08.11.2018 - 18:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ex-Verlobter vor Gericht wegen sexuellen Missbrauchs von Buben

Die Mutter und der "Vaterersatz" sind verlobt. Nicht nur, dass aus der Heirat nichts wird. Der Mann steht nun vor Gericht. Er soll die beiden Söhne der Ex-Verlobten 52 Mal schwer sexuell missbraucht haben.

Ein 45-Jähriger ist angeklagt: Er soll 52 Mal die beiden Jungen seiner Ex-Verlobten schwer sexuell missbraucht haben.
von Autor hczProfil

Langwierig und kompliziert gestaltet sich der Prozess gegen einen 45-Jährigen aus dem Landkreis Tirschenreuth. Der Mann soll von September 2007 bis Anfang 2016 die zwei Söhne seiner damaligen Verlobten mehrfach missbraucht haben. 52 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen wirft Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf dem Zimmerer vor. Derweil gehen die insgesamt drei Anwälte des Angeklagten - Rouven Colbatz (Weiden), Philip Müller und Florian Zenger (beide München) - von Anfang an auf Konfrontationskurs.

Die Mutter der beiden mutmaßlich geschädigten Buben war 2007 mit dem Angeklagten zusammengezogen. Bereits als der Ältere 12 Jahre alt war, soll der Angeklagte in verschiedenen Wohnungen der Patchworkfamilie ihn zwei Mal "sexuell angefasst" haben, berichtete der jetzt 23-Jährige am Donnerstag vor der 3. Jugendkammer des Landgerichts. Beim Playstation-Spielen habe sich der als "Vaterersatz" geschätzte Mann ihm genähert, ihm die Hose heruntergezogen und gesagt, er wolle ihm "helfen".

Der Jüngere, jetzt 15- Jährige, sagte aus, dass er bereits als Achtjähriger manuelle und orale Angriffe auf sein Geschlechtsteil hatte erdulden müssen. Ein- bis zweimal pro Woche sei dies in der Badewanne, auf der Couch oder in seinem Zimmer vorgekommen. Aus Angst, als Lügner hingestellt zu werden oder weil sie es zu verdrängen versucht hätten, wollen beide Buben geschwiegen haben. Erst zwei Tage vor seiner Konfirmation habe ihm sein Bruder eröffnet, dass er früher missbraucht worden sei, berichtete der Schüler. Daraufhin habe er sich seiner Großmutter und seiner Mutter sowie darüber hinaus einer Lehrerin offenbart.

Die Mutter sagte, sie habe von den Übergriffen nichts mitbekommen. Als ihr jüngerer Sohn zu ihr gekommen sei und berichtet habe, was ihr Verlobter ihm angetan habe, habe sie ihn gefragt: "Sagst du das nicht bloß, dass wir uns schneller trennen?". Die Beziehung sei, auch wegen der Trunksucht des Mannes, damals schon ziemlich am Ende gewesen. Sex habe es etwa "nur alle vier Monate" gegeben.

Zu all diesen Vorwürfen kommt hinzu, dass die Polizei bei einer Wohnungsdurchsuchung im Haus des Angeklagten zahlreiche Bilder und Dateien auf seinem Laptop gefunden hat, die unter 14-jährige Mädchen und Jungen beim Anal- und Oralverkehr zeigen.

Eineinhalb Stunden musste sich die 3. Jugendkammer des Landgerichts eingangs mit der Frage beschäftigen, ob der Ledige bei seiner Verhaftung im September 2017 genügend über seine Rechte belehrt wurde. Wenige Tage zuvor war gemäß einer neuen EU-Richtlinie in der Strafprozessordnung eingefügt worden, dass der Beschuldigte auch über Kostenfragen einer rechtsanwaltlichen Vertretung belehrt werden muss. Die Münchener Verteidiger sind der Auffassung, dass, nachdem diese Belehrung fehlte, die Einlassung ihres Mandanten im ersten Verhör nicht verwertet werden darf.

Die Verhandlung vor den Richtern Reinhold Ströhle und Peter Werner wird am Dienstag,12. November, um 9 Uhr fortgesetzt.

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