15.12.2020 - 09:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gefährliches Cannabis in Weiden im Umlauf

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Im Netz zieht es seine Kreise, die Polizei sagt dazu kaum etwas: Der Deutsche Hanfverband, eine Lobbyorganisation für Cannabislegalisierung, warnt eindringlich vor manipuliertem Marihuana im Raum Weiden.

Marihuana- und Haschischkonsumenten leben in Weiden derzeit gefährlicher als sonst. In der Stadt soll gestrecktes Cannabis im Umlauf sein, das verheerende Folgen hat.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Auch der Neustädter Bürgermeister Sebastian Dippold teilt es zurzeit fleißig auf Facebook und schreibt dazu: "Kiffen ist das eine, daran fast krepieren das andere." Gemeint ist ein Posting der Ortsgruppe Regensburg des Deutschen Hanfverbands. Darin heißt es: "Achtung, der DHV Regensburg warnt konkret vor mit Chemie-Drogen behandelten Blüten in Weiden. Die Buds sind optisch unauffällig, es wird von einem kurzen, sehr starken Rauschgefühl berichtet, die Wirkstoff-Konzentration auf den Blüten scheint sehr verschieden zu sein. Im Labor wurden neben THC und CBD vier verschiedene synthetische Cannabinoide nachgewiesen. Vom Konsum wird unbedingt abgeraten."

Die Regensburger haben diese Information nach eigener Aussage von einer zugespielten Untersuchung einer Probe Hanf aus Weiden. "Es gibt Labore, da kann man das anonym einschicken. Damit sie nicht Repressionen fürchten müssen, können Konsumenten dann über uns andere warnen", sagt Andrea DiBella, Sprecher des DHV Regensburg.

Die Polizei kennt diesen konkreten Fall nicht, heißt es auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Sie geht auch nicht weiter auf die vom Hanfverband angesprochene Problematik in Weiden ein und schreibt sehr allgemein: "Es ist bereits seit Jahren bekannt, dass Marihuana und auch andere Pflanzenmaterialien mit synthetischen Stoffen behandelt werden."

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Weiden in der Oberpfalz

Enorme Suchtgefahr

Das bestätigt Georg Wurth. Er ist Bundesgeschäftsführer des Deutschen Hanfverbands in Berlin und entspricht in keiner Weise dem Klischee vom benebelten Profikiffer. Der ehemalige Finanzbeamte sprach bereits als Sachverständiger in Ausschüssen des Bundestags zur Drogenpolitik. Wurth warnt ebenfalls vehement vor gepanschtem Cannabis: "Die Suchtgefahr ist groß, der Rausch sehr stark. Es kann zu dramatischen Kreislaufabfällen kommen und hat im Gegensatz zu normalem Cannabis auch schon zu Todesfällen geführt." Die Situation schien zuerst in der Schweiz alarmierend, hat aber mittlerweile wohl ganz Deutschland erreicht. Bayern scheint ein Schwerpunkt zu sein, wenn man die Webseiten des Hanfverbands liest. Das Problem: Der Unterschied zu "normalem Gras" ist weder optisch noch am Geruch zu erkennen.

Aber wer hat Interesse, Joints zu strecken und giftiger zu machen, als sie sind? Prinzipiell achte ein Dealer doch eher darauf, seine Kunden langfristig zu binden, um ein Geschäft zu machen. Wurth hat dafür zwei Erklärungen: Zum einen würden die synthetischen Substanzen den Cannabiskonsum bei Drogentests verschleiern, zum anderen würden manche damit experimentieren. "Hinzu kommt, dass das Zeug total billig ist. Das kann man in China bestellen, da reichen ganz geringe Mengen für einen Rausch."

Billiges Verfahren

Obendrein gebe es auf dem Markt einen Überschuss an CBD-Blüten. Damit ist die Knospe der Cannabispflanze gemeint, die prinzipiell keinen Rausch verursacht. "Es sei denn, man peppt das mit billigem synthetischen Material auf", bedauert Wurth. Zum Vergleich: Ein Kilo reines Cannabis koste mehrere Tausend Euro, synthetische Stoffe einige Hundert Euro. "Es gab schon Storys, da wurde das Zeug in Waschmaschinen und Betonmischern hergestellt." Daher bleibt die Polizei bei ihrer Linie, heißt es aus dem Präsidium Regensburg: "Grundsätzlich gilt beim Erwerb illegaler Drogen, dass deren Herkunft und Zusammensetzung unklar ist und daher immer ein unkalkulierbares Risiko für den Konsumenten birgt." Und Bürgermeister Dippold rät: "Das Gesündeste ist immer noch komplett rau(s)chfrei."

"Es kann zu dramatischen Kreislaufabfällen kommen und hat im Gegensatz zu normalem Cannabis auch schon zu Todesfällen geführt."

Georg Wurth, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Hanfverbands

 

 

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