15.05.2020 - 09:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ex-Stadtrat greift Weidens dritten Bürgermeister an

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Der ehemalige Weidener SPD-Stadtrat Josef Gebhardt überrascht "Freund und Feind". Er wirft dem neuen 3. Bürgermeister Reinhold Wildenauer (FDP) vor, mit den Stimmen der AfD gewählt worden zu sein, und zieht selbst seine Konsequenzen.

Josef Gebhardt ist Initiator des Vereins Tierfriedhof Weiden, den er ebenso wie die "Tafel" in Weiden erfolgreich führt.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die beiden Stadträte haben sich eigentlich ihr Leben lang gut verstanden. "Wir waren immer gut miteinander, hatten keine Probleme, haben uns geschätzt. Zumindest hatte ich immer diesen Eindruck", betont Reinhold Wildenauer. Auch darum versteht er nicht, dass ihm Gebhardt nach dem überraschenden Facebook-Post vom Montagabend (siehe Infokasten) sogar ein Gespräch verweigert habe. "Gebhardt hat mir die Freude über meine Wahl zum 3. Bürgermeister wirklich gründlich kaputt gemacht", betont der DJK-Vorsitzende.

Reinhold Wildenauer wird mit 23 Stimmen zum 3. Bürgermeister der Stadt Weiden gewählt, damit wäre er auf die beiden AfD-Stimmen gar nicht angewiesen, um ins Amt zu kommen..

Auch ohne AfD Bürgermeister

Unverständlich sei auch die Einschätzung Gebhardts, dass die Stadt Weiden nun den "wankelmütigsten Stadtrat aller Zeiten als dritten Bürgermeister" habe. "Ich habe immer zu meinem Wort gestanden", betont Wildenauer. Der Post des ehemaligen Stadtrats aus Neunkirchen gehe "weit unter die Gürtellinie".

Auch rein mathematisch liege Gebhardt falsch: "Die Wahl am Montag war geheim. Schon mit 21 Stimmen wäre ich gewählt gewesen. Ich habe 23. Es spielt also keine Rolle, ob mich die beiden Stadträte der AfD gewählt haben. Von daher bin ich ihnen auch nicht verpflichtet", weist Wildenauer den Vorwurf Gebhardts zurück, er werde als 3. Bürgermeister besondere Rücksicht auf die AfD nehmen. "Ich bin konsterniert, schockiert, was Gebhardt an Vorwürfen an den Haaren herbeizieht und dabei meine Jahrzehnte lange Arbeit in Misskredit bringt. Ich versuche, jedem zu helfen", sagt Wildenauer, der sich am Donnerstagvormittag sofort aufmacht, "um bei einer großen Runde den ganzen Stress wegzulaufen".

Der Bericht zur Wahl der Bürgermeister am Montag

Weiden in der Oberpfalz

Für Gebhardt wiederum führt kein Weg zurück: "Ich werde in den nächsten Woche meine Ämtern niederlegen", kündigt er gegenüber den Oberpfalz-Medien an. Mit den neuen Kräfteverhältnissen im Stadtrat sehe er jene in der Mehrheit, die seine ehrenamtliche Arbeit sowohl beim Verein Tierfriedhof (Gründer und seit 10 Jahren Vorsitzender) wie auch bei der Tafel (Vorsitzender seit 2014) immer wieder zu behindern versuchten, bzw. die Unterstützung, die Anerkennung der erbrachen Leistungen verweigerten. "Dazu gehören Wildenauer und diejenigen, die ihn ins Amt als dritter Bürgermeister getragen haben." Er habe keine Lust, unter erschwerten Bedingungen ehrenamtliche Arbeit für diesen Stadtrat zu leisten, so Gebhardt.

Viele Dampfplauderer

Noch nie habe der Weidener Stadtrat "so viele Dampfplauderer, so viele Grüß-Gott-Augusten" verkraften müssen wie das neue Gremium. "Ich habe erlebt, wie sie ständig gegen soziale Einrichtungen vorgehen." Die Stadt werde - bei diesen Machtverhältnissen - künftig wohl ihre Unterstützung reduzieren, fürchtet Gebhardt. Er habe die Denkweise im angeblichen "bürgerlichen Lager" zu sozialen Aufgaben immer wieder zu spüren bekommen, betont der 74-jährige Sozialdemokrat. "Wir haben natürlich die AfD gegen uns." Er selbst sei mehrmals aus der rechten Szene angegriffen worden. "Die Bürgerlichen und die Rechten machen im Stadtrat gemeinsame Sache. Das hat die Wahl Wildenauers gezeigt", gibt sich Gebhardt überzeugt. "Für diesen Stadtrat bin ich nicht mehr bereit, so viel ehrenamtlich zu arbeiten. Nein, das war's für mich. Da halte ich es mit der Bibel: Ich gehe, schüttele den Staub von meinen Füßen."

Überrascht von dem, was sich da im Internet abspielt, zeigt sich SPD-Fraktionschef Roland Richter. Er werde Gebhardt zur Fraktionssitzung am Montag bitten: "Vorrangig, um ihm für die vielen Jahre der Mitarbeit zu danken ( ...)Wir werden miteinander reden." Er selbst, so Richter, sehe Wildenauer nicht als AfD-, sondern als FDP-Bürgermeister. "Ich habe keinen Grund, mich in eine Facebook-Geschichte groß einzumischen", gibt sich Richter zurückhaltend.

Zur Vorgeschichte:

Josef Gebhardts Facebook-Beitrag

Mit dieser Wortmeldung im Facebook überrascht Josef Gebhardt nach der Bürgermeisterwahl am Montag im Stadtrat: „Diese Wahl gibt mir sehr zu denken. Bisherige Absprachen, die zweitstärkste Partei bekommt einen Bürgermeister, gelten nicht mehr. Schmerzlich für mich, weil ich damals einer der Verfechter dieser Regelung war. Für Lothar Höher war die Entscheidung klar und nicht weiter zu kommentieren. Nun haben wir den wankelmütigsten Stadtrat aller Zeiten, Reinhold Wildenauer, als dritten Bürgermeister. Wildenauer, der nach eigenem Bekunden acht Jahre benötigte um alles zu verstehen. Und nun mit den Stimmen der AfD gewählt wurde.

Für mich als Vorsitzender der Tafel und des Tierfriedhofes heißt dies konkret, ich arbeite nicht für einen unzuverlässigen AfD-Bürgermeister. In den nächsten drei Tagen werde ich entscheiden, wie und wie schnell ich meine Ämter niederlege!“

Zum Kommentar:

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Zur Wahl der Bürgermeister:

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Über die Stadtratssitzung:

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