27.12.2018 - 15:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gelbwesten in Paris: "Als ob am nächsten Tag Krieg ausbrechen würde"

Seit September lebt der Weidener Philipp Franz in Issy-les-Moulineaux. Die Partnerstadt von Weiden ist ein Vorort von Paris. Die Proteste der Gelbwesten hat nun auch Issy erreicht.

Philipp Franz (rechts) aus Weiden arbeitet ein Jahr in der Partnerstadt Issy-les-Moulineaux. Hier berichtet er Oberbürgermeister Kurt Seggewiß von den Gelbwesten.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

ONETZ: Was haben Sie am Samstag in Paris erlebt?

Philipp Franz: Ich war letzten Samstag nicht in Paris unterwegs, weil die Proteste angesagt waren. Am letzten Freitag war ich am Abend in der Stadt und habe gesehen, wie die ganzen Geschäfte darauf vorbereitet waren. Am Samstag war ich aber zuhause.

ONETZ: Wie haben sich die Geschäftsleute vorbereitet?

Philipp Franz: Die Vorbereitung hat dann so ausgeschaut, dass die Franzosen ihre Schaufenster verbarrikadiert haben. Und sie haben die Stadt, die Straßen darauf vorbereitet, als ob am nächsten Tag Krieg ausbrechen würde.

ONETZ: Sind die Gelbwesten in Issy ein Thema?

Philipp Franz: Nein, in Issy-les-Moulineaux ist es relativ ruhig. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir in einer guten Gegend wohnen. Aber ich habe das selber mitbekommen, als ich mit der Tram gefahren bin. Wenn ich an Porte de Versailles umsteigen musste, war das relativ schwierig. Da waren an Porte de Versailles und Porte de Vanves relativ viele Proteste der Lycéens, also der Gymnasiasten, und von der RATP (Öffentlicher Nahverkehr in Paris, Anm. d. Red.), die einmal gestreikt hat. Da ging nichts mehr – aber in Issy war's ruhig.

ONETZ: Sind die Leute in Issy genervt oder unterstützen sie die Proteste?

Philipp Franz: Ich habe mit einer Lehrkraft und Betreuern gesprochen. Die meisten waren eigentlich ziemlich genervt davon, weil das normale Leben so beeinträchtigt wird. Wenn ich zum Beispiel am Samstag in die Stadt fahren möchte, werde ich daran gehindert, weil manche Metro-Stationen nicht angefahren werden, weil einzelne Linien nicht fahren. Das macht es schon ein bisschen kompliziert.

ONETZ: Warum sind die Gelbwesten so aggressiv?

Philipp Franz: Ich würde sagen, dass dies diesen Unmut und diese Unzufriedenheit der Franzosen widerspiegelt. Man hört oft, dass die Franzosen ein unzufriedenes Volk sind. Ich kann mir die Gewalt nur durch die Unzufriedenheit erklären; dass aktiv die Kritik gesucht wird, weil man mit der Politik und dem eigenen Leben unzufrieden ist.

ONETZ: Aber nach Macrons Wahl zum Präsidenten herrschte in Frankreich Euphorie.

Philipp Franz: Das war ja klar, dass Macron die Wahl gewinnt, weil sie vermeiden wollten, dass Marine Le Pen an die Macht kommt. Das war eine Art Versuch, den man mit Macron gestartet hat, einem sehr jungen Präsidenten, der nie vorher Bürgermeister war oder ein anderes Amt inne hatte. Das war eine Zweckwahl. Aber all die Änderungen, die er machen möchte wie die Spritpreise, das geht an die Tasche der Bürger. Das Leben in Frankreich ist sehr teuer, gerade die Lebensmittel.

ONETZ: Können Sie sich solche Proteste auch in Deutschland vorstellen?

Philipp Franz: Ich bin momentan nicht sicher. Aber würde eher auf "Nein" tippen, weil bei uns alles anders geregelt ist, gerade das Streikrecht. Was ich in den letzten drei Monaten mitbekommen habe ist, dass Streiken eine Art Nationalsport der Franzosen ist. Wann immer es die Möglichkeit gibt, wird gestreikt.

Philipp Franz über sein Leben in Issy

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