17.12.2018 - 19:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Feier mit Hunden unterm Weihnachtsbaum

Das Wintersonnwendfeuer am 21. Dezember bildet beim Zug- und Begleithundeverein Weiden den Jahresabschluss. Und auch sonst tut sich im Advent einiges bei der engagierten Truppe.

Schöne Bescherung für (von links) Akimo, Ena und Chesper, die Hunde von Tanja Pree, Annett und Jürgen Schittenhelm. Die großen Vierbeiner sind brav wie Lämmchen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Groß aufgetafelt wurde dagegen bereits eine Woche vorher: Bei der Weihnachtsfeier am Samstag. Vorsitzende Tanja Pree hatte dafür alle Hände voll zu tun. Denn sie bescherte die Mitglieder mit kleinen Präsenten und für Amiko, Chesper und Co. stellte sie Hundeplätzchen her. Der Clou daran: Leberwurst. Denn die hat jeder Vierbeiner zum Fressen gern.

Mit kulinarischen Köstlichkeiten wurden auch die zweibeinigen Mitglieder verwöhnt. "Da gibt es ein Menü mit allen Schikanen", schwärmt Jürgen Schittenhelm. Der frühere Vorsitzende ist nicht nur Beirat, sondern mittlerweile auch Ehrenmitglied des Vereins. "Wir hatten Suppe, Tafelspitz, Krustenbraten, Rollbraten und Wildragout." Alle Mitglieder helfen zusammen. Tanja Pree sorgt für Nachtischkreationen. "Letztes Jahr waren es Schokokugeln mit Sternchen innen drin, ganz aufwendig gemacht", erzählt Schittenhelm. Vier Wochen lang war die Vorsitzende damit beschäftigt. Sie öffnete jetzt die Tür des renovierten Vereinsheims für den NT-Adventskalender.

Schon Tradition im Advent ist für die Vereinsmitglieder der Einsatz beim Lichterfest des Kinderhauses Tohuwabohu. Da werden die Mädchen und Buben mit den Hundekutschen von der Mooslohe ins Vereinsheim Hinterm Rehbühl chauffiert. Alles abgesichert durch die Polizei. Es gibt Kinderpunsch und Plätzchen für die Kleinen und etwas Gehaltvolleres für die Großen. "Über 90 Leute aus dem Tohuwabohu waren heuer da." Dagegen ist ein zweiter Adventseinsatz für Kinder in diesem Jahr an der Eisglätte am 30. November gescheitert.

Da wollten die Mitglieder des Zug- und Begleithundevereins eigentlich beim Adventsmarkt des Elternbeirats vom Kinderhaus St. Elisabeth mit ihren Kutschen anrücken. "Aber das war bei dem Glatteis viel zu gefährlich", bedauert Jürgen Schittenhelm. "Deshalb haben wir es im Sinne der Kinder und der Hunde abgesagt."

Während Tanja Pree, Annett und Jürgen Schittenhelm erzählen, hört man von den Tieren keinen Mucks. Ihre Hunde Akimo, Ena und Chesper liegen ruhig unter dem Tisch, setzten sich höchstens mal kurz auf, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen. "Viele Leute staunen, wie brav unsere Hunde sind", weiß Annett Schittenhelm, die Schatzmeisterin des Vereins. "Aber da steckt viel Training dahinter", verrät ihr Mann. Heuer zum Beispiel waren die Vereinsmitglieder auf drei Adventsmärkten in der Region unterwegs, um mit ihren Vierbeinern zu üben. Die müssen sich auch in einer Menschenmenge ruhig verhalten, dürfen nicht schnappen oder bellen, selbst wenn ihnen jemand aus Versehen auf den Schwanz tritt. Tanja Pree trainiert das in der Welpenschule schon mit den ganz Kleinen. Ihr Akimo, ein großer, schwarz-brauner Altdeutscher Schäferhund, der im Februar 6 Jahre wird, "winselt höchstens kurz und geht dann weg".

Erziehung ist das A und O, meinen die drei Experten, und das nicht nur, wenn man - wie sie - mit dem Vierbeiner häufig für Kinder im Einsatz ist. "Die Kinderaugen strahlen, wenn wir mit unseren Hunden zum Kinderbürgerfest kommen", erzählt Jürgen Schittenhelm und hat selbst ganz leuchtende Augen. Bis zum Dreifachen ihres eigenen Körpergewichts können die Tiere ziehen, wenn sie vor die Kutsche oder den Saccowagen - ein leichtes, geländegängiges Gefährt - gespannt sind. Zum Training nehmen auch Frauchen oder Herrchen selbst im Wagen Platz. Natürlich nicht, wenn es sich um einen Rehpinscher handelt. Für den gibt es zwar ebenfalls einen kleinen Zugwagen. Doch der ist natürlich nichts für Menschen. Rund zehn Mal pro Jahr ist die Truppe im Einsatz und hat noch einige Termine frei. Interessenten können sich an Tanja Pree wenden, Telefonnummer 0961/3988380.

