„Auf Erden ist die Sonne für German Vogelsang untergegangen. Im Himmel bei Gott aber bricht jetzt der neue Tag für ihn an.“ Mit diesem Wortspiel mit dem Titel unserer Tageszeitung schloss Stadtpfarrer Markus Schmid seine Traueransprache in St. Josef für German Vogelsang. Der Journalist, Geschäftsführer, Verleger und Gesellschafter von Oberpfalz-Medien (OM) war am 11. September im Alter von 86 Jahren in seinem Geburts- und Wirkungsort Weiden verstorben.
„Er las Zeitung und machte Zeitung – mit Blick für den Menschen dahinter“, hieß es in den Fürbitten, die Geschäftsführer Johannes Zettl und Betriebsratsvorsitzender Thomas Amann vortrugen. „Er kannte die Menschen und nahm Anteil“, leiteten sie aus einem weiteren Charakterzug des Verstorbenen ebenso eine Bitte ein wie mit dem Verweis auf sein kulturelles Interesse. „Er reiste gern, schenkte Freude bei gutem Essen, gutem Wein und guten Gesprächen.“
Widerspruch und Diskurs
„German Vogelsang wusste, dass eine Zeitung nur dann glaubwürdig sein kann, wenn ihre Redaktion unabhängig arbeiten kann“, sagte OM-Gesellschafterin Stefanie Shanahan-Kleikamp. Er habe gewusst, dass Journalismus Widerspruch aushalten müsse, dass unterschiedliche Meinungen ihren Platz haben und dass die sorgfältige Recherche und das journalistische Urteil zählten. „Diese Haltung war ihm wichtig – im eigenen Haus ebenso wie in seinem Engagement darüber hinaus.“
Man werde German Vogelsang als prägende Persönlichkeit des Hauses in Erinnerung behalten, ergänzte OM-Gesellschafterin Sabine Pistor. Vieles von dem, worauf sie als Nachfolgegeneration des Familienunternehmens aufbaue, trage auch seine Handschrift. „Weiden und die Oberpfalz waren für ihn weit mehr als das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung.“ Pistor erinnerte an sein Wirken als Buchverleger und -autor. „Mehrfach übernahm er die Schirmherrschaft für die Weidener Literaturtage.“
Interessiert und großherzig
Stadtpfarrer Markus Schmid nannte German Vogelsang einen Publizisten, der sich für Architektur, Philosophie und Literatur interessiert habe. "Reisen und andere Kulturen kennenzulernen – das war seins.“ Er sei großherzig und großzügig im Geben, Spenden und Unterstützen sozialer Projekte gewesen. „German Vogelsang war dankbar für das, was er war und erreicht hatte – nicht nur aus eigener Kraft, sondern auch mit sehr viel Glück im Leben und treuen Weggefährten.“
Im Frühjahr 2006 habe Vogelsang angesichts der Misere auf dem Ausbildungsmarkt junge Menschen gesehen, die mangels Perspektive Gefahr liefen, ihre Heimat verlassen zu müssen, erinnerte Jürgen Spickenreuther. „Vogelsang hat unsere Initiative nicht nur mitbegründet, sondern ihr Herz und Seele gegeben“, sagte der Vorsitzende von Pro Ausbildung Nordoberpfalz. „Er dachte nicht in Zuständigkeiten, sondern in Verantwortung. Nicht in Einzelinteressen, sondern in Gemeinsinn.“ Vogelsang habe über den Tellerrand hinausgeblickt und von Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung eingefordert. Spickenreuther sprach von einem visionären Gestalter, treuen Förderer der Jugend und warmherzigen Menschen.
Verantwortung und Demokratie
„German Vogelsang wusste um die Verantwortung, die mit unabhängigem Journalismus verbunden ist“, anerkannte Robert Stahl im Namen des Rotary-Clubs. „Dabei ging es ihm nicht nur darum, was geschah, sondern auch darum, warum etwas geschah und welche Bedeutung es für die Menschen in unserer Region hatte.“ Er habe aus Erlebtem erzählt, ohne sich in den Mittelpunkt zu stellen.
„Eine freie Gesellschaft lebt davon, dass unterschiedliche Stimmen gehört werden“, sagte Stahl. Gerade eine freie und unabhängige Presse sei dafür von grundlegender Bedeutung. „Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass aktuell die Kampagne ‚Demokratie braucht viele Stimmen – wir sind eine davon‘ unter anderem bei Oberpfalz-Medien läuft.“
Dekan Alexander Hösl nahm als Konzelebrant an der Trauermesse teil, die der Kirchenchor St. Josef mit Chorleiter und Kirchenmusiker Piotr Pajak musikalisch gestaltete. Als Solisten wirkten Eva Danzl (Gesang) und Thomas Käs (Violine) mit. Die Urnenbeisetzung erfolgte im kleinen Kreis auf dem Waldfriedhof.

























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