15.09.2020 - 18:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rettungsleitstelle in Weiden wird evakuiert

Das ist bayernweit einmalig: Die Integrierte Rettungsleitstelle Nordoberpfalz (ILS) wird evakuiert. Sie muss kurzzeitig nach München umziehen. Zu nah liegt sie an einem möglichen Blindgänger, nach dem der Kampfmittelräumdienst suchen wird.

Die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz, bei der der Notruf 112 aufläuft, muss evakuiert werden.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) muss wegen eines Bombenverdachts in unmittelbarer Nähe zum Gebäude ab Donnerstag, 24. September, kurzzeitig umziehen. Trotz dieser Evakuierung wird sie im Notfall ohne Unterbrechung über die 112 erreichbar und voll einsatzfähig sein, betont ILS-Chef Jürgen Meyer. Dies ist aber nur möglich, weil die durchaus komplizierten Vorbereitungen für den bayernweit - womöglich gar deutschlandweit - einmaligen kurzzeitigen Umzug einer kompletten Rettungsleitstelle in eine andere Stadt bereits seit Wochen laufen.

Notunterkunft in München

"Ja, der gesamte Dienstbetrieb muss evakuiert werden", bestätigt Meyer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Denn am Sonntag, 27. September, will die Stadt dem Verdacht nachgehen, dass nördlich oder nordwestlich des Stadtfriedhofs, und damit unweit der ILS an der Ulrich-Schönberger-Straße, eine Fliegerbombe in der Erde liegt. Bei Sondierungen im Zuge von Bauarbeiten für Kunstrasenplätze wurde dieser Verdacht laut. Im Umkreis von 500 Meter müssen deshalb gut 1500 Menschen ihre Häuser verlassen - auch die ILS. "Wir ziehen mit unserer Dienststelle in eine Notunterkunft nach München, sie liegt nahe der Theresienwiese", sagt Meyer.

Verdacht auf Bombe: 1500 Menschen werden evakuiert

Weiden in der Oberpfalz

Die Kollegen der Berufsfeuerwehr München würden sich dort in der Feuerwache 3 eine Not-ILS leisten, in die sich die Weidener Disponenten einmieten, um für fünf Tage von der Landeshauptstadt aus die etwa 200 Einsätze pro Tag in der Nordoberpfalz wie gehabt zu koordinieren. Binnen 24 Stunden würden um die 400 Anrufe eingehen. Am Evakuierungswochenende ist wohl mit noch mehr zu rechnen.

Amberg zu klein

Eigentlich sei in einer Art Notfallplan Amberg als Ausweichstelle vorgesehen. "Doch wegen der Corona-Schutzmaßnahmen finden wir dort nicht genügend Platz." Also geht es nach München. Für die Gastfreundschaft ist Meyer mehr als dankbar. "Wir dürfen hier kostenlos arbeiten, die Manpower und der technische Betrieb werden uns für den Notbetrieb zur Verfügung gestellt."

Ein 15-köpfiges Team der Rettungsleitstelle aus Weiden wird nach München wechseln. Insgesamt sind 30 Hauptamtliche bei der ILS beschäftigt. Dazu kommen noch 19 geringfügig Beschäftigte für den Telefondienst. Am Donnerstag, 24. September, dem Tag des Umzugs, werde die ILS einen aufwendigen Doppelbetrieb fahren - vorsichtshalber: Notrufe werden demnach in Weiden sowie in München entgegengenommen und koordiniert. "Das braucht es allein schon um sicherzustellen, dass die komplizierte Technik nach und nach korrekt von Weiden nach München umleitet wird", erklärt Meyer. Brandmeldeanlagen zum Beispiel müssten dann in München statt Weiden Alarm schlagen. Und allein davon gebe es zig in der Nordoberpfalz, die direkt mit der ILS verbunden sind.

Kosten trägt die Stadt Weiden

Über den Rettungsdienst hinaus gilt es, Menschliches zu regeln: Wo kommen die Disponenten in München unter? "Letztlich haben wir für alle Zimmer in einem Hotel an der Landsberger Straße bekommen samt flexibler Absprachen." Das heißt, kein Zimmerservice für müde Disponenten nach der Nachtschicht. Dafür ein gemeinsames Frühstück für das Dienst-Team trotz Corona-Auflagen in einem abgeschotteten Bereich. Klingt teuer. "Die Zusage der Kostenübernahme für die Maßnahme seitens der Stadt haben wir schon." Es sind städtische Grundstücke, auf denen nach einer Fliegerbombe gesucht wird. Folglich ist es auch die Stadt, die den Großeinsatz koordiniert.

Verdachtspunkt 130 Meter weg

Wo genau die besondere Gefahrenstelle auf diesen Grundstücken nördlich und nordwestlich des Stadtfriedhofs liegt, will die Stadt noch nicht bekanntgeben. Die ILS jedenfalls scheint vom Verdachtspunkt nur 130 Meter weg zu liegen. Im Fall einer kontrollierten Sprengung dürfte die Druckwelle im Gebäude spürbar sein. Die Disponenten in München werden davon nichts mitbekommen, deren Chef, der von Weiden aus koordiniert, schon. "Wir sind jedenfalls hervorragend aufgestellt", betont Meyer. "Der Rettungsdienst ist zu jeder Zeit sichergestellt."

Fragen und Antworten zur Bombensuche in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Informationen rund um die Bombensuche

  • Von der Evakuierung betroffene Anwohner erhalten von der Stadt einen Brief.
  • Die Stadt beantwortet Fragen über ein eigens eingerichtetes Bürgertelefon. Es ist zwischen 8 und 18 Uhr unter der Telefonnummer 0961/81-3838 erreichbar.
  • Fragen an die Stadt sind auch via E-Mail an bt[at]weiden[dot]de möglich.
  • Klinikum Weiden: Es ist am Sonntag, 27. September, zum Teil von der Evakuierung betroffen. Es kann damit nur einen eingeschränkten Betrieb gewährleisten. Die Bevölkerung wird gebeten, von Besuchen an diesem Tag abzusehen und bei kleineren Verletzungen, die eine eigene Anfahrt zum Klinikum noch ermöglichen, auf umliegende Krankenhäuser auszuweichen.
  • Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung: Sie ist im Klinikum angesiedelt und geschlossen, es wird auf die umliegenden Notfallpraxen verwiesen. Notruf: 116 117.
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