Weiden in der Oberpfalz
04.10.2019 - 10:30 Uhr

Gesellenbrief dank Zusatzunterricht

Wenn der Fachkräftemangel immer größer wird, müssen möglichst alle verbliebenen Bewerber um Ausbildungsstellen zu einem erfolgreichen Berufsabschluss geführt werden. Das sagen die Berufsberater bei der Arbeitsagentur.

Augenoptiker Josef Reitmeyer hilft der Auszubildenden Shanti Lindner im Rahmen von ABH zum Ausbildungsabschluss. Mit dabei Mitarbeiter des Kolping Bildungswerks und der Berufsberatung der Abeitsagentur Weiden. Bild: Bühner
Augenoptiker Josef Reitmeyer hilft der Auszubildenden Shanti Lindner im Rahmen von ABH zum Ausbildungsabschluss. Mit dabei Mitarbeiter des Kolping Bildungswerks und der Berufsberatung der Abeitsagentur Weiden.

„Ich finde ausbildungsbegleitende Hilfen enorm wichtig“, erklärt Augenoptiker Josef Reitmeyer. In jedem Unterricht und bei allen Zwischenprüfungen erlebt Reitmeyer die Fortschritte bei den von ihm betreuten Auszubildenden. Der Augenoptiker arbeitet als Lehrkraft beim Kolping-Bildungswerk in Weiden und hilft derzeit auch der Auszubildenden Shanti Lindner, damit diese ihre Augenoptiker-Ausbildung erfolgreich abschließen kann.

Die in Indien geborene junge Frau war in ihrem ersten Beruf als Einzelhandelskauffrau wenig glücklich und entschloss sich zu einer Ausbildung als Augenoptikerin. Diese Ausbildung stellt jedoch hohe Anforderungen vor allem in Technik und Mathematik und fordert die Kenntnis vieler Fachbegriffe. Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, sind dabei stark herausgefordert.

„Im April nächsten Jahres muss ich die Zwischenprüfung absolvieren und an jedem meiner freien Tage hilft mir Herr Reitmeyer mehrere Stunden“, sagt die Auszubildende. Die junge Frau ist nur eine von jährlich durchschnittlich 245 Teilnehmern am Maßnahmeprogramm „Ausbildungsbegleitende Hilfen (ABH)“, das vom Kolping Bildungswerk in Weiden und in Tirschenreuth angeboten wird.

Nun wurde in Weiden eine Zwischenbilanz zu ABH gezogen. Elisabeth Weiß, Bildungszentrumsleiterin beim Kolping-Bildungswerk, und Karl Höltl von Kolping Tirschenreuth stellen das Programm vor. Seine Erfolgsquote, gemessen an erfolgreich absolvierten Abschlussprüfungen, liege derzeit bei 87 Prozent. Die Teilnehmer kommen aus 73 verschiedenen Ausbildungsberufen. Neben den Unterrichtsstunden finden auch Seminare, Fahrten und andere Freizeitveranstaltungen statt. In bis zu acht Unterrichtsstunden pro Woche wird Unterstützung geleistet. Hilfe wird auch in Form der sozialpädagogischen Betreuung geleistet. Bewerbungstraining, Seminare zum Abbau von Prüfungsängsten und Prüfungssimulation gehören ebenfalls zum Programm.

Auf die durch Digitalisierungsprozesse veränderten Ausbildungsinhalte habe man sich bei Kolping längst eingestellt. Auch E-Learning und Blended Learning in Anwesenheit des Dozenten gehören zum Angebot bei ABH. Über die positiven Ergebnisse der Zwischenbilanz freut man sich auch bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur Weiden. Von dort aus wird das Programm finanziert und werden die Teilnehmer gemeldet. „Wir können so dazu beitragen, dass die Zahl der erfolgreichen Lehrabschlussprüfungen deutlich weniger sinkt als die Zahl der Bewerber“, sagt Margot Salfetter, Teamleiterin der Berufsberatung in Weiden. Und sie appelliert an alle Arbeitgeber: „Wenn Sie Schwächen bei Ihren Auszubildenden sehen, wenden Sie sich doch bitte an uns.“ Je früher desto besser, meint Salfetter. ABH sei auch deshalb so wichtig und die angebotene Platzzahl dürfe nicht sinken, weil Auszubildende auch solche Berufe lernen, für die sie noch vor wenigen Jahren nicht eingestellt worden wären. ABH zählt neben berufsvorbereitenden Maßnahmen und der Einstiegsqualifizierung zu den wichtigsten Unterstützungsmaßnahmen der Arbeitsagentur für die duale Berufsausbildung, betont Salfetter.

 
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