11.01.2019 - 10:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Freiwilligendienst in der Partnerstadt

Er kommt aus Weiden, sie aus der französischen Partnerstadt Issy les Moulineaux. Für ein Jahr tauschen sie die Rollen. Was sie verbindet? Redakteurin Elisabeth Saller hat bei Philipp Franz und Clémence Ulm nachgefragt.

Philipp Franz (links) ist mit Freunden im Stade de France und sieht sich ein Fußballspiel an.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Philipp Franz: "Riesenprivileg"

Philipp Franz aus Weiden arbeitet ein Jahr in Issy – und hat sein Herz an Paris und Issy-les-Moulineaux verloren. "Super gut" gefällt es dem 24-jährigen Weidener in Frankreich. Seit September arbeitet er im Rahmen des Europäischen Freiwilligendiensts ein Jahr lang in Weidens Partnerstadt Issy am Rande von Paris.

Dort ist er für ein Jahr im Rathaus beschäftigt und unterstützt die Mitarbeiter im Büro für Internationale Beziehungen. Franz kümmert sich um die Delegationen der Partnerstädte, die Issy besuchen und pflegt die Social-Media-Kanäle der Stadt. Dienstags und donnerstags arbeitet er an drei Grundschulen und hilft Schülern beim Deutschlernen. Mittwochs ist er im Jugendzentrum Anne Frank, wo er Themenabende organisiert. Und freitags unterrichtet der junge Mann Konversation auf Deutsch.

28 Stunden pro Woche arbeitet Philipp Franz. Genügend Zeit bleibt, um Issy und Paris kennenzulernen. "Jeden Tag gibt es etwas Neues", freut er sich. Die Stadt ist für ihn ein Ort der "unbegrenzten Möglichkeiten". Schon zweimal hat Franz, der an der Uni Regensburg Französisch und Spanisch auf Lehramt studiert und nun ein Jahr Pause einlegt, ein Fußballspiel von Paris St. Germain besucht. Im Oktober war er im Stade de France für ein Spiel Frankreich gegen Deutschland.

Für Tennis kann sich der Weidener ebenso begeistern und hat sich den Wettkampf Novak Djokovic gegen Karen Khachanov angesehen. Den ersten Promi hat der 24-Jährige auch schon gesichtet: Thomas Tuchel, Trainer von Paris Saint Germain, stand drei Meter vor ihm auf der Rolltreppe. Für die schlechte Jahreszeit habe er sich vorgenommen, in alle bekannten Museen zu gehen wie den Louvre oder das Musée d'Orsay. "Ich will so viel wie möglich von Land, Leuten und Kultur mitnehmen", sagt er.

Franz hat ein Zimmer in einem Wohnheim für Freiwillige im 13. Arrondissement in Paris. Auch dort geht es ihm gut. Er berichtet begeistert von Kochabenden mit seinen Mitbewohnern. "Die Leute sind alle supernett." Bis zu seiner Arbeitsstelle pendelt er mit der Metro allerdings 45 Minuten. Für Franz ist es dennoch ein "Riesenprivileg", seinen Europäischen Freiwilligendienst in Issy zu leisten. Vieles, was er erleben darf, können andere kaum nachmachen. Zum Beispiel war er einmal bei der Unesco zum "Mittagessen mit Blick auf den Eiffelturm" eingeladen. Das sei für ihn purer Luxus gewesen.

Philipp Franz im Interview über die "Gelbwesten"

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Clémence Ulm: "Glücklich in Weiden"

Clémence Ulm aus Issy arbeitet ein Jahr lang im Kulturamt der Stadt Weiden.

Von Paris nach Weiden: Für Clémence Ulmist das kein Rückschritt. Die 19-Jährige ist die Austauschpartnerin von Philipp Franz. Er ging von Weiden in die Partnerstadt Issy-les-Moulineaux, sie kam von dort in die Oberpfalz - und bereut die Entscheidung kein bisschen.

"Das Stadtzentrum ist sehr schön. Es gibt alles", sagt Ulm. Seit September arbeitet sie als Freiwillige im Kulturamt der Stadt und unterstützt das Team um Leiterin Petra Vorsatz und Archivar Dr. Sebastian Schott. Den Trubel in Paris vermisst sie nicht. Die junge Frau ist genügsam und wirkt glücklich. Jeden Vormittag ist die Studentin im Kulturamt beschäftigt, hilft etwa bei einer Ausstellung über Nazis in Weiden. An den Nachmittagen unterstützt sie beim Arbeitskreis Asyl junge Migranten bei den Hausaufgaben, gibt Tipps, wenn sie in Englisch oder Französisch nicht mehr weiter wissen. "Ich muss französische Grammatik auf Deutsch erklären. Das ist manchmal nicht einfach. Aber ich hoffe, sie verstehen es", erläutert Ulm. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus Syrien, Algerien und Osteuropa. Auch die Französin hat einen Migrationshintergrund. Clémences Urgroßvater war Deutscher. Wenn es sich ergibt, spielt sie mit den Schülern Volleyball. Auch die Studentin lernt dazu: Sie besucht einen Deutschkurs an der Volkshochschule. Und Oberpfälzerisch, denn Clémence ist in einem Wohnheim der Landwirtschaftsschule in Almesbach untergekommen.

In ihrer Freizeit geht die 19-Jährige gerne in Cafés und Bars. Als ihre Eltern zu Besuch waren, sahen sie sich die Ausstellung im Keramikmuseum an und waren in der Therme. In Weiden ist sie meist mit dem Fahrrad unterwegs. Will sie aber mal einen Ausflug weiter weg unternehmen, wird es kompliziert. "Ich habe kein Auto in Weiden. Das macht es manchmal schwer", sagt Clémence.

Der Freiwilligendienst "ist eine gute Möglichkeit, Deutschland kennenzulernen. Es gibt Unterschiede zwischen Issy und Weiden. Mein Leben in Issy ist nicht das gleiche wie in Weiden." In Frankreich hat sie an der Uni Nanterre in einem Vorort von Paris "Langues Etrangères Appliquées" studiert (angewandte Fremdsprachen), hat Deutsch und Englisch gelernt, aber auch Kurse in Wirtschaft, Recht und Kultur besucht. Der Campus sei groß, aber auch grün. "Es gibt sogar Schafe." Nach ihrem Jahr in Weiden will Clémence ihr Studium fortsetzen.

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