Weiden in der Oberpfalz
24.04.2020 - 14:58 Uhr
OnetzPlus

Schulstart für Abschlussklassen: "Wir schaffen das. Habt Vertrauen!"

Es ist nur ein erster Schritt und doch eine Mammutaufgabe: Am Montag starten die weiterführenden Schulen nach der Corona-Zwangspause den Präsenzunterricht für ihre Abschlussklassen. Eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Stühlerücken für den Schulstart in den Abschlussklassen am Montag: Am Kepler-Gymnasium Weiden treffen Hausmeister Silvio Tröger, Schulleiterin Sigrid Bloch und stellvertretender Schulleiter Johannes Wagner am Donnerstag Vorbereitungen, damit der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann. Bild: Gabi Schönberger
Stühlerücken für den Schulstart in den Abschlussklassen am Montag: Am Kepler-Gymnasium Weiden treffen Hausmeister Silvio Tröger, Schulleiterin Sigrid Bloch und stellvertretender Schulleiter Johannes Wagner am Donnerstag Vorbereitungen, damit der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann.

"Es war eine arbeitsintensive Zeit, aber wir haben alles fertig", sagt Sigrid Bloch erleichtert. Ende der Woche galt es noch, Tische und Stühle zu rücken, den Unterricht in den Prüfungsfächern unter den Vorgaben des Kultusministeriums (siehe Kasten) zu organisieren. "Wir hatten dafür eine knappe Woche Zeit", so die Schulleiterin des Kepler-Gymnasiums. Sie könne sich vorstellen, dass viele der 119 Kepler-Abiturienten ihrem Abschluss mit mehr Unsicherheit entgegensehen als sonst. "Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Sie sind nicht zu beneiden." Die Schulleiterin will ihnen Mut machen: "Wir schaffen das. Habt Vertrauen!"

Folgende Schulen zeigen beispielhaft, wie der Unterricht für die Abschlussklassen umgesetzt wird:

Kepler-Gymnasium Weiden

Die Lehrer teilen die Kurse auf nebeneinander liegende Räume auf, erklärt Schulleiterin Bloch. Das bedeute zwar, dass Lehrer in zwei Räumen gleichzeitig unterrichten müssen. "Aber es wäre ungünstig, wenn sie plötzlich einen anderen Kursleiter hätten." Bloch setzt auf die Eigenverantwortung der Schüler. Sie informiere fortlaufend über die Vorgaben - "bis hin zum Toilettengang". In den Treppenhäusern gelte eine "Einbahnstraßenregelung". Für die Pausen gebe es Silentiumräume. Das Behelfskrankenhaus für den Katastrophenfall in der Kepler-Turnhalle wurde am Freitag abgebaut. Die Halle könne nach einer Grundreinigung - "und wenn's nur Staub ist, der weg muss" - für das Abitur genutzt werden, freut sich Bloch.

Kepler-Hausmeister Silvio Tröger sperrt eine Treppe im Gymnasium ab. Schilder und Absperrbänder weisen auf eine "Einbahnstraßenregelung" auf den Treppen hin. Bild: Gabi Schönberger
Kepler-Hausmeister Silvio Tröger sperrt eine Treppe im Gymnasium ab. Schilder und Absperrbänder weisen auf eine "Einbahnstraßenregelung" auf den Treppen hin.
Ende März wurde der Turnhallentrakt des Weidener Kepler-Gymnasiums für den Katastrophenfall als Behelfskrankenhaus ausgestattet. Am Freitagmorgen baute das THW es wieder ab. Die Schule kann die Turnhalle nach gründlicher Reinigung zum Wochenstart wieder normal nutzen. Bild: Gabi Schönberger
Ende März wurde der Turnhallentrakt des Weidener Kepler-Gymnasiums für den Katastrophenfall als Behelfskrankenhaus ausgestattet. Am Freitagmorgen baute das THW es wieder ab. Die Schule kann die Turnhalle nach gründlicher Reinigung zum Wochenstart wieder normal nutzen.

Gymnasium Neustadt/WN

"Wir ziehen alle an einem Strang und kriegen das gut über die Bühne", ist sich Anton Hochberger, Leiter des Neustädter Gymnasiums sicher. 46 Abiturienten gelte es zu betreuen. "Es war schwierig. Wir hatten im Grunde nur eine Woche Zeit, aber wir haben es gemeistert." Die größeren Kurse in Deutsch, Mathe und Englisch wurden in Gruppen mit maximal 12 Schülern aufgeteilt, die Räume dem Abstandsgebot entsprechend bestuhlt. "Jeder Lehrer bleibt bei seinem Kurs", erklärt der Schulleiter. Die Gruppen würden entsprechend zeitlich aufgeteilt.

