20.06.2018 - 12:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Flüchtling grundlos zusammengeschlagen

2013 hatte ein Weidener nach dem Volksfestbesuch einen jungen Mann grundlos zusammengeschlagen. Beim Bürgerfest 2017 geschah es wieder. Das Opfer diesmal: ein völlig unschuldiger Syrer.

Symbolbild.
von Autor hczProfil

(rns) Am 25. Juni vergangenen Jahres kurz vor Mitternacht schlug ein damals 24-Jähriger nahe dem "Alten Eichamt" auf einen, am Boden liegenden Gleichaltrigen ein, den ein Kumpan vorher zu Boden geschubst hatte. Drei Polizisten der Bürgerfest-Sicherungsstreife kamen hinzu, als der Möbelpacker den Flüchtling, der sich nicht wehrte, übelst traktierte. Sie hatten alle Mühe, den "wie ein Irrer" Zuschlagenden von seinem Opfer weg zu ziehen, berichtete am Montag ein Polizeihauptmeister vor Gericht, wo sich der mittlerweile 25-Jährige wegen Körperverletzung zu verantworten hatte. Als offenbar zur Gewalt neigend ist der Möbelpacker dem Beamten wohlbekannt, denn er habe schon wieder einen ähnlichen Vorfall mit dem Ledigen auf dem Schreibtisch, sagte der Polizist.

Nachdem er sich heftig gesträubt und um sich geschlagen hatte, brachten die Polizeibeamten den Wütenden in Handschellen zur Wache. Obwohl er sich inzwischen etwas beruhigt hatte, verweigerte er die körperliche Durchsuchung und die Beamten mussten mühsam Gewalt anwenden. Da der Mann damals in der Tschechei gemeldet war, blieb er bis zur Klärung des Tathergangs fünf Tage in U-Haft. Mittlerweile ist er wieder in Weiden wohnhaft. Der junge Syrer, der damals erst kurze Zeit in Deutschland gewesen war und zum ersten Mal ein Fest sehen wollte, leidet noch immer unter den Folgen. Atembeschwerden wegen des verschobenen Nasenbeins plagen ihn. Sein Arzt empfehle eine chirurgische Korrektur, die er jedoch selbst bezahlen müsse, da der Vorfall zu lange her sei, sagte der mittlerweile perfekt Deutsch sprechende und als Verkäufer arbeitende 25-Jährige.

Staatsanwältin Katrin Gaida ließ als Milderungsgrund die hohe Alkoholisierung gelten. Erschwerend wirkten sich jedoch die sechs Vorstrafen des Angeklagten - mehrmals Diebstahl und immer wieder Körperverletzung - aus. Gaida forderte sechs Monate Freiheitsstrafe, die, nachdem die letzte Tat vier Jahre zurück liegt, zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Rechtsanwalt Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn bezeichnete die Vorstrafen als "Jugendverfehlungen" und errechnete einen Alkoholwert von 2,3 Promille zum Tatzeitpunkt. Schnupfhagn hielt eine Geldstrafe von 1800 Euro für ausreichend. Strafrichter Hubert Windisch hielt dem Angeklagten zugute, dass er sozial eingeordnet lebe und in Arbeit stehe. Gefährlich sei allerdings, dass er "eine sehr kurze Zündschnur" habe. Windisch verurteilte den Schläger zu vier Monaten auf Bewährung und legte ihm auf, 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen.

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