25.10.2019 - 11:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In fünf Jahren zur "Denkwelt Oberpfalz"

Es wird voraussichtlich das seit Jahren größte Projekt in der nördlichen Oberpfalz. Für die Denkwelt bei Halmesricht fällt der Startschuss. 2024 soll sie eröffnet werden.

Futuristische Bauwerke: ein Modell der Denkwelt Oberpfalz/Halmesricht.
von Siegfried BühnerProfil

Was das NOC für den Handel darstellt, soll die Denkwelt Oberpfalz bei Halmesricht für Bildung und Wissenschaft werden. „Dieses Projekt wird in der Oberpfalz seinesgleichen suchen“, meint Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und lobt die „Visionen der Familie Engel, die jetzt umgesetzt werden“. Ein ganz neuer Stadtteil soll entstehen, jedoch ausschließlich für Bildung und Forschung. Die Initiatoren sprechen von einem „Wissensinkubator, der Forschen, Arbeiten und Leben in einem experimentellen Umfeld vereinen soll“. Details der Planungen wurden jetzt bei einem Pressegespräch bekanntgegeben.

Den wichtigsten Satz formuliert Christian Engel, Vorsitzender des Stiftungsrats der Luce-Stiftung: „Wir brauchen ab dem Jahre 2022 Baurecht, und das Ziel ist, die Denkwelt ab 2024 in Halmesricht eröffnen zu können.“ Drei Partner haben sich zusammengeschlossen, um das Vorhaben zu verwirklichen: die Luce-Stiftung in Weiherhammer, die OTH Amberg-Weiden und die Stadt Weiden zusammen mit der Stadtbau. Gegründet wurde die Entwicklungsgesellschaft GDH & Co KG (Gesellschaft Denkwelt Halmesricht). Sie soll federführend die Planungen vorantreiben. Leiter ist Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm. Bereits in der kommenden Woche sollen erste Planungsgespräche mit der Regierung in Regensburg stattfinden, berichtete Kamm.

Die Planungen gehen derzeit von drei Stufen aus. „Wir wollen nicht sofort sämtliche derzeit verfügbaren 200.000 Quadratmeter Grundstücksfläche bebauen." In der ersten Stufe soll ein bis zu zehn Stockwerke umfassender „Turm“ mit einer Geschossfläche von 6000 Quadratmetern und 120 Arbeitsplätzen entstehen. In Stufe 2 und 3 folgt jeweils ein weiterer „Turm“, so dass nach Fertigstellung 20.000 Quadratmeter Geschossfläche für 400 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Keinesfalls soll laut Kamm die Fläche „mit Autos zugepflastert werden“. Künstliche Intelligenz (KI) und autonomes Fahren sollen in das Konzept mit einfließen. Anlieger werden frühzeitig mit eingebunden, eine Machbarkeitsstudie kündigte Kamm an. Externen Sachverstand bringt Architekt und Stadtplaner Martin Gebhardt ein.

Dass es sich vor allem um ein Infrastrukturprojekt handelt, betont Luce-Stiftungsrat-Vorsitzender Engel. Man wolle dabei eher in die Höhe als in die Fläche gehen. Und er verspricht: „In Halmesricht wird keine Produktion betrieben.“ Auch Handel sei nicht vorgesehen. Allenfalls vielleicht ein „Boarding-Haus“ zum Übernachten für Wissenschaftler von auswärts. Vielleicht suche auch der eine oder andere IT-Dienstleister eine Umgebung, wie sie in Halmesricht aufgebaut wird, vermutet Engel.

Der aktuell auf dem BHS-Gelände in Weiherhammer sich im Aufbau befindliche Science-Park soll später nach Halmesricht umziehen, erklärte Professor Erich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Luce-Stiftung. Zum Park gehören auch zahlreiche weitere Einrichtungen wie das gemeinsam mit der OTH betriebene Zentrum für künstliche Intelligenz oder das Seniorenprojekt ALIA.

Laut Bauer soll die Oberpfalz mit der Denkwelt noch mehr zur Bildungsregion werden. „Bildung braucht intelligente Vernetzung“, sagt Bauer und hofft, dass mit der Denkwelt „ein Klima geschaffen wird, dass junge Leute hier bleiben und Experten und Wissenschaftler in die Oberpfalz kommen“. Noch sei allerdings nicht exakt bekannt, wie viele Millionen Euro tatsächlich von den angekündigten Fördergeldern der bayerischen Saatsregierung nach Weiden fließen würden. Dass sich der Prozess der Zusammenarbeit in Halmesricht an Zukunftsthemen wie Digitalisierung und KI orientiert, betonte OTH-Präsidentin Andrea Klug. Zusätzlich zu den bestehenden Studienangeboten in Medien- und Geoinformatik und Digital-Business seien im Bereich KI auch neue Master- und Bachelorstudiengänge geplant. Die in der Denkwelt vorgesehene Gemeinsamkeit der Partner sieht Klug als „Alleinstellungsmerkmal“ der Region an.

Korrektur:

In einer früheren Version des Artikels war als Gesamtfläche des Grundstücks 20.000 Quadratmeter angegeben. Dies haben wir ausgebessert in 200.000 Quadratmeter.

Gemeinsam wollen sie die neue Denkwelt aufbauen: (von links) Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm, OTH-Präsidentin Andrea Klug, Luce-Vorstandsvorsitzender Erich Bauer, -Stiftungsrats-Vorsitzender Christian Engel, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Severin Hirmer von der Luce-Stiftung.
Sie informieren die Öffentlichkeit über den Aufbau der Denkwelt Oberpfalz in Halmesricht (von links) Baudezernent Oliver Seidel, Luce-Vorstandsvorsitzender Erich Bauer, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Luce-Stiftungsratsvorsitzender Christian Engel, OTH-Präsidentin Andrea Klug und Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm.
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