22.03.2019 - 16:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Flecken, Löcher, Risse: Zu Besuch in der Notunterkunft

Der Stadtrat diskutiert über den Zustand der Notunterkünfte Weidens. Vor Ort aber waren bis jetzt wenige Politiker. Ein Bewohner der Obdachlosenunterkunft zeigt, wie es wirklich aussieht in den Baracken in der Schustermooslohe.

Ein Bewohner der Obdachlosen-Unterkunft öffnet seine Türen. Als er von der Diskussion im Stadtrat erfährt, lacht er. Dann schimpft er.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Der Name des Mannes tut nichts zur Sache. Er ist einer von denen, die schon jahrelang in der Obdachlosen-Unterkunft wohnen. Davon gebe es einige. "Es gibt Leute, die hier alt werden wollen und Leute, die sich wohl fühlen wollen." Der 69-Jährige wohnt in einem kleinen Zimmer mit seinem Hund. Viel passt hier nicht rein: Bett, Schrank, Tisch, Kühlschrank, Kochplatten, Holzofen, Fernseher, Radio. Er kocht, schläft und lebt auf zwölf Quadratmetern.

Reportage über Obdachlose in Weiden und ihre Träume

Als er von der Diskussion im Stadtrat über den Zustand der Unterkunft erfährt, fängt er an zu schimpfen, zeigt auf Flecken, Löcher und Risse in der Baracke: Über der Haustür regnet es rein, der Teppichboden wellt sich schon, die Wände sind fleckig. Das kleine Bad mit Dusche und Waschbecken benutzt er gerade zwar alleine, es sei aber für sechs Leute vorgesehen. Beim Holzkohleofen für Warmwasser fehlt das Thermostat, oben war ein Riss, der notdürftig abgedichtet wurde. Die Fliesen sind gerissen, die Duschwanne ist fleckig, das Klo ist schmutzig.

Die Beschwerden des 69-Jährigen bei der Stadt bewirken nichts, sagt er. "Das geht da rein, und da raus." Will er was ändern, zahlt er das von seiner kleinen Rente. Kürzlich hat er sich einen neuen Ofen für sein Zimmer gekauft, die Wände außenrum gefliest, auch das Holz zum Feuern zahlt er selbst. Weil es ihn trotz Kohleofen morgens nach dem Aufstehen friert, hat er sich noch einen Heizlüfter besorgt. Sein großer Wunsch: Ein zweites Zimmer. Das gegenüber stehe seit eineinhalb Jahren leer. Die Tür wurde mal eingetreten, repariert wurde sie nicht. "Das Zimmer gegenüber vergammelt regelrecht, und ich hock hier mit meinem Hund auf zwölf Quadratmetern."

Manchmal kämen Mitarbeiter der Stadt und reparierten etwas. Aber darüber macht er sich nur lustig. In ein Zimmer in einer der Holzbaracken wurden Kunststofffenster eingebaut, der Boden gefliest. Doch genau in dem Zimmer wohne gar keiner, erklärt der Mann. Er vermutet, dass dort ein Büro eingebaut wird. Die anderen müssten sich mit den zugigen Holzfenstern begnügen, schimpft er. Ein anderer Bewohner habe eine Mieterhöhung bekommen. Er selbst hat noch nichts gehört von der Stadt. Für was das zusätzliche Geld hergenommen wird, könne er sich nicht erklären. Ja gut, Gemeinschaftsküchen gebe es jetzt. "Ein Raum mit zwei Kochplattlern. Da lach ich doch wie a Hex. Soll ich mit meinem Suppenschüsserl da über den ganzen Hof laufen?" Doch so sehr er auch schimpft. Weg will er hier nicht. "Der Hund hat Auslauf, es ist ruhig am Wald. Was will ich in der Stadt? So eine Wohnung will ich nicht und kann ich mir nicht leisten." Ein bisschen mehr Platz, und er wäre zufrieden.

Die Diskussion im Stadtrat über die Notunterkunft

Weiden in der Oberpfalz
Die Wände sind dunkel und fleckig, die Stimmung auch.

Es gibt Leute, die hier alt werden wollen und Leute, die sich wohl fühlen wollen.

Bewohner der Obdachlosen-Unterkunft

Blick in das Gemeinschaftsbadezimmer: Risse und Flecken.
Warmwasser gibt es mit einem alten Holzkessel.
Blick in die Gemeinschaftstoilette.
Die Außenanlagen der Baracken.
Ein ehemaliger Bewohner hat die Tür eingetreten, vor mehr als einem Jahr. Repariert wurde nichts.
In eine Holzbaracke wurden Kunsstofffenster eingebaut. Innen sogar gefliest. Doch hier wohnt keiner.
Stimmungsbild.
Schustermooslohe

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Ali Zant

Bei meinem Besuch im Herbst 2018 konnte ich mir einen ersten Eindruck über die wichtige Arbeit der Initiative.eV machen. Schon damals bemerkte ich die dringende Renovierungsbedürftigkeit der dortigen Räume. Durch das große Engagement der dortigen Mitarbeiter wird zumindest die größte Not gelindert. Angesichts der steigenden Zahlen von Obdachlosen, u a durch den eklatanten Mangel an bezahlbarem Wohnraum auch in Weiden, ist es dringend notwendig die Einrichtung in der Schustermooslohe mit besseren finanziellen Mitteln auszustatten. Es kann nicht sein das in dieser schönen Stadt Menschen in baufälligen und maroden Gebäuden leben müssen. Die Stadtratsfraktion DIE LINKE im Stadtrat Weiden wird ab 2020 für die Schustermooslohe die Initiative ergreifen.

25.03.2019