02.09.2019 - 19:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Faszination oder Frustration

Brandstiftung kann verschiedene Motive haben, weiß Dr. Markus Wittmann. Welche, das verrät der Ärztliche Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof im Interview.

Markus Wittmann ist Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

ONETZ: Fünf Mal hat es im Stadtteil Neunkirchen in den vergangenen acht Wochen gebrannt. Alles sieht danach aus, als wäre hier ein Feuerteufel am Werk. Welche Ursache lässt sich hinter solchen Taten vermuten?

Dr. Markus Wittmann: Wenn ein Feuer aus Rache oder fremdenfeindlichen Gründen gelegt wird, handelt es sich um kriminelle Motive. Wenn aber ein Krankheitsbild hinter den Brandstiftungen steckt, und das ist bei Serien oft der Fall, kann es sich um pathologisches Feuerlegen handeln, sogenannte Pyromanie. Diese Krankheit zählt zu den Impuls-Kontrollstörungen. Die Betroffenen können den Drang, Feuer zu legen, nicht unterdrücken. Es handelt sich also nicht um Zerstörungswut, sondern verschafft ihnen eine gewisse Triebbefriedigung: durch die Lust am Feuer. In Einzelfällen auch, weil sie als Retter dazu kommen.

ONETZ: Wenn man davon ausgeht, dass es sich um krankhafte Brandstiftung handelt, gibt es dann auch Charakterzüge, die für einen sogenannten Feuerteufel typisch sind?

Dr. Markus Wittmann: Zum Teil haben diese Menschen noch andere Schwierigkeiten, zum Beispiel Selbstunsicherheit. Wer krankhaft Feuer legt, hat zu einem höheren Prozentsatz außerdem Probleme, sich in der Öffentlichkeit sozial kompetent zu zeigen. Ganz selten steht eine Brandstiftung im Zusammenhang mit einer Psychose, das ist wirklich sehr selten der Fall.

ONETZ: Man hört so gut wie nie von einer Feuerteufelin. Sind Brandstifter immer Männer?

Dr. Markus Wittmann: Das nicht. Aber bei den pathologischen Fällen sind mehr als drei Viertel der gefassten Täter Männer. Fälle von Pyromanie werden übrigens oftmals nicht aufgeklärt. Dass die Mehrzahl Männer sind, liegt wohl daran, dass die Impulse geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausgelegt sind. Zum Teil passiert die Tat aus einer Faszination für das Feuer heraus, zum Teil aber auch aus einer Frustration. Dann ist das Feuer ein Ventil für Aggression. Frauen neigen in solchen Fällen zu anderen Verhaltensweisen, beispielsweise inneren Druck durch Selbstverletzung abzubauen, wobei diese geschlechtsspezifischen Unterschiede allenfalls statistische sind. Nicht selten sind Brandstifter aber auch Kinder oder Jugendliche. Zündeln spielt in der Biografie von Jugendlichen mit sozialen Entwicklungsstörungen des öfteren eine Rolle.

Jetzt fünf Fälle von Brandstiftung in Neunkirchen

Neunkirchen bei Weiden in der Oberpfalz
Markus Wittmann ist Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

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