09.09.2018 - 22:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ein Fest fürs Parteivolk

Markus Söder sorgt für Rummel im Festzelt. Rund 2000 Besucher bejubeln eine launige Rede des Ministerpräsidenten - und ein dickes Wahlversprechen.

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Ein knackevolles Festzelt, gut gefüllte Bierkrüge auf den Tischen, dazu eine bestens aufgelegte Stadtkapelle: Volksfeststimmung in der Max-Reger-Stadt - und das fünf Tage vor dem Weidener Volksfest. Die CSU feiert am Sonntagabend schon mal vor, für ordentlich Rummel sorgt der Ministerpräsident höchstpersönlich. Unter anderem auch mit dem Wahlversprechen, noch "größere Behörden" nach Weiden und in die Region zu verlagern. Trotz alarmierend magerer Umfragewerte und angeblich mangelnder Popularität im neuen Amt: Auch in Weiden ist beim Auftritt des Ministerpräsidenten ein volles Haus garantiert. Am Ende Beifallsstürme, Standing-Ovations. Gillamoos lässt grüßen.

Söder hat einen stressigen Wahlkampfsonntag hinter sich, als seine Limousine kurz nach 19 Uhr in der Conrad-Röntgen-Straße vorfährt. Er kommt vom Altstadtfest in Roth, davor hat er in Feucht die Festrede zum 60. Tierheim-Jubiläum gehalten. Die Gastgeber - Landtagskandidat Stephan Oetzinger und der Weidener CSU-Chef Stephan Gollwitzer -, Mandatsträger und Kandidaten nehmen ihn in Empfang. Im Zelt stimmt die Kapelle den Defiliermarsch an. Über 2000 Besucher klatschen im Takt. Ein warmer Empfang für den Franken in der Oberpfalz. Apropos: "Der Dialekt macht intelligent", behauptet Söder. "Und die Nordoberpfalz steht für hochintelligente, tiefe Dialektkultur." Es sind auch eingestreute Witzeleien wie diese, mit denen der Ministerpräsident immer wieder beim Parteivolk punktet. Und es sind große Töne, wie sie vorher schon Finanzminister Albert Füracker als "Anheizer" spuckte. "Wir sind nicht mehr das Jammertal, die abgehängte Region, wir sind die Zukunftregion Bayerns!"

Bei Söder klingt das ganz ähnlich: "Ländliche Räume sind die eigentlichen Zukunftsräume Bayerns." Er kündigt an, auf Änderungen beim Länderfinanzausgleich zu drängen. Denn "bayerisches Geld ist in der Oberpfalz besser aufgehoben als in Berlin". Und auch der "Soli" müsse schneller weg. Ein weiterer Dorn in Auge des Nürnbergers: überbordende Bürokratie in der Landwirtschaft. "Wir wissen bis heute nicht, wer in unser Land gekommen ist, aber wir wissen sehr genau, welche Kuh auf welchem Acker steht."

Beim "Thema, das natürlich alle bewegt und spaltet", bemerkt der 51-Jährige, kein anderes Bundesland habe so geholfen wie Bayern. "Helfen tun wir gerne. Wir brauchen trotzdem auf Dauer eine Begrenzung und Steuerung der Zuwanderung." Die bisherigen Konzepte hätten entweder auf Naivität und Gutmütigkeit basiert - oder aber auf Hass. Chemnitz habe gezeigt, dass die AfD keine Protestpartei sei, sondern auf eine grundlegend andere Rechtsordnung hinarbeite. In Bayern freilich wären "Chemnitz, G 20 oder die eine oder andere Silvesternacht" nie denkbar gewesen, meint der Nürnberger. Viel Beifall auch für die Ankündigung, bei der Unterstützung für Flüchtlinge umzustellen: "Sachleistung ja, Geldleistung nein."

Söder widmet der scheidenden Landtagsabgeordneten Petra Dettenhöfer einige warme Worte ("großes soziales Herz für andere") und Sidekick Füracker das eine oder andere Späßchen: "Ein Oberpfälzer Finanzminister hört nicht als erstes Wort im Leben ,Mama' oder ,Papa', sondern: ,Zuschuss'." Nach einer Stunde gibt es Standing Ovations für Söder - und eine Porzellan-Löwin aus dem Hause Seltmann als Geschenk der beiden CSU-Kreisverbände Weiden und Neustadt. Am Freitag spielt hier die Party-Band "Highline". Mal sehen, ob sie das Festzelt ähnlich rockt.

Söder verspricht: Weitere Behörden für die Region

Weiden in der Oberpfalz

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Kommentare

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A. Schmigoner

Man könnte meinen, Söder und die CSU stehen bei 60 %, -leider nur beim eigenen Parteianhang. In Weiden lästert Söder über München und bei Auftritten in Oberbayern und Franken macht sich Söder über die Oberpfalz lustig, das funktioniert immer. "Ländliche Räume sind die eigentlichen Zukunftsräume Bayerns, ...in München trifft man kaum noch einen Bayern", sagt Söder wenige Tage nachdem er einen „München-Plan“ angekündigt und ein Füllhorn an Wohltaten über die Region M. ausgeschüttet hat. Söder kündigt weiter Änderungen beim Länderfinanzausgleich an, denn "bayerisches Geld ist in der Oberpfalz besser aufgehoben als in Berlin". War nicht MP Stoiber der Verhandlungsführer der "Geberländer", der die jetzigen Zahlungen verhandelt hat? War es nicht Seehofer, der erst 2017 Thüringen mit großzügigen, bayerischen Mitteln aus dem Länderfinanzausgleich zur Zustimmung zur Maut bewegte? Für oberpfälzer Junglehrer, Jungpolizisten und angehende Beamte, die in Oberbayern stationiert werden und dort den Wohnungsmarkt zusätzlich belasten, bekommt jetzt Weiden weitere Behörden in rauen Mengen. Nach dem Motto: die CSU löst die Probleme, die sie größtenteils selbst verursacht hat. Und auf die Einlösung von Wahlversprechen konnte man sich immer verlassen, oder?

14.09.2018