01.02.2021 - 17:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die Gegner des Gewerbegebiets Weiden-West IV: "Weidens größte Sünde"

Das Werben um Wählerstimmen bei den Bürgerentscheiden für und gegen das geplante Gewerbegebiet West IV geht in die heiße Phase. Richard Mergner, Vorsitzender des Bundes Naturschutz Bayern, nennt das Projekt "Weidens größte Sünde".

Die Vertreter von BUND und LBV stellen sich schützend vor den Wald im Weidener Westen (von rechts): Jürgen Schönig, Carolin Schiml, Richard Mergner, Norbert Schäffer, Christoph Bauer sowie links Reinhard Scheuerlein.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Bayerns oberster Naturschützer Richard Mergner kennt den Wald im Weidener Westen gut. Seit zehn Jahren kämpfe der Bund Natur Naturschutz ebenso wie der Landesbund für Vogelschutz mit Landesvorsitzendem Dr. Norbert Schäffer, gegen die Planungen der Stadt Weiden. Beide appellieren am Montag beim "vertrauten Ortstermin" an der Pressather Straße an die Weidener, ihre Stimme bei den Bürgerentscheiden am 14. Februar abzugeben.

Echte Alternativen suchen

Ebenso wie Schäffler und Christoph Bauer, Leiter der LBV-Geschäftsstelle Oberpfalz, und Carolin Schiml, stellvertretende Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Weiden, ist Mergner überzeugt, dass auch nach dem Bürgerentscheid die Suche nach einem Gewerbegebiet nicht ruhen werde. Aber die Stadt Weiden werde erst "in eine echte Standort-Alternativenprüfung gehen, wenn West IV vom Tisch gefegt sei, so Schiml.

"Die Weidener haben es beim Bürgerentscheid selbst in der Hand, ob das Stadtgebiet noch weiter ausfranst und die Verkehrsströme noch stärker anschwellen oder ob Weiden die Richtung einer innovativen und beispielhaften Stadtentwicklung einschlägt“, sagt Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern. „Interkommunale und landschaftsschonende Planungen müssen staatlich mehr gefördert werden." Der Freistaat müsse aktiv dazu beitragen, dass Kommunen aufhörten, ohne Rücksicht auf Naturverluste nur in ihren eigenen Grenzen zu denken, vor allem im Hinblick auf erhoffte Einnahmen aus der Gewerbesteuer.

"Immer eine Ausnahme"

"Es kann nicht sein, dass Flächen in Weiden ungenutzt bleiben und in Kommunen im benachbarten Landkreis Neustadt Gewerbeflächen leer stehen, gleichzeitig jedoch wenige Kilometer weiter in Weiden-West ein neues Gewerbegebiet ohne jegliche Rücksicht auf den Natur- und Klimaschutz aus dem Boden gestampft werden soll“, betonen die Sprecher.

„Auf der einen Seite kündigt die Staatsregierung im Koalitionsvertrag eine Reduzierung des Flächenverbrauchs an, auf der anderen Seite finden viele Gemeinden aber stets eine Begründung, warum dies ausgerechnet in ihrem Fall nicht geht und eine Ausnahme gemacht werden muss. Um Ziele zu erreichen muss konsequent gehandelt werden, anstatt Entschuldigungen für Versagen zu suchen. Unverständlich ist für den LBV darüber hinaus, warum der Freistaat wie auch hier im Fall von Weiden Staatswald für neue Gewerbegebiete verkauft und somit den Flächenfraß fördert“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.

Wert des Waldes schätzen

Für die Planung soll zwar eine Alternativenprüfung durchgeführt werden, allerdings halten BN und LBV deren Ergebnisse für fragwürdig. „Es wäre z.B. nicht nachvollziehbar, wenn darin faktisch der öffentliche Wald als geringwertiger als landwirtschaftlich genutzte Flächen eingestuft werden sollte“, so Reinhard Scheuerlein, BN-Regionalreferent für die Oberpfalz. „Dabei gehört dieser Wald doch allen Bürgern und soll ihnen auch weiterhin in vielfältiger Weise zu Gute kommen“.

Außerdem dient der Wald als wichtiger Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid, das sich andernfalls in der Atmosphäre noch weiter anreichert. „In Zeiten des Klimawandels brauchen wir jeden einzelnen Baum, um Kohlendioxid dauerhaft zu binden. Nur so können wir die schlimmsten Folgen der Erderwärmung abmildern. Es ist ein Unding heutzutage noch großflächig Wald zu roden – zumal es hier um den Wald aller Bürger geht“, erläutert Christoph Bauer, Leiter der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz.

Jenseits der Dinosaurier-Planung

Die Stadt Weiden besitze nach Auffassung von BUND Naturschutz und LBV aber auch eine große Chance: Mit einem neuen Konzept jenseits einer solchen Dinosaurier-Planung (mehr Straßen, mehr Gewerbe- und Neubaugebiete) könnte sie sich an die Spitze einer innovativen und beispielhaften Entwicklung stellen. Die Schonung der noch vorhandenen Naturschätze sei eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür.

„Mit einer ernsthaften Untersuchung möglicher städtebaulicher Erneuerungsmaßnahmen auf vorhandenen brachliegenden, leerstehenden bzw. untergenutzten Flächen im Stadtgebiet Weiden und im unmittelbaren Umfeld ließen sich viele positive Effekte erreichen“, erklärt Jürgen Schöning, Pressesprecher der BN-Kreisgruppe Neustadt/Waldnaab-Weiden.

Solche Potenziale seien nach den Vorgaben der bayerischen Landesplanung vorrangig zu nutzen. Darüber hinaus sei in der Stadt Weiden ein kommunales Flächenressourcenmanagement zur besseren Nutzung vorhandener Flächenpotenziale dringend nötig. Dies könnte auch die Verkehrsprobleme und die Lärm- und Abgasbelastung vieler Weidener entschärfen, die sich mit der drohenden Überlastung des städtischen Straßennetzes durch ein Gewerbegebiet Weiden-West IV ergeben würden. Schönig verwies auf das ehemalige Bahnbetriebswerk, das zwar Altlasten enthalte, aber günstig zu haben sei.

Die Befürworter von West IV melden sich zu Wort

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