Realschule Vohenstrauß

72 Schüler der 10. Jahrgangsstufe kommen zurück in die Realschule Vohenstrauß. "Wir haben in den Ferien ein 7-Punkte-Programm erarbeitet", erzählt Schulleiter Andreas Meier. Es umfasse Konzepte für Räume, Pausen, Hygiene und Toilettennutzung, Einlass, Busfahren und Unterricht. Die Vorgaben des Ministeriums seien eingearbeitet worden. "Wir haben alle Klassenverbände aufgelöst." Es gebe nur noch Gruppen mit 9 bis 15 Schülern. Lehrer unterrichten erst eine Klassenhälfte, dann die zweite, während der jeweils andere Teil ein anderes Fach belegt. Der Schulleiter spricht von einer arbeitsintensiven, kreativen Zeit, mit selbst erstellten Lern-Videos, Video-Übertragungen, Audio-Elementen. "Sie würden nicht glauben, was Lehrer alles machen, wenn sie die Möglichkeiten dazu haben." Es sei dennoch klar, dass die Schüler mit unterschiedlichen Vorkenntnissen zurückkämen. Montag sei zunächst Zeit, anzukommen. "Die Schüler werden nicht überfahren. Es braucht ein Gespür für den Einzelnen. Dafür sind wir Pädagogen."

FOS/BOS Weiden

An der FOS/BOS Weiden war es nötig, die große Zahl an Schülern, die wieder zur Schule gehen, zu blocken und ihren Unterricht zu verdichten, erklärt Studiendirektor Jürgen Gleixner. 450 Schüler kehren zurück. "Pro Tag wird jeweils die Hälfte im Haus sein. Wir machen zu drei Vierteln Präsenzunterricht und zu einem Viertel Online-Unterricht." Einige Klassen werden auf zwei Räume aufgeteilt, außerdem werden Mehrzweckräume wie der Speisesaal mitgenutzt. "Der Abstand von mindestens 1,5 Metern wird überall eingehalten", versichert Gleixner. Dennoch: "Wir haben eine Maskenpflicht, auch im Unterricht." Die Pausen der gut 200 anwesenden Schüler werden versetzt eingeläutet, die drei Treppenhäuser sowie WCs fest zugeteilt.

München22.04.2020

Stötznerschule Weiden

Im Sonderpädagogischen Förderzentrum Stötznerschule wird die neunte Klasse mit zehn Schülern in zwei Hälften geteilt. In vier Stunden am Tag werden nur die Fächer für die Prüfungen unterrichtet, erklärt Sonderschulkonrektorin Kunigunde Schwägerl. Es gebe ein Hygiene- und Reinigungskonzept, dennoch versuche man, über nähende Kollegen an Masken zu kommen. Schwierig werde die Aufteilung der Schüler, wenn auch die anderen Klassen wieder in die Schule kämen.

Auch wenn es an den meisten vorgestellten Schulen keine Maskenpflicht im Unterricht gibt, befürworten die Schulleiter das Mitbringen eigener Masken und erinnern an das Einhalten der Nies-Etikette sowie des regelmäßigen Waschens der Hände.

Info:

Die wichtigsten Vorgaben des Kultusministeriums

Kultusminister Michael Piazolo gab am Mittwoch den Fahrplan für die Abschlussklassen an den weiterführenden Schulen bekannt. Das Wichtigste im Überblick:

  • Am Montag starten nur Abschlussklassen mit Präsenzpflicht. Es gilt, sie auf maximal 15 Schüler zu verkleinern.
  • Lehrkräfte über 60 Jahre, Schwangere und Risikogruppen dürfen (mit ärztlichem Attest) zu Hause bleiben.
  • Wer mit Bus oder Bahn zur Schule fährt, muss eine Maske tragen.
  • Schulen müssen Konzepte zu Hygiene, Desinfektion und Reinigung erstellen.
  • Mindestabstand: 1,50 Meter.
  • Es gibt keine Maskenpflicht im Unterricht. In Gebäuden sind sie empfohlen. Piazolo will möglichst allen Schulen Masken zur Verfügung stellen.
  • Der Unterricht dient der Prüfungsvorbereitung. Klausuren zur Verbesserung der Note sind freiwillig.
  • Pausen sollen möglichst drinnen verbracht werden.
  • Die aktuellen Halbjahres-Zensuren werden nach den schon erbrachten Leistungen oder aus den Ergebnissen der 11. und 12. Klasse hochgerechnet - je nachdem, was für die Schüler günstiger ist.
  • Voraussichtlicher Prüfungsstart: Abitur 20. Mai, Mittelschulen 6. Juni, Fach-/Berufsoberschulen 18. Juni, Realschulen 30. Juni.
OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz23.04.2020
Weiden in der Oberpfalz21.04.2020
Deutschland und die Welt23.04.2020
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.