11.12.2019 - 16:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gräber auf dem Stadtfriedhof verwüstet: Vandalismus, Katzenkrieg oder Notfall?

Gestecke auf dem Boden und der Bereich rechts vom Haupteingang verunstaltet. Als ein Weidener auf dem Stadtfriedhof sein Elterngrab besucht, traut er seinen Augen kaum. Er fragt sich: Wie konnte das passieren?

"Alles runter geschmissen", stellt der Weidener Thomas Färber fest, als er auf einige Gräber auf dem Stadtfriedhof Weiden blickt.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Vergangene Woche macht Thomas Färber auf dem Stadtfriedhof eine Entdeckung, die ihn nachdenklich stimmt. Etliche Gräber sind verwüstet, auch das Elterngrab ist betroffen. "Alles, was lose war, war runtergeschmissen", berichtet er Oberpfalz-Medien. Betroffen sei das Gräberfeld beim Zebrastreifen gegenüber der Palliativstation des Klinikums. Sofort verständigt er den Friedhofswärter und meldet die Schäden der Polizei. Sein erster Eindruck: Vandalismus.

Doch wer tut so etwas? Einige Grübeleien später meint Färber, die Verwüstungen könnten auch Rettungshubschrauber verursacht haben, die auf dem neuen Platz am Dach des Klinikgebäudes landeten und diesen "in geringer Höhe über das betroffene Gräberfeld" hinweg anflögen. Er fragt: "Kann es möglich sein, dass durch die Luftwirbel der Rotoren die Grabgestecke verweht werden?" Oder waren es vielleicht "die großen Militärhubschrauber", die von Zeit zu Zeit auf dem Krankenhaus landen?

Waren es Helikopter?

Menschen haben das jedenfalls nicht getan, legt sich ein Friedhofsarbeiter, der die Schäden selbst gesehen hat, fest. Wahrscheinlicher sei, dass es Tiere waren. Hasen oder Katzen, die miteinander gerauft und dabei alles durcheinander gebracht hätten. Polizeihauptmeister Mario Schieder sagt jedoch, es gibt keinerlei Spuren, die auf Tiere hinweisen. Auch Vandalismus schließt er aus. Die Polizei habe mit einigen Geschädigten Kontakt aufgenommen. Keiner von ihnen habe eine Anzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. Am Ende sei "alles halb so wild" gewesen. Dennoch waren die Gräber verunstaltet. Schieder vermutet: "Wahrscheinlich waren es Helikopter." Das sei "die plausibelste Vermutung".

In Ausnahmefällen über Friedhof

Martin Anz, Pilot der Weidener Luftrettung, erklärt, dass die Hubschrauber den Landeplatz "normalerweise parallel zum Friedhof und zur Altstadt" über das Klinikum hinweg anflögen. Nur in Ausnahmefällen überquerten sie den Friedhof, nämlich dann, "wenn der Wind sehr straff aus südwestlicher Richtung kommt". Das liege daran, dass ein Landeplatz gegen die Windrichtung angeflogen werden müsse. Dann sei es bei starkem Wind "grundsätzlich möglich" und "nicht unrealistisch", dass Hubschrauber auch einmal Laub und Blätter aufwirbelten.

Bei größeren verwehten Gegenständen wie Kränzen tippe er jedoch eher "auf die Grafenwöhrer", die mit ihren Black Hawks beim Klinikum Probeanflüge machen, sagt Anz. Während "die kleinen Rettungshubschrauber vollgetankt nur 2,9 Tonnen" wiegen, kämen die Black Hawks auf rund neun Tonnen: "Da kommt schon ein Haufen Wind raus."

Susanne Bartsch, Pressesprecherin der US-Armee in Grafenwöhr, widerspricht. Die Amerikaner seien es nicht gewesen. Trainingsflüge für Nachwuchspiloten gebe es nur im Sommer, und Evakuierungsflüge nach Trainingsunfällen auf dem Truppenübungsplatz habe es vergangene Woche nicht gegeben. "Damit sind wir raus."

Landeplatz mit Bedacht gewählt

Letztlich sei es eine Prioritätenfrage, sagt Pilot Anz. "Wenn wir einen Notfall haben, dann muss es schnell gehen. Dann muss der Notfall aufs Dach." Ist der Standort für den Landeplatz vielleicht ungeeignet, weil er neben dem Friedhof liegt? Klinikensprecher Michael Reindl betont, der Standort sei "mit Bedacht" gewählt worden.

Zum einen sei es eine statische Frage gewesen. Da die Plattform ein Leergewicht von 84 Tonnen habe, sei es nicht möglich gewesen, diese auf einem bereits bestehenden Gebäude anzubringen. Auf dem jetzigen Standort stehe sie fest auf Stützen. Zudem seien von der Plattform aus Notaufnahme und Schockräume in kürzester Zeit erreichbar. Außerdem sei so die Anbindung an schnelle, diagnostische Möglichkeiten gewährleistet.

Kommentar:

Gräber sicher und mit Bedacht schmücken

Der Stadtfriedhof ist ein Ort der Ruhe. Umgeben von Zäunen und Mauern bildet er einen abgeschlossenen Raum, in dem Menschen der Verstorbenen gedenken. Was geht einem durch den Kopf, wenn man sein Elterngrab besucht und dieses verwüstet vorfindet? Einen Leser haben die Eindrücke nachdenklich gestimmt.
Glücklicherweise scheint ihn sein erster Eindruck getäuscht zu haben. Es gibt keinerlei Hinweise auf Vandalismus, betont die Polizei. Vielmehr gehen Vermutungen dahin, dass Hubschrauber beim Anflug zum Klinikum lose Gegenstände durcheinander wirbelten. Das ist nicht schön, aber nicht zu vermeiden. Denn obwohl Helikopter üblicherweise eine andere Route nehmen, kann es unter Umständen nötig sein, das Klinikum über den Friedhof anzufliegen. Piloten dürfen da nicht zögern. Im Notfall muss es schnell gehen.
Doch welche Lösung bietet sich? Die pragmatischste dürfte sein, die Gräber mit Bedacht mit Dingen zu schmücken, die nicht so leicht davon fliegen: Betonschalen sollen in Mode sein.

Wolfgang Fuchs

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