(uz) Sie solle den Besuchern bewusst machen, dass sich Geschichte wiederholen könne. Es sei die vierte einer Reihe von Ausstellungen, die das "Zentrum gegen Vertreibungen" in der Vergangenheit gestaltet habe, so Dr. Wolf-Dieter Hamperl vom Heimatkreisverein Tachau. "Allein im ehemaligen Bezirk Tachau fehlen 32 Ortschaften, im Egerland 361 und im gesamten Sudetenland 2400", wusste der Bundeskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Als Ursachen für das Verschwinden ganzer Orte und Städte nach dem Zweiten Weltkrieg nannte Hamperl Kriegszerstörungen, Entvölkerung, Höhenlage, Grenznähe, das Schaffen des Eisernen Vorhangs und die Anlage von Truppenübungsplätzen und Stauseen.
Ganze Landsitze und Adelsschlösser seien dem kommunistischen Regime zum Opfer gefallen. Auch das zeige die Ausstellung. Eingegangen werde auch auf die Versuche der Neubebauung in den Städten Küstrin, Königsberg oder Stettin. "Interessant, dass bei der Rekonstruktion bewusst auf Preußisches verzichtet und auf Bauformen früherer Epochen zurückgegriffen wurde." Während in den heute von Polen besiedelten ehemals deutschen Gebieten Schlesiens, Pommerns und Ostpreußens fast alle Dörfer erhalten seien, seien in der Region von Königsberg fast alle Dörfer samt der historischen Bausubstanz geschliffen.
Dr. Hamperl berichtete ausführlich über die Entstehung der Ausstellung. Kurator und Macher sei der Berliner Wilfried Rogasch gewesen, ein Kenner des schlesischen Adels. Für die Medienstation seien die Journalistin Marie Baumgarten sowie Roland Urbaczyk zuständig gewesen. Und die Heimatkreisvereinigungen hätten Bilder und Exponate beigesteuert.
Hamperl befasste sich schon seit dem Jahr 2000 mit dieser Thematik. Er hat viele historische und zeitnahe Fotografien gesammelt und in den Jahren 2004 und 2008 das Buch "Die verschwundenen Dörfer im ehemaligen Bezirk Tachau" herausgegeben. Hamperl hat 130 Fotografien zusammengetragen. Ein Teil floss in die Ausstellung ein. Bürgermeister Lothar Höher ließ seine Empfindungen einfließen. Bürgermeister Meyer betonte die Aktualität der Thematik. Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen würden, seien noch nie so hoch gewesen wie heute. Ende 2017 seien 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen.
Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage im Großen Sitzungssaal vom Sojka-Quartett aus Pilsen. Zu Gehör kamen Werke von Josef Suk, Helmut Fenzl, Max Reger und Antonin Dvorak, die allesamt von Dr. Andreas Wehrmeyer, Mitglied des Sudetendeutschen Musikinstituts, eingehend vorgestellt wurden. Das Ensemble setzte sich zusammen aus Martin Kos und Martin Kaplan (Violinen), Josef Fiala (Viola) und Hana Vitkova (Violoncello).
Ausdrücklicher Dank galt Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz und ihrem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Sebastian Schott. Im Beiprogramm der Ausstellung wird zu einer Busfahrt zu den "Verschwundenen Dörfern im Tachauer Gebiet" angeboten.
Weiden in der Oberpfalz
26.07.2018 - 12:59 Uhr
Ganze Landsitze weggerissen
von Helmut Kunz
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