18.10.2018 - 16:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gewerbeflächen gesucht

Eine Veranstaltung namens „Planungswerkstatt zur Flächennutzungsplan-Gesamtfortschreibung“ klingt nicht wie ein Straßenfeger. Dennoch wollte ein ganzer OTH-Hörsaal voller Weidener dabei sein.

Bürgermeister Jens Meyer begrüßt die Besucher der Planungswerkstatt zum Flächennutzungsplan. Im Hintergrund Vertreter von Dragomir Stadtplanung.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Es geht eben darum, wie die Stadt in Zukunft aussieht. Dazu muss der 30 Jahre alte Flächennutzungsplan fortgeschrieben werden. Bürger konnten Vorschläge machen. Das betrifft wichtige Vorentscheidungen über Wohn- und Gewerbeflächen, Schulen, Kitas, Freizeit- und Erholungsräume.

Bürgermeister Jens Meyer begrüßte die Teilnehmer im fast voll besetzten Hörsaal in der OTH. Grundlage der Diskussion waren Planungsunterlagen, die vom Stadtplanungsbüro Dragomir aus München und dem Partnerbüro ISR. Ingenieurin Bettina Gerlach stellte mit ihren Kollegen Planskizzen und Kernaussagen vor.

Flächennutzungspläne schaffen die rechtliche Grundlage für die Aufstellung von verbindlichen Bebauungsplänen. Die Bürgerideen sollen ab Mitte nächsten Jahres in Stadtratsbeschlüsse münden. Es geht um die vier Themenbereiche „Wohnen“, „Soziale Infrastruktur“, „Gewerbe“ sowie „Landschaft/Tourismus“.

Die Stadtplaner errechneten, dass Weiden bei einem angenommenen jährlichen Bevölkerungswachstum von 1,1 Prozent bis 2031 zusätzlich 3810 „Wohneinheiten“ mit jeweils zwischen 1,8 und 2,2 Einzelwohnungen benötigt. Der Weg dorthin soll über Nachverdichtung, Baulückenfüllung, Umstrukturierung und Neuausweisung führen.

Vorgeschlagen wurde auch der Ausbau von Kitas, unter anderem auch mit einem „Haus für Kinder“ in dem Krippe, Kindergarten und Hort integriert sind. Im Bereich Landschaft/Tourismus wird die „Stärkung der Grünzüge und Grünflächen" , ein „Wegenetz zur Stärkung des Fuß- und Radverkehrs“ sowie die „Ansiedlung von Freisportanlagen innerhalb des grünen Netzes“ empfohlen.

Detaillierte Berechnungen wurden über vorhandene Reserven in den bestehenden Industriegebieten vorgelegt. Danach gibt es zusammengerechnet noch 18,4 Hektar bebaubare Flächen. Ein zusammenhängendes Gewerbegebiet sei nicht vorhanden. Als Bedarf in den nächsten Jahren errechneten die Experten 39,6 Hektar. In einem Empfehlungskatalog raten sie unter anderem, den Einsatz der vorhandenen Potenziale und eine „Nutzung von West IV im Kontext einer zukunftsorientierten Wirtschaftsförderpolitik“. Wörtlich hieß das: „West IV macht technisch Sinn.“

Viele Vorschläge, viele Diskussionen:

Nach den Experten waren die Bürger an der Reihe. An Themeninseln mit großen Skizzen sahen sich viele vor allem ihren persönlichen Wohn- und Umgebungsbereich an. Etwa die Anwohner der hinteren Mooslohstraße. „Jeder denkt, wir sind ein Wohngebiet, aber nein, wir gelten derzeit als Mischgebiet,“ sagte dazu Bertold Gutermuth.

Das Verkehrsaufkommen sei unerträglich. Gefordert wurde deshalb am Abend, dass der neue Flächennutzungsplan diesen Straßenabschnitt als Wohngebiet ausweist, denn „von der Bebauung in den 30er Jahren bis heute sind wir ein reines Wohngebiet“ sagte der Anwohner. Bewohner des Fichtenbühls forderten eine durchgehende Verbindung der Thomastraße mit anderen Straßen, weil „Schneeräumer, Müllfahrzeuge und andere dann nicht mehr wenden müssen“.

„Wo ist der Plan zum Flächenrecycling, zum Beispiel des alten Volksfestplatzes?“ fragte ein anderer. Einige hegen Zweifel am Bevölkerungswachstum. „Warum so viel Verdichtung und Neuausweisung?“, fragte ein Teilnehmer. Forderungen gab es auch nach einem neuen Friedhof, nach der Verlängerung der Süd-Ost-Tangente, nach einem Überbau des Friedhofs- sowie des SpVgg-Parkplatzes und nach einem barrierefreien beidseitigen Bahnhofszugang.

Heiß ging es an der Informationsinsel "Gewerbegebiete" her. Nicht alle waren von dem im Expertenvortrag festgestellten Flächenbedarf überzeugt. „Im Landkreis Neustadt gibt es bereits über 500 Hektar erschlossenes Gewerbegebiet“, stellte ein Besucher fest. „Der Flugplatz wäre ein ideales Gewerbegebiet.“Auch wurde ein „Nachholbedarf an sozialer Infrastruktur, zum Beispiel durch Wirtshäuser“ für Neunkirchen diagnostiziert. Alle Vorschläge sollen veröffentlicht werden, versprach Baudezernent Oliver Seidel und kündigte als nächsten Schritt die politische Diskussion zum Flächennutzungsplan an.

Diskussionen an den Schautafeln der Planungswerkstatt zum Flächennutzungsplan.
Es geht um jede Straße und alle Plätze.
Vielgefragter Mann bei der Planungswerkstatt ist Baudezernent Oliver Seidel.

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