20.03.2019 - 09:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Flagge zeigen für Metropolregion

Die Metropolregion Nürnberg wirbt um Weiden. Hochrangige Vertreter der Vereinigung kommen zur Stadtratssitzung und erinnern im Vorfeld des in Weiden stattfindenden Wissenschaftstags an die Zugehörigkeit der Stadt zu dieser Gemeinschaft.

Hochhalten wegen Sturm mussten die Fahne der Europäischen Metropolregion Nürnberg (von links) Stabsstellenleiterin Roswitha Ruidisch; die Vertreter der Metropolregion Geschäftsführerin Christa Standecker, Ratsvorsitzender Andreas Starke, Wirtschaftsvorsitzender Professor Klaus Wübbenhorst; Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und die Bürgermeister Jens Meyer und Lothar Höher
von Siegfried BühnerProfil
Zu Gast bei Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (Dritter von links) waren die Vertreter der Europäischen Metropolregion (von links) Andreas Starke, Christa Standecker und Klaus Wübbenhorst.

Ab sofort weht vor dem Neuen Rathaus in Weiden die Fahne der Europäischen Metropolregion Nürnberg. Der Ratsvorsitzende der Metropolregion und Oberbürgermeister der Stadt Bamberg, Andreas Starke, brachte diese mit Wirtschaftsvorsitzendem Professor Klaus Wübbenhorst sowie Geschäftsführerin Christa Standecker als Gastgeschenk mit nach Weiden. Kräftige Windböen erschwerten es zunächst, die Fahne zu hissen. Dies gelang mit vereinten Kräften. Lob erhielt die Metropolregion von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Er stellte fest: „Ich habe die Metropolregion kennengelernt als starke Interessenvertretung.“ Und betonte: „Allein wird man nicht wahrgenommen, in einer großen Einheit hat man mehr Gewicht“ und erinnerte an das gemeinsame erfolgreiche Projekt Zukunftscoach.

Ausführlich stellten die Repräsentanten der Metropolregion die Aktivitäten dieses regionalen Zusammenschlusses vor und zeigten auf, an welchen Stellen auch Weiden eingebunden ist. „Standortpolitik ist das was wir machen“, formulierte Ratspräsident Starke. Mit dem Satz „wir sind polyzentral organisiert“ drückte er aus, dass die Metropolregion nicht von einem Zentrum beherrscht werde, sondern als „Stadt-Land-Beziehung“ zu sehen sei.

23 Landkreise, 11 kreisfreie Städte, dreieinhalb Millionen Einwohner und ein Bruttosozialprodukt von 134 Milliarden Euro mit einer Exportquote von knapp fünfzig Prozent wurden als statistische Größen aufgezählt. Strategische Ziele der Gemeinschaft beschrieb Wübbenhorst und nannte dazu Fachkräftegewinnung, Schaffung von „relativ“ bezahlbarem Wohnraum, Familienfreundlichkeit sowie den Infrastrukturausbau einschließlich der Dateninfrastruktur. Der Ausbau von sieben Kernkompetenzen zählt für Wübbenhorst ebenfalls dazu. Ausdrücklich nannte er dabei das Medical Valley, zu dem auch der Bereich Medizintechnik an der OTH und am Klinikum Nordoberpfalz zähle.

Konkrete Projekte der Metropolregion mit Beteiligten aus Weiden und der Oberpfalz beschrieb Geschäftsführerin Standecker. Genannt wurden die Beteiligung der Stadt an der Expo Real in München, die Verbesserung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum in „Gesundheitsregion plus“, das Netzwerk der kommunalen Bildungsmanager sowie den Spezialitätenwettbewerb.

Als „Fair trade-Kommune“ nehme Weiden demnächst am Fair-trade-Gipfel in Bamberg teil. Dort gehe es hauptsächlich um das Thema kommunale Beschaffung. Ausführliches gab es auch über den diesjährigen Wissenschaftstag der Metropolregion am 19. Juli in Weiden zu hören. Keinesfalls sei dies nur ein Treffen von Wissenschaftlern, sondern ein „Zusammenkommen von Wissenschaft und Wirtschaft, insbesondere aus dem Mittelstand“. Teilnehmer werden aus der gesamten Metropolregion erwartet für die „sich die Region aufschließen könne“.

Fragen aus dem Stadtratsgremium, darunter auch durchaus kritische, folgten. Theodor Klotz (Bürgerliste) fragte: „Was bringt die Metropolregion?“ Insbesondere in den Bereichen Medizin oder Teichwirtschaft. Laut Standecker Antwort geht es keineswegs darum, Aufträge in die Region zu bringen. Die Imagekampagne solle vielmehr „Fachkräfte in die Region holen“, „vermitteln, dass Raum für unterschiedlichste Lebensentwürfe besteht und dass das Häuschen auf dem Land noch bezahlbar ist“, so Standecker. Im Medical Valley partizipiere man von allen Aktivitäten dieser Gruppe. Stadtrat Matthias Loew bekam auf seine Frage, ob die Ziele der Metropolregion auch reflektiert würden, die Antwort: „Es gibt sicher Reformbedarf.“

Aktivitäten hinsichtlich einer Teilnahme am VGN regte Stadträtin Gisela Helgath (Grüne) an. Sema Tasali-Stoll (SPD) empfahl die Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz und bezahlbarem Wohnraum.

Angemerkt:

"Gegenwind für Metropolregion?"

Als wäre es symbolisch: Kalter Sturmwind machte es sehr schwer, die Fahne der Metropolregion Nürnberg zu hissen. Sollte das symbolisch für ein eher distanziertes Verhältnis der Stadt zur Metropolregion sein, fragt sich der neutrale Beobachter. Dass die Beteiligten das Gefühl haben, die Zugehörigkeit zur Metropolregion sei vielen Weidenern nicht bewußt, zeigt der Ablauf des Stadtratsbesuchs der Führungsmannschaft aus der Metropolregion. Trotz langjähriger Zugehörigkeit der Stadt Weiden zu dieser Organisation hielten die Besucher es für erforderlich, den Stadtrat erst einmal über Geschichte, Strukturen und Ziele der Vereinigung zu informieren. Und die wichtigste Frage nach dem konkretem Nutzen der Mitgliedschaft konnte nur sehr allgemein beantwortet werden. Vielleicht hat eine distanzierte Sicht mancher Oberpfälzer auch mit dem Namen Metropolregion Nürnberg zu tun, denn schließlich geht es um ein Miteinander von Stadt und Land und nicht um die Dominanz einer Metropole. Eine Reform sollte darüber nachdenken. Ein manchmal kritisches Verhältnis der Oberpfälzer zu den Franken braucht dabei erst garnicht bemüht zu werden. Positiv ist, dass mit dem Wissenschaftstag in Weiden die Monopolregion hier endlich richtig sichtbar wird. Und auch der Oberbürgermeister hat recht, gemeinsam ist man viel stärker, auch mit dem Nachbarn aus Franken.

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