27.04.2020 - 17:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erster Schultag mit Corona: Endlich wieder „vernünftiger Unterricht“ in Weiden

Mensa geschlossen, nur einzeln zur Toilette, Pausen im Schichtbetrieb. Am ersten Schultag nach dem Corona-Shutdown begleitet viele Abschlussschüler ein mulmiges Gefühl. Zwei FOS/BOS-Schüler berichten über den Ausnahmebetrieb.

Abstand ist oberstes Gebot: Die beiden Abiturienten der FOS/BOS in Weiden, Dominik Hopperdietzel (links) und Ralph Zeitler, berichten über den ersten Schultag unter Corona-Bedingungen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Nach fünf Wochen Zwangspause durften bayerische Abiturienten gestern erstmals wieder die Schulbank drücken. Doch weil das Coronavirus noch lange nicht besiegt ist, gelten für Lehrer und Schüler strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Ist unter solchen Bedingungen überhaupt eine gründliche Vorbereitung auf die nahenden Abschlussprüfungen möglich? Und halten sich die Schüler an die Vorgaben? Wir haben bei zwei Abiturienten an der Weidener FOS/BOS nachgefragt.

„Ich habe mich sehr gefreut, endlich wieder meine Kumpel zu sehen. Die wollte ich eigentlich umarmen. Aber leider kann man ja nur auf zwei Meter Hallo sagen“, beschreibt Dominik Hopperdietzel seine Eindrücke vom Montag. Der 22-Jährige besucht die 13-Klasse der FOS und schreibt in wenigen Wochen Abitur. Ganz wohl fühlt er sich in der Ausnahmesituation an der Gustav-von-Schlör-Schule nicht: „Zu Hause habe ich eine Uroma mit über 90 Jahren. Da ist es mir schon mulmig, wenn ich in die Schule muss.“

Völlig neue Situation

Zudem verweist der Schülersprecher auch auf die besondere Situation an der Fach- und Berufsoberschule. Dort werden nur Schüler der Oberstufe von der 11. bis zur 13. Klasse unterrichtet. „Es gibt bei uns fast nur Abschlussklassen. Deshalb ist hier deutlich mehr los als an den Gymnasien“, erklärt Dominik den Unterschied.

Seinem BOS-Mitschüler Ralph Zeitler plagen ähnliche Sorgen. „Man fragt sich natürlich, ob man das Coronavirus nicht unabsichtlich nach Hause trägt.“ Die Stimmung unter den Schülern sei deshalb gemischt. „Aber die Lehrer versuchen uns Mut zu machen.“

Der 24-Jährige schildert eine völlig neue Situation. So sei in den Klassenzimmern keine freie Platzwahl mehr möglich: „Der Abstand zwischen den Tischen ist genau ausgemessen und mit grünen Punkten markiert. Nur dort darf man sich hinsetzen.“ Die Mensa ist geschlossen, der Pausenverkauf ausgesetzt und Toiletten dürfen nur noch einzeln oder zu zweit betreten werden, um unnötige Kontakte zu vermeiden, sagt Ralph. „Sogar der Edeka-Markt gegenüber hat uns gebeten, nicht zu kommen, weil die Platzkapazitäten für ganze Pulks von Schülern nicht ausreichen würden.“

Zwar seien die strengen Maßnahmen ungewohnt, doch sie würden ein gewisses Gefühl von Sicherheit geben, sagt Dominik. „Man sieht, dass die Schule wirklich alles tut, um Infektionen zu vermeiden. Das ist gut gemacht und beruhigt.“

Lehrer-Meinung hat gefehlt

Trotz der Umstände sind die beiden Schülersprecher froh, wieder regulär in der Schule zu sein – und auf Audio- und Videokonferenzen über das Internet verzichten zu können. „Endlich wieder vernünftig unterrichtet zu werden ist ein Vorteil“, sagt Dominik. „Zuvor lief alles über Microsoft Teams. Man musste zu Hause den Stoff erarbeiten, und das war viel.“

Die direkten und persönlichen Rückmeldungen der Lehrer hätten gefehlt, bestätigt auch Ralph das umständliche Lernen und Kommunizieren über Online-Plattformen. „Der größte Nachteil ist, dass der Stoff einfach nicht richtig vermittelt wird“, sagt der BOS-Schüler aus der 13. Klasse. Umgekehrt habe es aber auch Vorteile gehabt, da die Arbeitsweise jener an Universitäten gleiche: „Es war eine gute Vorbereitung auf das Studium. Da wird auch vieles nur online vermittelt. Man wird selbstständiger, weil man daheim mehr eigenverantwortlich lernen muss“, findet Ralph.

