10.11.2020 - 18:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grippe: Nachschub an Impfstoff in acht Tagen

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Die Kühlschränke der Praxen und Apotheken sind leer. Es gibt derzeit kaum noch Grippe-Impfstoffe. Alles wartet auf Nachschub und der soll nun endlich auch kommen. Apotheker-Sprecher Andreas Biebl nennt eine besondere Quelle.

In der nächsten Woche soll neuer Impfstoff gegen Grippe in die Region geliefert werden.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Über fünf Millionen Impfstoff-Dosen sollen in der 47. Kalender-Woche über die ganze Republik verteilt werden und damit den "Notstand" beheben. Dies kündigte der Branchendienst Apotheke adhoc durch seine Mitteilung vom 9. November an, sagt Andreas Biebl (Mohren-Apotheke), der Sprecher der Weidener Apotheker. Dieser Nachschub sei nur möglich, weil der Impfstoff eigentlich für den französischen Markt bestimmt war. "Jede Charge muss vom Paul-Ehrlich-Institut freigegeben werden. Wir haben sehr hohe Qualitätsstandards." Der Impfstoff sei "unterwegs". Wann er jedoch auch in der Region ankomme, sei allerdings noch offen. "Da kann ja nicht alles gleich ausgeliefert werden."

Etwas Geduld erbeten

Rund 25 Millionen Impfstoffdosen waren im Frühjahr geordert worden. Aus langjähriger Erfahrung ist dies die Menge, die für das gesamte Jahr mehr als ausreicht. "Es gibt in der Bevölkerung nur eine gewisse Impfbereitschaft", erklärt Biebl. Nicht zuletzt durch Corona und den medienwirksamen Einsatz von Gesundheitsminister Jens Spahn explodierte die Nachfrage nach Grippeschutz. Spahns Auftritt und der Appell, dass sich nicht nur Risikogruppen piksen lassen sollten, zeigen eine ungeahnte Wirkung. "Das war eigentlich unüberlegt, die Zahlen bei den Impfungen und beim Impfstoff-Bedarf haben sich verschoben." Die Ärzte hätten innerhalb kurzer Zeit ihre Vorräte für das ganze Jahr "verimpft", meint Biebl.

Aufgrund des aufwendigen und zeitintensiven Produktionsverfahrens lasse sich das Serum aber nicht schnell genug neu herstellen. "Das dauert seine Zeit." Die Zellkulturen würden auf Hühnereiweiß gezüchtet. "Das ist ein längeres Geschäft. Wir müssen jetzt erst mal auf die vorhandenen Bestände zurückgreifen können." Spahns Aussage, der Grippe-Impfstoff reiche für alle, sei daher "sehr optimistisch" gewesen. Auch für seine Apotheker-Kollegen bittet Biebl Ärzte und Patienten um etwas Geduld.

Auswirkung auf Corona

Dabei will Biebl keineswegs die Augen vor aktuellen Studien verschließen. Es scheint so zu sein, dass regelmäßig gegen Influenza Geimpfte bei einer Coronaerkrankung einen wesentlich milderen Krankheitsverlauf erleben. "Die Viren haben nichts miteinander zu tun. Mit der Grippe-Impfung wird das gesamte Immunsystem angeregt."

Klassische Erkältungen gebe es in diesem Jahr offenbar spürbar weniger, stellt Biebl fest. Mit dem schmuddeligen Herbstwetter beginne eigentlich die Saison der Atemwegserkrankungen, von denen derzeit noch nicht viel zu spüren sei. "Die Menschen sind eben vorsichtiger." Auch "Magen-Darm"-Erkrankungen seien abgeschwächt: Die durch Corona sensibilisierten Bürger achteten auf eine verbesserte Hygiene.

Fieber richtig messen

"Wir hoffen, sie kommen bald. Sie wären für uns eine große Entlastung und viele Sorgen los", sagt der Sport- und Allgemeinmediziner Dr. Matthias Loew, der 100 Dosen Impfstoff gegen Grippe bestellt hat. "Da wäre auch mein eigener Impfstoff dabei." Die Nachfrage nach Grippe-Impfstoff sei auch deshalb so hoch, weil viele merken, wie nah Corona sei und sich deshalb vor einer weiteren Infektion schützen wollten. "Bei uns sind ganze Familienverbände zur Schutzimpfung angetreten. Da ist es schwer, Nicht-Risiko-Patienten die Impfung zu verweigern." Für ihn nachvollziehbar sei auch Spahns Appell zur Grippeschutzimpfung. "Er will das Gesundheitssystem von Influenza-Erkrankten entlasten. Es hat schon mit Corona-Patienten viel zu tun.

Nicht jedes Halskratzen sei Corona, nicht jeder Husten Grippe. "Es gibt auch die ganz einfache Erkältung." Wichtig zur Unterscheidung sei es, das Fieber, besonders auch bei Kindern, richtig zu messen: "Nicht am Körper, sondern im Körper, nicht erst am Morgen oder Vormittag, sondern bereits am Abend, vor allem aber, bevor fiebersenkende Medikamente eingenommen werden."

Impfstoff-Engpass auch im Landkreis Tirschenreuth

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Hintergrund:

Impfpraxis

  • Nicht drängeln. Neuer Impfstoff ist erst im Laufe der 47. Kalenderwoche zu erwarten.
  • Keine Ansteckung. Durch die Impfung wird weder die Krankheit hervorgerufen, noch können Impfviren an Dritte weitergegeben werden.
  • Vordringlich. Vor allem die Risikogruppen sollten mit dem neuen Impfstoff versorgt werden, über 60-Jährige, Kranke, Schwangere, im medizinisch und pflegerischen Bereich tätige.
  • Noch Zeit. Die Influenza-Saison beginnt meist im Januar. Der Impfstoff braucht 14 Tage, um seine Schutzwirkung zu entfalten.
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