorhandene Bauernhof ist aufgelassen, Wohnhaus und Nebengebäude werden abgebrochen. Kern des Grundstücks ist eine Fläche, auf der bis in die 1940er Jahre hinein Sand und Sandstein im Tagebau herausgeholt wurden. Die Abbaufläche fraß sich dabei einst in den Fuß des Fichtenbühls, so dass hier eine sieben Meter hohe Böschung entstand.

Lange Kaufverhandlungen

"Bei diesem Vorhaben sind wir am weitesten", freut sich Seidel über das "Premieren-Projekt" der Baulandentwicklungsstrategie. Partner der Stadt ist hier Herbert Klein, der das Vorhaben mit seiner R+K Projektbau I verwirklichen will. Der 60-jährige Dipl.-Bauingenieur aus Weiden konnte von einer kleinen Erbengemeinschaft 10 000 Quadratmeter "Freizeitfläche" zwischen Etzenrichter Straße und Wald erwerben. "Ich habe mich seit sieben Jahren für das Gelände interessiert. Im vergangenen Jahr sind wir uns dann doch handelseinig geworden." Der Bebauungsplan, den die Stadt entwickelt, umfasst weitere 5000 Quadratmeter Nachbarflächen.

Entlang der Etzenrichter Straße ist eine Zeile mit zehn Doppelhaushälften vorgesehen. Diese Flächen gehen an die Stadt Weiden, die sie wiederum an bauwillige Familien vergeben will. Auf dem Areal ist zudem noch Platz für zwei Einfamilienhäuser. Herbert Klein, der seit gut 30 Jahren als Bauträger aktiv ist, trägt aus Überzeugung die Absicht der Stadt mit, Wohnraum für Familien zu schaffen. Die Doppelhaushälften seien etwa 11 mal 6 Meter groß. "Rund 130 Quadratmeter sind möglich. Dazu kommt noch eine schöne Raumreserve im Dach."

Klein investiert 15 Millionen

Der Investor wird mit seiner R+K Projektbau I zwischen der Doppelhauszeile und dem bestehenden Wald drei große Gebäude mit rund 50 Wohnungen errichten. Die für die Etagenwohnungen nötigen Stellplätze will Klein in Tiefgaragen schaffen. Die großen Wohnhäuser erhalten Gründächer. Der Bauherr selbst rechnet mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro.

Selbst wenn das Bebauungsplanverfahren optimal laufe, rechnet Klein mit einem Baubeginn erst im Spätherbst 2022.

Neue Eigentumswohnungen am Rehbühl

Weiden in der Oberpfalz
Blick auf den Geltungsbereich des künftigen Bebauungsplanes Horbach an der Etzenrichter Straße.
Hintergrund:

Schirmitzer Modell als Vorbild für Weiden?

  • Der Fall Schirmitz: Vergabe von Parzellen im neuen Baugebiet „Gladiolenweg“ nach beschlossenem Einheimischenmodell als Punktevergabe; maximal 100 Punkte kann Bauplatz-Werber erhalten
  • Soziale Kriterien: Für familiäre Situation der Familie (mit 1 Kind) bis zu 20 Punkte, für Kinder weitere 20 sowie für Schwerbehinderung nochmals 10 Punkte. Insgesamt sind 50 Punkte möglich
  • Wohnsituation: Bewerber sind bereits am Ort oder waren früher mindestens 10 Jahre Schirmitzer, haben Kinder in Schule oder Kindergarten: 25 Punkte
  • Ehrenamt: Für Mitgliedschaft in Schirmitzer Vereinen/Organisationen bis zu 9 Punkte, für herausgehobene ehrenamtliche Tätigkeit 6 Punkte, für Leitungstätigkeit 12, für aktiven Dienst in Hilfsorganisation bis zu 20 und für langjährigen Dienst bei der Feuerwehr 22 Punkte. Insgesamt bringen Ehrenämter 25 Punkte
  • Ergebnis: 49 Bauplatz-Vergaben nach diesem Modell, 70 Familien stehen weiter auf Warteliste; neues Baugebiet nahe Gladiolenweg in Planung;

 

 

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