13.12.2019 - 15:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Frau greift Mann mit Messer und Schere an

Vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Gerhard Heindl muss sich seit Freitag eine 30-Jährige wegen versuchten Totschlags verantworten.

Symbolbild.
von Autor RNSProfil

Oberstaatsanwalt Bernhard Voit wirft der Weidenerin vor, ihren damaligen Freund in Tötungsabsicht mit einem Messer in den Oberschenkel und später mit einer Schere in den Gesichtsbereich gestochen zu haben. Das ganze habe sich in der Wohnung der geschiedenen Frau in der Innenstadt zugetragen.

Der Geschädigte, ein 30-jähriger Iraker, und die Anklage schildern den Vorfall im April dieses Jahres wie folgt: Nach dem Genuss mehrerer Flaschen Bier durch die Frau sei es zu einem verbalen Streit gekommen, während dem sie mit einem geworfenen Kissen eine Bierflasche auf dem Wohnzimmertisch umwarf. Daraufhin leerte der Mann den Inhalt der Flaschen ins Waschbecken und wollte sich schlafen legen. Das erboste die Angetrunkene so sehr, dass sie zuerst mit den Fäusten auf ihn einschlug und schließlich ein Messer aus einem Messerblock zu fassen bekam. Damit fügte sie dem Gerüstbauer eine zwei Zentimeter lange und fünf Millimeter breite Wund am Oberschenkel zu. Da sie zudem laut herumgeschrien habe, sagte der Ledige vor Gericht, habe er sie gepackt, ins Bad gezerrt und dort unter die Dusche gestellt. Nachdem er einige Schläge mit dem Duschkopf auf den Schädel bekommen habe, sei er aus dem Bad geflüchtet, da die Wütende inzwischen eine Schere gegriffen habe und versucht habe, auf ihn einzustechen. Von außen habe er versucht, die Tür zuzuhalten. Sie habe dagegen gezogen – bis die Tür aus den Scharnieren fiel. Ein Stich mit der Schere in das Gesicht des Mannes verletzte diesen am Ohrläppchen und verursachte eine heftige Blutung. Lautes Geschrei („Ich will dich umbringen, in dein Herz stechen, dich töten“) hatte inzwischen die Nachbarn veranlasst, die Polizei zu rufen. Diese kam, brachte den Verletzten ins Klinikum und die Täterin in Gewahrsam.

Am ersten Verhandlungstag schilderte Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder den Lebensweg der Angeklagten, die sich, auf Anraten ihres Verteidigers Michael Haizmann (Regensburg), zur Tat vorerst nicht äußern wollte. Zuerst mit ihrer alleinerziehenden, alkoholkranken Mutter in Grafenwöhr aufgewachsen, sei sie dann in Heimen untergebracht worden. Ohne Schulabschluss und Ausbildung habe sie später als Reinigungskraft, private Pflegerin und Produktionshelferin gearbeitet. Als 16-Jährige habe sie ihren ersten Sohn geboren, mit 20 den zweiten. Die Väter seien verschwunden. Vor drei Jahren sei eine Ehe mit einem starken Trinker nach wenigen Monaten gescheitert. Ein halbes Jahr später habe die Frau im Ägypten-Urlaub einen Mann kennengelernt und dort geheiratet. Die Ehe war nach deutschem Recht nicht gültig. Um ihn per Skype kontaktieren zu können, habe sie sich mit einem Ägypter in Weiden häufig im Park getroffen, der als Dolmetscher fungiert habe. Durch ihn habe sie den Iraker kennengelernt, der sich bald als Beschützer aufgespielt habe und schließlich zum Stalker geworden sei, berichtete Dr. Rieder aus seiner Exploration der 30-Jährigen. Ein „Paar“ seien sie nie gewesen, habe die Angeklagte ihm gesagt. Die Verhandlung wird am 27. Dezember, 17. Januar und 22. Januar fortgesetzt.

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