13.01.2020 - 17:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die gebürtige Weidenerin Sybille Hägler lebt in Australien: "Feuerwehrmänner sind unsere Helden"

Die Lage hat sich etwas entspannt, doch die Gefahr ist noch längst nicht gebannt. "Es heißt, wir bräuchten zwei Wochen lang starken Regen", sagt Sybille Hägler. Die gebürtige Weidenerin lebt seit 18 Jahren in Sydney.

Sybille Hägler lebt mit ihrem Sohn Hugo und ihrem Lebensgefährten Anthony in Sydney. Die Aufnahme entstand bevor die großen Buschfeuer in Australien ausbrachen.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Sie selbst und ihre Familie sind durch die Buschbrände zwar nicht bedroht. Und seit dem Wochenende hat sich die Situation in Australien etwas gebessert. Von einer Entwarnung kann aber nicht die Rede sein. "In den letzten Tagen hatten wir ein paar Tropfen Regen", erzählt Sybille Hägler. Als es nachts kühler wurde, hat sie die Fenster geöffnet. "Aber da hat es gerochen, als würde jemand ein Feuer im Garten schüren." Also hat sie die Fenster schnell wieder geschlossen.

Derzeit befindet sich die 45-Jährige mit ihrem Lebensgefährten Anthony und dem gemeinsamen Sohn Hugo etwa 80 Kilometer nördlich von Sydney in Urlaub. "Hier ist vielleicht etwas mehr Rauch als in Sydney, weil der Busch näher ist. Aber vom Feuer direkt betroffen sind wir nicht. Das ist etwa 100 Kilometer entfernt." Starker Wind weht Ruß und Rauchwolken über weite Strecken. "Ich wische hier täglich den Gartentisch ab. Der Schwamm ist jedesmal schwarz vor Ruß."

Doch letztlich sei das nichts im Vergleich mit den Problemen der Menschen, die Hab und Gut verloren haben. Wie schon Hildburg Stilp und ihre Ehemann Werner, ein gebürtiger Weidener, die seit Jahrzehnten in Australien leben (wir berichteten), will Sybille Hägler von diesen "kleinen Problemen" kein Aufhebens machen. Nur was ihren zweieinhalbjährigen Sohn Hugo betrifft, macht sie sich Gedanken, ob die von Rauch durchsetzte Luft auf lange Sicht womöglich schädlich sein könnte. Schließlich lauten die Ratschläge von offizieller Seite, möglichst nicht nach draußen zu gehen und keinen Sport zu treiben.

Seit 2002 lebt die Tochter des langjährigen Stadtrats Georg Hägler und seiner Frau Anni in Sydney. Sie weiß: "Australier sind an Buschbrände gewöhnt. Aber alle sagen, so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie."

Durch Bekannte und Freunde bekommt sie die Folgen zum Teil hautnah mit. Ein Freundin lebt beispielsweise in den Blue Mountains. Dort wüten die Buschbrände besonders. Die Flammen haben das Haus der Frau zwar noch nicht erreicht, waren zeitweise aber nur wenige Meilen entfernt. "Über Weihnachten haben wir deshalb ihre Hunde gesittet. Sie hat schon einige Kartons mit wichtigen Erinnerungsstücken gepackt und weggebracht." Jeden Tag rechne die Freundin damit, evakuiert zu werden. Denn eins stehe für sie fest: Wenn die Flammen ihr Haus erreichen, will sie nicht dort bleiben, um es zu verteidigen.

Es gibt durchaus Australier, die dieses Wagnis eingehen. Sybille Hägler hat eine zweite Freundin in den Blue Mountains, die den Flammen getrotzt hat. Eine ausgesprochen gefährliche Situation. "Als das Feuer kam, hieß es: Alle ins Haus. Alle Türen und Fenster schließen." Kaum war die Feuerwalze durch, entzündeten sich Flammen im Dachstuhl, die die Familie dann gelöscht hat. "Wären wir nicht Zuhause gewesen, hätten wir alles verloren", meinte die Freundin im Nachhinein. Sybille Häglers Schwiegermutter lebt in Nowra, etwa 160 Kilometer südlich von Sydney. "Letzte Woche war der Highway dorthin gesperrt, das Feuer nicht weit weg. Natürlich hatte sie da Angst."

Diese Schicksale gehen der 45-Jährigen, die bis zu ihrer Elternpause für Goldman Sachs als Investmentbankerin gearbeitet hat, nahe. Genauso wie das einer Landwirtin, die sie kennt. "Bei ihr ging das Feuer zwei Mal durch. Sie hat ein Drittel ihrer Apfelernte verloren. Die wären in drei Wochen reif gewesen." Das Haus der Farmerin steht noch. Aber die Scheune ist abgebrannt. "Die verbrannten Apfelbäume bringen nie wieder Ernte." Die Frau um die 70 war auf sich allein gestellt, als das Feuer kam. Täglich hat sie zwei Stunden lang ihr Haus bewässert, um es zu retten. "Sie sagt, sie lebt in the middle of nowhere (im Nirgendwo)", berichtet Sybille Hägler. "Und die Feuerwehr kann nicht überall sein." Auf die Frage, wie man ihr helfen könne, hat die Farmerin gemeint: Am besten, indem man weiterhin ihr Obst kauft.

Jammern liegt den Australiern offenbar nicht. Aber "sie sind traurig, weil die Situation außer Kontrolle ist", erzählt Sybille Hägler. Und sie sind wütend: "Weil sie glauben, dass in Australien zu wenig gegen den Klimawandel getan wird, und weil sie meinen, dass zu wenig Backburning gemacht wurde." So nennt man das Verbrennen von trockenem Unterholz, damit im Fall des Falles ein Feuer nicht zu schnell um sich greift.

Was die 45-Jährige ebenfalls bedauert: Millionen von Tieren sind verbrannt. "Manche Tier- und Pflanzenarten sind vielleicht sogar ausgerottet." Doch es gibt in dieser Situation auch Lichtblicke: "Die Feuerwehrleute sind unsere Helden", sagt sie. Und: "Die Menschen halten eng zusammen. Jeder tut, was er kann. Von jedem Kaffee gehen 50 Cent in eine Unterstützungskasse." Aufgeben gilt nicht.

Als Dank für den Einsatz der Feuerwehrleute wurden diese Bilder auf die Segel des Opernhauses in Sydney projiziert.

Wie das Ehepaar Stilp die Buschbrände in Australien erlebt

Weiden in der Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.