18.09.2020 - 19:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Evakuierung mit riesigem Aufwand: 500 Helfer gehen für 1500 Bürger in den Einsatz

Im Umkreis von 500 Meter ums Wasserwerk wird Weiden am Sonntag, 27. September, geräumt: Die Evakuierung schafft Sicherheit, falls sich ein Fremdkörper im Boden als Blindgänger entpuppt und nicht entschärft werden kann.

Rund 1500 Weidener müssen am Sonntag, 27. 9. vor 8 Uhr ihre "vier Wände" verlassen, wenn sie in diesen Bereichen wohnen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der Aufwand ist gigantisch. Sogar aus Niederbayern kommen BRK- und THW-Helfer, um am 27. September rund 1500 Bürger zu evakuieren, deren Wohnungen im 500-Meter-Radius um die Fundstelle eines Metallkörpers liegen. Geräumt werden muss auch das BRK-Seniorenheim, die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz sowie der Neubau-Trakt des Klinikums, auf dem gewöhnlich der Rettungshubschrauber landet. Zuverlässig um 8 Uhr muss der Sperrbereich gesichert sein, blickt Stadtbrandrat Richard Schieder, der als örtlicher Einsatzleiter mit 500 Helfern und 170 Fahrzeugen die Evakuierung koordiniert, in die Zukunft.

Relativ entspannt

Was wirklich im nassen Untergrund zwischen Schweinnaab und Wasserwerk steckt? "Wir wissen es noch nicht", gesteht Stefan Kuczmik, der die Kampfmittelerkundung durchführt. Bereits seit Juli wird die Beseitigung geplant, nachdem die Stadt auf vier "Blindkörperverdachtspunkte" gestoßen war. "Wir sind relativ entspannt", versichert Kuczmik. Er habe mal auf einer einzigen Baustelle 49 Bomben entdeckt.

Drei "Verdachtsflächen", die ebenfalls mit einem gestörten Magnetfeld auffielen, sind inzwischen als harmlos aufgeklärt, erläutert Oberbürgermeister Jens Meyer, als er am Freitag mit den Führungskräften des Einsatzes weitere Einzelheiten nennt. Die Beseitigung des noch verbliebenen Fremdkörpers sorge für die erste große Evakuierung in Weiden. Die Integrierte Leitstelle (wird nach München verlegt), Hilfsorganisationen wie BRK (zieht zum THW in die Mooslohstraße), THW, Feuerwehr, sowie Klinikum, Polizei und Bauhof bereiteten sich professionell vor, unterstreicht Meyer.

Für alle Eventualitäten

Da das vermutete "Kampfmittel" nicht bei Bauarbeiten, sondern aufgrund der Erkundung aufgespürt wurde, sei Weiden in der komfortablen Lage, nicht mit "Ad-hoc-Maßnahmen" reagieren zu müssen. Vielmehr habe man die Chance, die Bergung akribisch vorbereiten zu können, betont Rechtsdezernentin Nicole Hammerl, in deren Aufgabengebiet die Aktion fällt. "Wir stehen dennoch vor einer riesigen Herausforderung." So lägen inzwischen Sondereinsatzpläne für alle Eventualitäten vor. Es werde auch protokolliert, was erledigt ist. Das Bürgertelefon 09 61 / 81 38 38 sei eingerichtet. Am Evakuierungstag halte ein Live-Ticker auf www.weiden.de die Bürger auf dem Laufenden. Ebenso gebe es Infos über die Warn-App Nina, die Stadt-Weiden-App und Radiodurchsagen.

Für Bürger, die keine Bleibe finden, wird die Max-Reger-Halle als Notquartier (300 Plätze) vorbereitet und ein Shuttle-Dienst für die Hin- und Rückfahrt eingerichtet. Das THW ist am Bauhof zu finden, sichert mit der Polizei die evakuierten Gebäude und verpflegt etwa 280 Helfer, erklärte Ortsbeauftragter Andreas Duschner. Das THW, das im Bauhof zudem einen Meldekopf einrichtet, reiht sich mit 101 Helfern und 25 Fahrzeugen aus ganz Nordbayern in die Helfertruppe ein. Der Städtische Bauhof macht Platz für die Helfer: Er wird aber, falls nötig, mit gefüllten Big-Bags einen Wall als Splitterschutz um die Fundstelle bauen.

Splitterschutz

88 Bewohner zählt das BRK-Seniorenheim. 86 werden vom BRK in die Turnhalle der Europaberufsschule umquartiert und umsorgt von Helfern aus der Oberpfalz und Niederbayern. Ein Dutzend zusätzliche Fahrzeuge, insgesamt 57, die von Passau bis Auerbach anfahren, stehen für den Transport bereit.

Die Integrierte Leitstelle agiert aus München

Weiden in der Oberpfalz

Die Notrettungswache wird zum THW in die Mooslohstraße verlegt. "Die Bürger merken davon nichts", verspricht BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer. Das BRK übernimmt auch die "Aufnahme" in den Notunterkünften (Fragebogen, Fiebermessen) sowie die Verpflegung in der Regerhalle.

Das Klinikum kann die Verpflegung im gesamten Haus sicherstellen, obwohl das Küchengebäude nach dem Frühstück verlassen werden muss, berichtet Medizinische Direktorin Michaela Hutzler. Obgleich das Klinikum mit privaten Pkw nicht angefahren werden könne und der Sanka gerufen werden müsse, sei die medizinische Versorgung und der Betrieb der Notaufnahme ebenso wie der der Geburtshilfe gewährleistet. Aus dem Neubau ziehen für einen halben Tag die Palliativ-Station sowie 60 bis 70 Pflegepatienten hinüber ins sicherere Haupthaus, wo Platz geschaffen wird.

Straßen gesperrt

Die Polizei wird von Kräften aus Eichstätt und Nürnberg mit Diensthunden, Drohnen und Pferden unterstützt, kündigt Polizeidirektor Klaus Müller an. Er bittet die Bewohner, ihre Ausweise mitzunehmen, da es sonst Schwierigkeiten bei der Rückkehr geben könne. Ab 7 Uhr ist die Neustädter Straße gesperrt. Auf der B 22 und Am langen Steg laufe der Verkehr so lange wie möglich. Die Sperrung stehe gegen 11 Uhr an, wenn über das weitere Vorgehen bei einem etwaigen Bombenfund entschieden sei.

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