14.10.2019 - 17:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fridays for Future: Stadt Weiden muss sich ändern

Die Bewegung Fridays for Future kümmert sich nicht nur um Rodungen im Amazonas. Die Schüler aus Weiden stellen konkrete Forderungen an die Stadt. Sie wehren sich gegen Gewerbegebiet und Trasse. Eltern und Verbände unterstützen sie.

Die Bewegung Fridays for Future mit Lukas Prölß und Tim Ramm (von links) stellt konkrete Forderungen an die Stadt. Auch viele Erwachsene sind dabei wie Anna Süß aus der Elterngeneration.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Die Liste der Forderungen, die "Fridays for Future" Weiden an alle Fraktionen der Stadt geschickt hat, ist lang. Eine Antwort haben die Jugendlichen von niemandem bekommen. "Wir erwarten aber schon eine Reaktion", macht einer der Initiatoren, Lukas Prölß, klar. Auch auf der Bürgerversammlung am 17. Oktober um 19 Uhr im Neuen Rathaus könnte das Thema eine Rolle spielen. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß hat die Veranstaltung nach der Demonstration zum Klimastreik-Tag unter das Motto Klimaschutz gesetzt. FOS-Schüler Prölß hat schon eine Einladung bekommen.

"Nicht genug"

Die Liste an Forderungen habe eine Arbeitsgruppe erstellt, sagt der 16-Jährige. Mit dabei waren Schüler. Auch Vertreter von Organisationen wie BI gegen die Monstertrasse, Bund Naturschutz und Naturfreunde brachten Vorschläge ein. Doch abgestimmt wurde immer demokratisch. "Manche Vorschläge haben wir so auch abgelehnt."

Die erste Forderung lautet, dass die Stadt den Klimanotstand ausruft. Das kommt bekannt vor. Das hatten die Grünen doch auch vor kurzem gefordert. Hat sich "Fridays for Future" das Parteiprogramm zu eigen gemacht? Prölß und sein Mitstreiter, der 17-jährige Kepler-Schüler Tim Ramm, winken ab. Die Forderung hätten sie verfasst, bevor die Grünen das in die Presse brachten. "Wir sind überparteilich", sagt Prölß.

Klar gebe es Parteien, die mehr für die Umwelt tun, andere weniger. "Doch keine der Parteien engagiert sich genug, kommunal oder bundespolitisch", betont Ramm. Die Politiker wollten die Schüler umschmeicheln, sagt er. Sie seien immerhin die Wähler der Zukunft. "Und weil man will, dass wir irgendwann aufhören", ergänzt Prölß. "Aber da muss etwas folgen." Eine zweite Forderung stellt sich gegen den Bau des Gewerbegebietes Weiden-West IV und der Höchstspannungstrasse. Das Latscher Holz soll zum "Naturwaldreservat" erklärt werden, das sogar die Entnahme von Holz verbietet. Für eine dezentrale Stromversorgung wünscht sich die Bewegung einen Ausbau der Photovoltaik.

Ein dritter Punkt betrifft den Verkehr: kostenloser ÖPNV für alle Schüler. "Wie in Berlin", sagt Tim Ramm. Doch was nützt es dem Klima, wenn alle kostenlos Bus fahren? "Dass die Eltern die Kinder zum Beispiel nicht mit ihren SUVs in die Schule bringen", antwortet Lukas Prölß. Außerdem müsse das Fahrradnetz in Weiden ausgebaut werden. Dass es nicht das weltweite Klima rettet, wenn Weiden sich auf die Forderungen einlässt, ist den beiden Schülern klar. "Aber wenn Weiden es nicht schafft, wie soll es dann Deutschland oder die EU schaffen?", fragt Prölß. "Oder die Entwicklungsländer", ergänzt Ramm.

Sofort Umschwenken

Der Klimastreiktag in Weiden am 20. September hat gezeigt, dass die Proteste längst nicht nur von Schülern getragen werden. Eine, die sich mit ihnen engagiert, ist die Weidenerin Anna Süß. "Wir sind die Eltern und Großeltern der Fridays-for-Future-Generation", sagt sie. Süß ist begeistert von den Folgen, die die Proteste der Bewegung bereits hatten. "In der letzten Zeit ist mehr passiert als in den vergangenen 10 Jahren." Doch das ist den Jungen nicht schnell genug: "Gemessen an dem, was getan werden muss, ist es fast nichts."

Die Anmerkung von Süß, dass das nicht von heute auf morgen gehe, lassen Prölß und Ramm nicht gelten. Die Bewegung fordert ein sofortiges Umschwenken des politischen Kurses. Bis Ende 2019 fordert "Fridays for Future" in Deutschland das Ende der Subventionen für fossile Energieträger und eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen.

