09.08.2018 - 16:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fledermäuse im Schlafzimmer

Es ist nach Mitternacht, als es plötzlich rund geht im Schlafzimmer einer Frau. Etwa 50 Fledermäuse sausen durch den Raum. Die Weidenerin weiß sich nicht zu helfen: Sie ruft die Polizei. "Was die Beamten vorfanden, war schier unglaublich."

Fledermäuse lieben Mücken, können aber im Schlafzimmer nicht entzücken.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

(mte) Doch alles der Reihe nach. "In der Nacht zum Montag machte sich also eine Streife der Polizeiinspektion Weiden auf den Weg zur vermeintlichen Bat-Höhle", heißt es im Polizeibericht. Als die Ordnungshüter die Wohnung an der Leimberger Straße betraten, schien alles ruhig. Doch dann öffneten sie die Schlafzimmertür...

Als "schier unglaublich" schildert der Polizeisprecher das, was die Beamten dort vorfanden. In dem Schlafgemach der Weidenerin tummelten sich etwa 50 kleine Fledermäuse. Putzmunter zogen sie laut Polizei kreuz und quer ihre Bahnen im Zimmer: "Sie verliehen dem Schlafzimmer rein optisch ein Flair wie in einem Hitchcock-Film." Es brauchte also weitere Rettungskräfte. Die Feuerwehr Weiden musste zur Tierrettung anrücken.

Mit Keschern bewaffnet, begaben sich die Feuerwehrleute in die "Bat-Höhle", wie die Polizei das Schlafzimmer nennt, und fingen die Tierchen ein. Handschuhe zu tragen, war dabei nicht unklug. Die Fledermäuse haben versucht, sich mit ihren Zähnchen zu wehren, weiß Polizeisprecher Mario Schieder. Knapp zwei Stunden dauerte die Aktion, die des nachts unvermeidlich gewesen sei. "Denn erst am nächsten Morgen können Sie die Tiere einfach so von der Decke hängend pflücken", sagt Schieder. So lange wollte die Weidenerin aber nicht warten.

Doch wohin hat die Feuerwehr die Tiere gebracht? "Also im Tierheim nehmen sie keine Fledermäuse", scherzt Stadtbrandrat Richard Schieder. Also haben die Feuerwehrleute die Tierchen wieder in die freie Natur entlassen. Auch interessant: Während die Polizei von einem Einsatz spricht, wie es ihn "auch nicht alle Tage gibt", hat die Feuerwehr Routine im Umgang mit Fledermäusen. "Diese Art der Tierrettung gibt es öfter derzeit", sagt Schieder und verrät auch die derzeit wohl mit beliebteste und vor allem wohl größte Fledermaushöhle der Stadt: das NOC. Bereits drei Mal habe die Feuerwehr im Rohbau des künftigen Einkaufszentrums Fledermäuse bergen müssen.

Warum ausgerechnet dort, weiß der Stadtbrandrat nicht. Allerdings gab es an dieser Stelle schon häufiger Probleme mit Fledermäusen. In den Zeiten etwa als die Volkshochschule noch an der Sedanstraße residierte - dort entsteht aktuelle das Parkhaus -, waren einige tote Fledermäuse in den Unterrichtsräumen gefunden worden. Warum die sich über gekippte oder vollständig geöffnete Fenster dorthin oder ins Schlafzimmer an der Leimberger Straße verirrt haben? "Ein Kollege hat sich bei einem Fledermausexperten erkundigt", sagt Polizeisprecher Mario Schieder. Er habe erklärt, dass sich aktuell Jungtiere von ihrer Herde abspalten und nach neuen Höhlen suchen würden. Das Schlafzimmer an der Leimberger Straße wird wohl nicht die neue Heimat werden. Lektion eins haben die jungen Säugetiere also schon gelernt: Der Wohnungsmarkt ist hart umkämpft.

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