09.05.2019 - 07:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Falscher Fuffzger"

Der 30-Jährige will nicht sagen, wo er das Papiergeld aus dem Tintenstrahldrucker her hatte. Tatsache ist: Die "falschen Fuffzger" sahen so echt aus, dass sich mehrere Geschäftsleute und Gastronomen täuschen ließen.

Euro-Scheine bei der Bundesbank in Frankfurt. Das Geld, das ein Oberpfälzer unters Volks brachte, stammte von einem Tintenstrahldrucker.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Der Lagerarbeiter muss sich vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Weiden wegen Geldfälschung in fünf Fällen verantworten. Staatsanwältin Carina Särve wirft ihm vor, Schulden bei seinem Kumpel in Kulmain mit Falschgeld beglichen zu haben. Und weil es so gut lief, zahlte er mit den unechten Scheinen bei einer Tankstelle in Grafenwöhr, im Dönerladen und einer Pizzeria in Kemnath. Das – echte – Wechselgeld steckte er ein. Alle Geschädigten bemerkten den Betrug erst im Nachhinein. Nur eine Wurstverkäuferin vor dem Mediamarkt in Bayreuth sagte sofort, als sie das Papier zwischen die Finger bekam: „Was für ein komischer Fünfziger ist das denn?“ Der 30-Jährige schnappte sich seine Currywurst und lief davon. Die Wurstverkäuferin, eine Weidenerin (51), holte die Polizei.

Zu klein geraten

Den Kriminalhauptkommissar der Kriminalpolizei Weiden hätte der 30-Jährige nicht täuschen können: „Aus meiner Sicht waren das schlechte Fälschungen. Kein Sicherheitsfaden, kein Wasserzeichen – aber wer hält schon einen Fünfziger ins Licht?“ Auch die Maße waren um einige Millimeter kleiner.

Zur Ehrenrettung der Laien: Einige Sicherheitsmechanismen funktionierten schon. Als der Kumpel mit dem falschen Schein bei Aldi zahlen wollte, ging sofort ein Piepser an. Auch an der Tankstelle in Grafenwöhr war die Angestellte der Spätschicht misstrauisch und verglich den Schein mit einem echten 50-Euro-Schein, als der Kunde vom Hof gefahren war. Ihr Chef prüfte das Geld schließlich mit einem Prüfstift: Bleibt die Farbe haften, ist das Geld nicht echt. Mit den Aufnahmen der Überwachungskamera konnte die Polizei Eschenbach den 30-Jährigen überführen.

„Woher kriegt man so was?“, interessierte sich Vorsitzender Richter Hubert Windisch. Es sei bekannt, dass Falschgeld über das Darknet bestellt werden kann, sagte der Kriminalbeamte. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Lagerarbeiters konnte nichts gefunden werden, was auf die Herkunft schließen ließ. Die RBA (Regionale Beweissicherungs- und Auswertungsstelle) wertete die elektronischen Geräte des Angeklagten aus. Leer war auch ein vom Angeklagten angemietetes DHL-Paketfach. Es ließ sich auch nichts finden, was auf die eigene Herstellung schließen ließ. Laut Gutachten der Bundesbank ist das Geld mit einem Tintenstrahldrucker hergestellt worden. Einige Scheine trugen die gleiche Seriennummer.

Unfallflucht zugegeben

Und der Angeklagte schweigt dazu. Vor Gericht äußerte sich der 30-Jährige nur zu einer mitangeklagten Unfallflucht. Er hatte im November 2018 in Kemnath beim Abbiegen ein geparktes Auto übersehen. Er fuhr auf und schob damit den geparkten VW auf einen weiteren VW auf. Der Schaden betrug 5000 Euro. Der 30-Jährige fuhr davon, angeblich aus Angst vor seinem Vater: "Ich dachte: Oh Gott, der legt mich um." Über die Herkunft des Falschgeldes wollte der Mann nichts sagen, auch wenn ihm das beim Strafmaß schaden wird.

Die Verhandlung wird am 28. Mai, 9 Uhr, fortgesetzt. Bis dahin sollen auch die fünf falschen Scheine angefordert sein, die noch bei der Bundesbank liegen. Richter Windisch und die Schöffinnen wollen die Blüten in Augenschein nehmen.

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