Forderungen von Fridays for Future.
Umgang mit Kritikern:

Die Fridays-for-Future-Bewegung hat auch Kritiker. Sie leugnen ihre Aussagen, vor allem, dass der Klimawandel menschengemacht sei. "Wir demonstrieren auch für die Klimaleugner", stellt Lukas Prölß trocken fest. Er selbst kennt natürlich die Kritik, hat jedoch davon noch wenig mitbekommen, obwohl er in Weiden als Ansprechpartner mittlerweile bekannt sein dürfte. "Die Kritiker, die ich getroffen habe, waren immer Erwachsene über 70 Jahre." Es gebe auch viele, die den Klimawandel nicht leugneten, aber trotzdem nicht ihren Lebensstandard einschränken wollen. "Wir müssen aber auch verzichten, wenn sich etwas ändern soll."

Auch Tim Ramm hat keine negativen Erfahrungen gemacht, jedenfalls nicht in der analogen Welt. "Wenn ich jedoch im Internet kommentiere, werde ich schon manchmal als ,Greta-Jünger' oder ,Klima-Kommunist' bezeichnet."

Anna Süß aus der Elterngeneration hat gar keine negativen Erfahrungen machen müssen, im Gegenteil: "Was da auf mich zukommt, ist nur Positives." (blu)

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Kommentare

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Maria Estl

Herr Baron, wie ich schon schrieb: eine Prüfung der Verteilnetze ist sinnvoll, denn sie verteilen den Strom der Erneuerbaren. Dass wir mehr Strom brauchen durch die Forderungen der FfF, sehe ich nicht, ganz im Gegenteil. Und, noch einmal: Der im Norden erzeugte Windstrom reicht nicht einmal für den Norden, er deckt den Strombedarf nur zu rund 50%. Siehe Netzentwicklungsplan 2030, der bis gestern konsultiert werden konnte, auch von Ihnen. Und, seit wann erzeugen Stromtrassen Strom? Sie tun es nicht, das müssen wir schon selbst in die Hand nehmen. Wissen Sie, dass Deutschland Stromexportweltmeister ist? Dass der Kohlestrom die Netze verstopft? Das belegt immer wieder Prof. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ihr Fachgebiet ist die Energie. Und ich sehe keinen Widerspruch in den Forderungen des Bündnis Abgefrackt Weiden, sie fordern natürlich den Wegfall von 10H, denn mit dieser Restriktion wird der Windkraftausbau ausgebremst. Der Widerstand der Bündnisse gegen Kohle- und Atomstromtrassen erfolgt aus dem selben Grund, das ist doch logisch. Widerstand gegen Fracking und Widerstand gegen Kohle-und Atomstromleitungen sowie Forderungen nach dem Ausbau der Erneuerbaren passen doch zusammen.

17.10.2019
Maria Estl

Herr Baron, die Alternative ist ein intelligenter Strommix aus Erneuerbaren, als da wären Sonne, Wind, Biogas und Wasser. Niemand will und kann Stromerzeugung von 100% Solar mit Freiflächen-PV erreichen. Man sollte auch nie auf nur eine Komponente als Energiequelle setzen, der Mix macht´s, wie überall im Leben. Und wir sind nicht gegen Stromtrassen per se, eine Prüfung der Verteilnetze wäre sinnvoll. Sie verteilen den Großteil an erneuerbar erzeugtem Strom. Wir sind gegen einen überdimensionierten Übertragungs-Stromnetzausbau, der von den Übertragungsnetzbetreibern lange vor der Energiewende ersonnen wurde. Transeuropäischer Stromhandel, für den Händler kostenlos, bezahlt von den Durchschnitts-Stromverbrauchern über die Netzentgelte. Und eine fürstliche Garantie-Rendite von derzeit immer noch 6,91% gibt es für Tennet und Co. obendrauf. Alternativen zu den Erneuerbaren? Da gibt es keine außer Kohle und Atom und anderen fossilen Energieträgern wie Öl und Erdgas. Und Erdgas setzt ein Vielfaches an Methan frei, das viel klimaschädlicher ist, als andere fossile Träger, alleine durch die Lieferkette. Schauen Sie doch mal auf die HP des Bündnis Abgefrackt in Weiden, findet man ganz leicht über Google. Die Schüler haben eine Sache angestoßen, die uns alle betrifft, und dafür danke ich ihnen.

16.10.2019
Michael Baron

Was den Strommix angeht bin ich ganz bei Ihnen.
Aber da wären wir wieder bei dem Punkt den ich mit meinem ersten Kommentar meinte. Man will einen Energiewechsel aber bitte nicht vor der eigenen Haustüre. Nur weil es vor der Energiewende geplant wurde heißt das nicht, dass man es für die Energiewende nicht braucht. Klar war es von den Betreiben damals eventuell für Kohle oder Atomstrom geplant und vielleicht wird das von den Betreibern immer noch so geplant. Aber nichtsdestotrotz haben wir einen Strombedarf, der durch die Forderungen von FFF enorm steigen wird und auch wenn der komplette Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird benötigt man Stromtrassen. Da könnte man genauso sagen man baut keine Autobahn weil bald jeder Elektroauto fährt. Die einzige Alternative wäre man fährt kein Auto, übertragen also wir nutzen kein Strom und das steht komplett entgegen der Forderungen.