So kurios es klingt, aber der Brand des Vereinsheims im Januar hat dem Zug- und Begleithundeverein einen Aufschwung beschert. Tanja Pree: "Da hat sich der Zusammenhalt bewiesen. Wir konnten uns alle aufeinander verlassen." Mit Heizstrahlern und heißer Suppe haben die Mitglieder den ganzen Winter über den Übungsbetrieb aufrecht erhalten, nachdem ein Defekt des Holzofens das Vereinsheim in Brand gesetzt und schlimmen Schaden angerichtet hatte (wir berichteten).

Dabei trat so manches handwerkliche Talent zutage. "Wir haben ein neues Dach, eine neue Küche, die Sitze neu gepolstert und die Elektroinstallation ist neu", zählt Jürgen Schittenhelm auf. Fast 1000 Stunden Eigenleistung investierten die Mitglieder, bevor sie im August Einweihung feierten. Mit den Männern der Feuerwehr als Dankeschön. Einige Kleinigkeiten sind zwar noch zu richten, doch vorerst haben die vereinseigenen Handwerker Pause.

Die Wiederaufbauarbeiten bescherten dem Verein zugleich mehrere Neumitglieder. "Es gab viel Laufkundschaft, als wir renoviert haben", schmunzelt Pree. Der eine oder andere, der sehen wollte, was da los ist, trat schließlich dem Verein bei. "Wir haben auch Mitglieder, die selbst keinen Hund besitzen." Wobei das Wort "besitzen" für Jürgen Schittenhelm in diesem Zusammenhang fehl am Platz ist. "Ein Hund ist kein Besitz", meint er. "Das ist ein Partner. Ein Hund kann so viel geben. Er kann Menschen aus der Einsamkeit rausholen." Deswegen sollten ältere Menschen eigentlich keine Hundesteuer zahlen müssen, sagt er. "Da geht es um Zuneigung, Vertrauen, Akzeptanz. Das ist ein Geben und Nehmen. Mein Hund, das ist mein Partner mit der kalten Schnauze.""Macht auf die Tür": So heißt der Adventskalender unserer Zeitung. Bis zum 24. Dezember öffnen wir in dieser Serie täglich jemands Tür und sehen, wie er oder sie sich auf das Weihnachtsfest einstimmt.

Dieser Schritt will gut überlegt sein:

Mit einer halben Stunde Gassigehen ist es eben nicht getan, wenn man einen Hund hat, warnt das Vorstandstrio vom Zug- und Begleithundeverein eindringlich. "Bevor man ein Haustier unter den Weihnachtsbaum legt, sollte man sich das gut überlegen", rät Jürgen Schittenhelm. Denn nicht selten läuft das schief: "Bis Silvester wird geknuddelt und gespielt. Aber an Ostern geht es schon los: Wohin mit dem Tier in der Urlaubszeit?" Seine Frau Annett und Vorsitzende Tanja Pree haben einige Tipps parat. Zum Beispiel: Bevor sich jemand einen Hund anschafft, sollte er sich mit der Rasse beschäftigen. Um abschätzen zu können, wie groß wird das Tier? Welche Ansprüche hat es? Annett Schittenhelm: "Ein Boarder-Collie will zum Beispiel viel beschäftigt sein, sonst hütet er die Fliegen an der Wand. Das sind die Hunde, mit denen man zum Beispiel Flyball trainiert. Ein Retriever dagegen ist ein absoluter Familienhund, der verzeiht es auch, wenn man an einem Tag mal nur eine kleine Runde mit ihm dreht."

Gut überlegt sein will natürlich die Anschaffung jedes Haustieres. Damit Hamster, Katzen, Kaninchen oder Hunde wirklich zur Familie gehören und nicht nach kurzer Zeit im Tierheim landen.

Sogar die Stühle haben die Vereinsmitglieder selbst neu gepolstert. Denn nach dem Brand hat alles furchtbar nach Rauch gestunken. Stolz auf den Zusammenhalt und die vielen Stundeneigenleistung sind (von links) Vorsitzende Tanja Pree, Jürgen und Annett Schittenhelm, hier mit Chesper, dem Hund ihres Mannes. Ihr Hund Ena hat es sich unterm Tisch bequem gemacht. Sie ist mit 14,5 Jahren das älteste Tier im Verein.

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