08.03.2019 - 16:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Fridays for Future" am 15. März in Weiden: Klima-Proteste über Gruppenchat

Schüler von heute organisieren sich über soziale Medien: 130 Leute sind in der Whatsapp-Gruppe der Ortsgruppe von "Fridays for Future". Am 15. März organisieren sie einen großen Schulstreik für den Klimaschutz in der Innenstadt in Weiden.

Lukas Prölß (rechts) mobilisiert mit anderen Schülern zum Schülerstreik am 15. März in Weiden. Die Ortsgruppe hat bereits 130 Chat-Mitglieder.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Lukas Prölß, 15 Jahre, weiß schon, was seine Mutter am 15. März auf seine Entschuldigung für die Schule drauf schreiben soll: "Engagement für eine bessere Klimapolitik" soll auf dem blauen Zettel stehen. Der Realschüler hat Anfang des Jahres die Ortsgruppe Weiden von "Fridays for Future" gegründet, in der Schüler sich deutschlandweit gegen die aktuelle Klimapolitik engagieren und jeden Freitag demonstrieren.

Die Proteste der fast gleichaltrigen Greta Thunberg aus Schweden, die gerade groß in den Medien ist, hat ihn dazu bewegt. Auf Facebook hat er dann gesehen, dass die nächste Ortsgruppe erst wieder in Regensburg ist und kurzerhand eine für Weiden gegründet, die besteht vor allem aus einem Gruppenchat, der in kürzester Zeit schon 130 Mitglieder hat.

Überhaupt, die sozialen Medien. Sie sind die Plattform, auf der sich die Jugendlichen in Weiden organisieren. "Ich hab über Instagram von der Aktion erfahren", erzählt Paula Willfurth. Am heutigen Freitag feiert sie Geburtstag. Und was macht sie: Steht bei kaltem Wind in der Fußgängerzone und verteilt Flyer zum Schülerstreik am 15. März. "Ich will auf der richtigen Seite der Geschichte stehen", sagt die Elly-Heuss-Abiturientin über ihre Motivation. Sie ist schon immer ein "Naturmensch", verzichte auf Milchprodukte.

Doch sie will auch, dass sich politisch etwas ändert. Mit den deutschlandweiten Schülerstreiks hofft sie Politiker aufzurütteln. Auch in der Schule informierte über die Aktion. Viele Lehrer seien begeistert, andere auch kritisch. "Sie sagen, dass wir erst einmal unser Abi machen sollen, dann können wir uns immer noch engagieren." Für die 18-Jährige keine gültigen Argumente. "Es muss jetzt was passieren, so schnell wie möglich." Der Schulstreik sei für sie ein angemessenes Mittel. "Die meisten von uns dürfen noch nicht wählen. So können wir uns Gehör verschaffen." Wegen des Schulschwänzens hat Lukas Prölß am Streiktag keine Angst: "Dann steht auf dem Verweis als Grund ,Protest für den Klimaschutz'. Das ist doch cool, das ist eine Belohnung."

Schülerstreik in Weiden:

Amberg hat schon gestreikt, jetzt kommt Weiden dran: Die „Fridays for Future“-Ortsgruppe ruft zum großen Schülerstreik auf am Freitag, 15. März, 10 Uhr am Oberen Markt vor dem Alten Rathaus.

Nähere Infos zum Schülerstreik und Kontakt zur Weidener Ortsgruppe

Kommentar:

Schüler haben sich entschieden

Beim Klimaschutz geht es nicht um Religion, trotzdem passt das Zitat des Theologen Reinhold Niebuhr: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Die Weidener Schüler haben sich entschieden, dass ihnen die Zukunft unseres Planeten wichtig ist, und sie haben den Mut, das ändern zu wollen. Das zeigt geistige Reife, die ihnen die Schule nicht vermitteln kann. Erwachsene sollten diese Entscheidung respektieren und ihren Mut unterstützen.
Ihre Ziele sind nicht systemumstürzlerisch, sondern eigentlich selbstverständlich, wie etwa ein Umdenken in der Klimapolitik und die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Die Politik sollte froh sein, dass sie nicht noch mehr fordern. Denn dazu hätten sie alles Recht.

Beate-Josefine Luber

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