Stahl (78) verbringt den Wahlabend am Sonntag mit Parteifreunden im "Postkeller", Schieder (70) folgt dieser Tradition mit den Genossen im "Almrausch"-Heim. Von "Wahlparty" ist dabei keine Rede, dazu ist die Lage ihrer Parteien vor dem Urnengang zu trostlos.
Schieder wagt keine Prognose zum Ausgang. "Ich weiß nicht mehr als die Umfragen." Die Bayern-SPD und die Landtagsfraktion sieht er jedoch unter Wert verkauft. "Ich würde sagen, die haben seit Jahren Probleme, in wichtigen Medien wie der Süddeutschen Zeitung gut rüberzukommen." Dabei habe er die Partei in seiner Zeit als Abgeordneter von 1990 bis 2008 immer auf Augenhöhe mit der CSU gesehen. "An sich müssten wir auch den Vergleich mit den Grünen nicht scheuen, die einen Hype erleben. Aber es ist wie an der Börse, da gibt es Übertreibungen nach oben und nach unten."
Große Fehler kann Schieder bei Natascha Kohnen und Co. nicht erkennen. Die Themen wie mehr Polizei und Geld für Bildung, gegen Privatisierung von Wohnungsbau und befristete Verträge seien richtig. "Aber es wird halt oft mehr über die Befindlichkeit von Seehofer und Söder berichtet." Zudem sei es normal, dass die Bayern-SPD im Schnitt sechs Prozent unter dem Bundesschnitt der Partei liege. Zu möglichen Koalitionen oder Wunschkonstellationen bei der neuen Staatsregierung möchte er sich nicht äußern. Er erwarte allerdings "gravierende Verwerfungen".
Die sehen für Georg Stahl so aus, dass seine mit absoluten Mehrheiten verwöhnte CSU "vielleicht noch 37 Prozent" schaffen könnte. "Aber wir kommen da nicht mehr richtig raus", bedauert er. Die Gründe sind schon bis zum Abwinken durchanalysiert. Sie ballen sich unter dem Nenner "Streit". Zudem gehe der Trend leider weg von den Volksparteien. "Aber wir verlieren ja selber unsere Werte. Wer von den jungen Leuten geht denn noch in die Kirche?" Das alles führe zu einem Klima der Angst, von der die AfD profitiere.
Diese Ängste gelte es ernst zu nehmen. "Ich merke es vor allem im Gespräch mit älteren Leuten, die haben Angst vor dem Islam und dass Deutschland und Europa den Flüchtlingszustrom eben nicht mehr schaffen." Deswegen habe Horst Seehofer mit dem Satz von der Migration als Mutter aller Probleme "recht und auch wieder nicht". "Ich habe schon vor zehn Jahren ein Einwanderungsgesetz gefordert", betont Stahl.
Auch auf lokaler Ebene gebe es Versäumnisse. "Ich habe schon lange beim Landkreissiedlungswerk gesagt, dass wir mehr sozialen Wohnungsbau brauchen, vor allem in Weiden." Das falle den Volksparteien nun auf die Füße. "Und wir von der CSU sehen uns im Landtag damit vor einer Herausforderung, die wir nicht gewohnt sind." Dabei stehe die Fraktion voll hinter Markus Söder.
Sollte es auf eine Koalition mit den Grünen hinauslaufen, erwartet der ehemalige Pirker Bürgermeister eine "harte Nuss". "Wie wollen die denn festlegen, was Flächenfraß ist? Dabei bleiben doch kleine Gemeinden auf der Strecke." Gleichwohl hätte die Staatsregierung auch schon früher ein Programm für die Stärkung der Ortskerne auflegen können", übt sich der Christsoziale in Selbstkritik.
Bleibe es bei den schlechten Umfragen, gibt Stahl keinem CSU-Listenkandidaten eine Chance. Und Markus Söder müsse in seiner Heimat ein besseres Ergebnis einfahren als Günther Beckstein vor zehn Jahren. "Sonst hat Franken auch keinen Ministerpräsidenten verdient."














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