Höchstens zwei Schüler dürfen die Toiletten gleichzeitig benutzen. Gründliches Händewaschen und das Tragen einer Mund-Nasen-Maske sind Pflicht.

Die fünfwöchige Zwangspause bringt für die Absolventen weitere Vorteile mit sich. Um die verbleibende Zeit bis zu den Abiturprüfungen bestmöglich zu nutzen, konzentriert sich der Unterricht nun ausschließlich auf die Hauptfächer. „Dass die ganzen Nebenfächer wegfallen, freut mich sehr“, sagt Dominik. „Dafür werden jetzt nämlich einfach die Noten vom Vorjahr genommen – dieses Jahr hätte ich in den Nebenfächern bestimmt schlechter abgeschnitten.“

Sorgen, dass die restliche Vorbereitungszeit nicht ausreichen könnte, macht sich Dominik nicht. „Der Prüfungstermin ist ja von Mai auf Juni verschoben worden. Da können wir die verlorene Zeit wieder reinholen. Nur bei Mathe habe ich Bedenken. Ich muss mich erst wieder einarbeiten, die Pause war doch lang.“

Corona-Abitur kein Makel

Ralph denkt genauso: „Jeder Leistungsnachweis im 2. Halbjahr fällt weg. Mit Ausnahme des Abiturs müssen wir keine Prüfungen mehr schreiben. Wir haben überhaupt keinen Stress mehr mit den Nebenfächern.“ Abitur im Corona-Jahr zu schreiben, ist für den 24-Jährigen kein Makel – im Gegenteil: „Wenn wir genügend Engagement reinstecken, sehe ich für uns sogar einen Vorteil gegenüber den früheren Abschlussjahrgängen.“

Laut Schulleiterin Gabriele Dill werden alle Räumlichkeiten der FOS/BOS bestmöglich genutzt, um Schüler voneinander fernzuhalten. Auch in der Aula kann Unterrichtet werden. Der Abstand zwischen den Stühlen ist genau ausgemessen - 1,5 Meter Mindestabstand dienen dem Schutz vor einer Corona-Infektion.
Hintergrund:

Unterricht im Blockbetrieb

Um die Infektionsgefahr mit Coronaviren an der Gustav-von-Schlör FOS/BOS zu verringern, achtet Schulleiterin Gabriele Dill auf strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen. "Wir haben ganztägigen Blockunterricht eingeführt. Momentan werden nur die Abschlussklassen unterrichtet, die ab 18. Juni Abitur schreiben, also die 12. und 13. Klassen. Die einzelnen Klassen sind somit jeweils nur zwei oder drei Tage an der Schule und bekommen nur Unterricht in den Prüfungsfächern", erklärt die Oberstudiendirektorin. Dadurch könne sichergestellt werden, dass täglich nur maximal 220 Schüler im Gebäude sind – von knapp 900 insgesamt. "Wir haben jetzt größtenteils wieder auf Präsenzunterricht umgestellt. Aber vereinzelt gibt es auch noch Online-Stunden für zuhause", sagt Dill. Auch das rund 80-köpfige Lehrerkollegium sei bis auf einzelne Ausnahmen vollständig zum Dienst erschienen. Die Schulleiterin ist zufrieden mit dem ersten Schulltag: "Ich wüsste persönlich nicht, wie wir die Schüler noch mehr schützen könnten. Natürlich ist die Situation anders als zuvor. Aber ich denke, unter den gegebenen Umständen sind die Regelungen gut. Ich habe von niemanden Beschwerden bekommen."

Der Schulstart unter Corona-Bedingungen ist eine Mammutaufgabe für alle Beteiligten.

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