14.09.2018 - 13:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Flitterwochen gute Taten für Kinder

Eine Herzensangelegenheit: Ein junges Pärchen aus Weiden gründet in Regensburg den Verein für Afrikahilfe. Jetzt suchen die beiden medizinische Geräte.

Internist Daniel Quandt untersucht einen Jungen. Als Behandlungsliege dient ein Schultisch.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Geschichte des jungen Vereins "Share1love" beginnt mit ganz viel Herz. Auf ihrer Hochzeitsreise knüpfen Stefanie und Daniel Quandt Kontakt mit der Baobab School für behinderte und benachteiligte Kinder in Kissi, Ghana. Die Physiotherapeutin und der Arzt aus Regensburg, beide gebürtige Weidener, bieten ihre Unterstützung an. Jetzt wollen sie auch von Deutschland aus helfen und sammeln medizinisches Equipment für ein Behandlungszimmer.

Am Anfang stand eine Enttäuschung. Stefanie und Daniel Quandt hatten sich nach ihrer Hochzeit sechs Monate Auszeit genommen. Erst reisten sie durch Südostasien und Afrika, dann wollten sie sich beim Aufbau eines Kinderkrankenhauses in Ghana einbringen, ein Projekt, das ein Arztkollege betreute. "Doch als wir ankamen, stand da kein Krankenhaus, sondern nur drei Steine", erzählt Stefanie Quandt.

Drei freie Monate ohne eine Aufgabe oder eine Möglichkeit zu helfen? Das kam für das engagierte Ehepaar nicht in Frage. Es fragte herum, wo es seine Fähigkeiten einsetzen könnte. Der Zufall half: Bei einem Mittagessen in einem Restaurant in Cape Coast lernte es Edith de Vos kennen, deutsche Leiterin der Baobab School im 25 Kilometer entfernten Kissi.

Die Quandts begannen, die Schule regelmäßig von Cape Coast aus zu besuchen. Schnell hatten sie fünf Dauerpatienten, darunter die Brüder Bright und Collins. Beide leiden unter fortgeschrittener Muskeldystrophie. Die Erbkrankheit führt zu Muskelschwäche und -schwund. In Deutschland werden betroffene Kinder täglich und intensiv von Experten therapiert. Bright und Collins hatten lediglich die Unterstützung der deutschen Helfer, die an der Baobab School ihr freiwilliges soziales Jahr absolvieren. Die medizinisch ungeschulten Volontäre waren froh, von Stefanie und Daniel Quandt Anleitungen für Übungen und Training zu erhalten.

Neben ihren Dauerpatienten behandelten die beiden Oberpfälzer auch andere Kinder. Ein Junge kam hinkend zu ihnen. Er sei beim Fußball umgeknickt, meinte er. Später stellte sich heraus, dass er an einer Halbseitenlähmung litt. Ein anderer Junge konnte seine Gelenke nicht bewegen und nicht gehen. Er half seiner Familie aber trotzdem bei der Arbeit auf dem Acker - knieend und rutschend.

Die Quandts behandelten die Kinder auf Matratzen und Schultischen im Klassenzimmer. Es war teilweise um die 40 Grad heiß, die Ventilatoren fielen mangels Strom oft aus. Die Verständigung war trotz Dolmetscher nicht leicht, da die jungen Patienten verschiedene Stammessprachen sprachen. Trotzdem sei die Arbeit unglaublich erfüllend gewesen, erzählt Stefanie Quandt. Die Kinder seien höchst motiviert und sehr dankbar für Hilfestellungen, die Behandlung weniger durchgetaktet.

Zurück in Deutschland, wäre die gebürtige Weidenerin am liebsten gleich wieder nach Afrika geflogen, um zu helfen - wenn sich nicht ihr eigener Nachwuchs angekündigt hätte. So kam es zum Entschluss, die Baobab School - und weitere Hilfsprojekte in Ghana und Tansania - von Deutschland aus zu unterstützen. 2017 gründeten Stefanie und Daniel Quandt den Verein "Share1love", der heute knapp 20 Mitglieder hat.

Die aktuelle Mission: Die Baobab School, zu der auch ein Internat gehört, soll ein richtiges Behandlungszimmer in einem eigenen Gebäude auf dem Schulgelände bekommen - für Schüler und künftig auch für Kinder von außerhalb. Eine festangestellte Krankenschwester wird sich dort um die jungen Patienten kümmern. 10 000 Euro hat der junge Verein "Share1love" für den Bau gesammelt. "Ein toller Erfolg" freut sich Stefanie Quandt.

Nun will der Verein noch eine behindertengerechte Ausstattung beisteuern. Am 13. Oktober soll ein Containerschiff medizinisches Equipment nach Ghana bringen. Eine ausgediente Sprossenwand durfte der Verein an der Realschule Weiden ausbauen, eine gebrauchte Behandlungsliege kam vom SSV Jahn Regensburg. Was der Verein noch sucht, sind ein Ergometer, ein Crosstrainer, ein Stepper und ein großer Wandspiegel, so dass sich die Kinder bei den Übungen beobachten können. Auch medizinisches Equipment wie Verbandsmaterial und Blutdruckmessgeräte werden noch gebraucht. Ein großes Anliegen ist es Stefanie Quandt, Physiotherapeuten zu finden, die für einen gewissen Zeitraum auf ehrenamtlicher Basis an der Baobab School körperlich beeinträchtigte Kinder begleiten und behandeln.

Die 31-Jährige steht wöchentlich in Kontakt mit der Schule in Ghana. Für die Volontäre hat sie zusammen mit ihrem Mann ein Skript mit Übungen für die Kinder verfasst. Wie sie, mittlerweile Mutter zweier kleiner Kinder, die Zeit und Kraft für die zeitintensive Vereinsarbeit findet? "Da hängt einfach ganz viel Herzblut dran", sagt die Regensburgerin. Mit wenig können man den jungen Patienten in Ghana viel helfen. Den kulturellen Austausch wolle sie künftig auch ihren eigenen Kindern näherbringen.

Stefanie Quandt bei ihrer physiotherapeutischen Arbeit an der Baobab School in Ghana. Dieser Junge kann nicht gehen, hilft seiner Familie aber dennoch kriechend bei der Feldarbeit.

Die Gründungsmitglieder des jungen Vereins "Share1love": (von links) Patrick Konze, Yvonne Schieder, Daniel und Stefanie Quandt, Kathrin Würl und Patrick Rauner.

share1love e.V:

Spenden erhofft

Spenden sind möglich an: share1love e.V., IBAN DE 15 7535 0000 0011 3389 93, BIC BYLADEM1WEN, Sparkasse Oberpfalz Nord. Weitere Informationen zum Verein unter www.share1love.de

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