Bei dem Bündnis Abgefrackt sieht man es wieder gut an den Partnern, beispielsweise die Grünen, zuerst wird sich über die 10 h Regelung bei der Windkraft beschwert, weil dadurch die Windkraft beerdigt wird und auf der anderen Seite wird in Bündnissen gegen den Netzausbau und neue Anlagen für erneuerbare Energie demonstriert.

16.10.2019
Maria Estl

Volle Zustimmung zu den Forderungen der Schüler und Eltern von Fridays for Future. Bewundernswert die Ausdauer und die Argumentationsfähigkeit, mit der diese Forderungen vorgebracht werden. Meine volle Unterstützung habe sie, auch ich nahm am 20.09. in Weiden teil. Folgerichtig auch der Widerstand gegen die Kohle- und Atomstromtrasse Süd Ost Link. Wer hier noch an das Windstrommärchen glaubt, der glaubt wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann. Die Berechnungen des Netzentwicklungsplans ergeben eindeutig, dass der auf See produzierte Windstrom gerade mal zur Hälfte für den Norden selbst ausreicht. Nähere Infos dazu auf der Homepage der BI Landkreis Neustadt/WN und Weiden gegen die Monstertrasse. Aber Kritiker des Stromtrassen-Widerstandes haben wahrscheinlich noch keinen Netzentwicklungsplan gelesen, geschweige denn konsultiert. Sie fallen auf das Greenwashing der Fossillobby herein. Wenn die Leitungen erst einmal gebaut sind, wird man Gründe finden, den Kohleausstieg nach 2038 - wie bei dem Ausstieg aus dem Atomausstieg- zu verschieben, denn dann hat der Kohlestrom des mitteldeutschen und Lausitzer Kohlereviers auf Jahre hinaus glänzenden Transport- und Absatzmöglichkeiten. Und aus den europäischen Anrainerstaaten kommt dann zusätzlich der Atomstrom.

15.10.2019
Michael Baron

Und was ist dann die Alternative 100% Sonnenstrom? Das ginge auch nur mit großen Solarparks und dafür braucht man auch Stromtrassen. Man kann nicht jede Energiequelle ablehnen wenn man eine Energiewende erreichen möchte, wie es FFF fordert.

Klimaschutz ist nicht gleich Naturschutz oder Landschaftsschutz

15.10.2019
Michael Baron

Paradox parallel zu den Fridays for Future Forderungen, gegen eine Stromtrasse zu demonstrieren. Hier wird mal wieder veranschaulicht, dass jeder nur das fordert, was einen selber nicht betrifft. Einerseits wird gefordert, alle Kohle und Atomkraftwerke abzustellen und am besten auch alle Verbrenner KFZ zu verbieten aber wenn eine Stromtrasse vor der Haustüre gebaut werden soll ist man strickt dagegen. Selbst wenn der ganze Strom von Fotovoltaik gedeckt werden könnte und die ebenfalls oft durch Bürgerdemonstrationen verhinderten Windräder nicht benötigt werden müsste das Stromnetz massive ausgebaut werden. Das geht nur mit neun Stromleitungen.

Man sollte mit dem schwarz-weiß denken aufhören und einsehen das man Kompromisse braucht.

15.10.2019
Michael Baron

Paradox parallel zu den Fridays for Future Forderungen, gegen eine Stromtrasse zu demonstrieren. Hier wird mal wieder veranschaulicht, dass jeder nur das fordert, was einen selber nicht betrifft. Einerseits wird gefordert, alle Kohle und Atomkraftwerke abzustellen und am besten auch alle Verbrenner KFZ zu verbieten aber wenn eine Stromtrasse vor der Haustüre gebaut werden soll ist man strickt dagegen. Selbst wenn der ganze Strom von Fotovoltaik gedeckt werden könnte und die ebenfalls oft durch Bürgerdemonstrationen verhinderten Windräder nicht benötigt werden müsste das Stromnetz massive ausgebaut werden. Das geht nur mit neun Stromleitungen.

Man sollte mit dem schwarz-weiß denken aufhören und einsehen das man Kompromisse braucht.

15.10.2019
Michael Baron

Paradox parallel zu den Fridays for Future Forderungen, gegen eine Stromtrasse zu demonstrieren. Hier wird mal wieder veranschaulicht, dass jeder nur das fordert, was einen selber nicht betrifft. Einerseits wird gefordert, alle Kohle und Atomkraftwerke abzustellen und am besten auch alle Verbrenner KFZ zu verbieten aber wenn eine Stromtrasse vor der Haustüre gebaut werden soll ist man strickt dagegen. Selbst wenn der ganze Strom von Fotovoltaik gedeckt werden könnte und die ebenfalls oft durch Bürgerdemonstrationen verhinderten Windräder nicht benötigt werden müsste das Stromnetz massive ausgebaut werden. Das geht nur mit neun Stromleitungen.

Man sollte mit dem schwarz-weiß denken aufhören und einsehen das man Kompromisse braucht.

15.10.2019