13.01.2022 - 18:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Großbrand in Schwarzenbach: "Zauberer vom Hexenberg" zieht nach Weiden

Dass es so schnell geht, hätten die neuen Mieter selber nicht gedacht. Die in Schwarzenbach ausgebrannte Firma "PM Events" dockt am Stockerhutweg an. Im Kielwasser hat sie Gewerbesteuer und 30 Arbeitsplätze.

In den Räumen des ehemaligen Reifen-Vergölst weht demnächst ein bisschen Zirkusluft. Die Unterhaltungskünstler von "PM Events" schlagen auf dem Gelände nahe der Europa-Berufsschule ihre Zelte auf.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Es ist keine acht Tage her, als an einem ganz gewöhnlichen Montagmittag die Existenz von Wolfgang Götz in Flammen aufging. Eine Lagerhalle am Ortsrand von Schwarzenbach brannte in wenigen Stunden nieder. Darin lagerte die gesamte Ausrüstung der Firma "PM Events", die Götz vor knapp 20 Jahren gegründet hat: Hüpfburgen, Bullriding-Simulatoren, Torwände, Ausrüstung für mobile Küchen, Kostüme und, und, und. Eben alles, was der "Zauberer vom Hexenberg" so braucht.

Eine gute Woche nach der Katastrophe kann der Schwarzenbacher schon wieder ein bisschen lachen. Eben hat er bei einer Betriebsversammlung seinen 30 festangestellten Mitarbeitern verkündet, dass er sie alle – "ein fantastisches Team, das sich für nichts zu schade ist" – behalten will. Die Gewerbeausfallversicherung bezahle die Löhne. Nach diesem Treffen wirkt die Truppe in ihren roten Daunenjacken entspannt, sogar bei der Besichtigung des Brandorts kommt dem einen oder der anderen ein galgenhumoristischer Kalauer aus.

Von Solidarität überwältigt

Was zur Stimmung beiträgt, ist das, was seit dem Feuer passiert ist. "Ich hätte das nie gedacht, das ist eine Solidarität wie bei einem Hochwasser", staunt Götz noch immer über die Hilfsbereitschaft. Die strömt "PM Events" aus jeder Richtung entgegen. "Ein Schulfreund, den ich 30 Jahre nicht mehr gesehen habe, schreibt mich über Facebook an, er könnte Urlaub nehmen und uns beim Aufräumen helfen. Mein Cousin aus Mannheim hat das auch gesagt, das ist wirklich toll," ist Götz gerührt. Feuerwehrleute, Nachbarn, Branchenkollegen – jeder bietet an, den Unterhaltungsdampfer wieder flott zu machen.

Götz' Marketingleiter Marcus "Lucky" Lukas ist daher voller Tatendrang: "Wir können wieder anfangen und Shows durchziehen, nicht zu 100 Prozent, aber es geht."

Dazu passt eine weitere Weichenstellung: Am Donnerstag unterzeichneten Götz und Lukas den Mietvertrag für ihr neues Domizil. "PM Events" ist ab Montag in Weiden zu Hause. Die Schwarzenbacher ziehen in das ehemalige Lager von "Reifen Vergölst" am Stockerhutweg. Die neue Halle bietet der Eventfirma ähnlich viel Platz wie die abgebrannte – rund 1000 Quadratmeter. Der Vorteil in Weiden sei aber die größere Höhe.

Die Stadt wird's freuen, denn neben den Arbeitsplätzen kommt auch ein Gewerbesteuerzahler. Der hat ausgerechnet im Pandemiejahr 2021 mit 1,3 Millionen Jahresumsatz das beste Ergebnis seiner Geschichte eingefahren, sagt Götz. Das ist vor allem den Einsätzen bei Supermarkt- und Möbelhauseröffnungen in ganz Deutschland mit zu verdanken, die unabhängig von der Pandemie möglich waren.

Apropos: Solange Covidvarianten Schrecken verbreiten, ist es auch zu verschmerzen, dass über 30 Hüpfburgen verbrannten. Götz: "Die werden in China gefertigt und haben über ein halbes Jahr Lieferzeit. Aber wegen Corona dürfen wir sowieso keine aufbauen."

Brandursache weiter offen

In der Zwischenzeit ist Schadensermittlung angesagt. Die ist nicht einfach für die Versicherungen, erklärt Lukas an einem Beispiel: "Wir haben 10 Kleinbusse und 20 Hänger, denen nichts passiert ist. Die Schlüssel sind aber alle in der Halle verbrannt. Wir haben auch die Sitzbänke ausgebaut und dort gelagert. Die sind jetzt kein Fall für die Brandschutz- sondern für die Kaskoversicherung."

Bis das alles bis zum letzten Schraubenzieher katalogisiert ist, kann es dauern. Fest steht allerdings, dass der geschätzte Schaden beim gesamten Dutzend Mieter in Schwarzenbach weit über zwei Millionen Euro liegt, erklärt Werner Stopfer. Der Leiter der Polizei in Eschenbach hatte am Dienstag drei Sachverständige zu Gast, die die Brandursache in Schwarzenbach untersuchen. Bis sie Näheres sagen können, dürfte es noch ein bis zwei Wochen dauern.

Wahrscheinlich ist weiterhin, dass das Feuer ausgebrochen ist, als eine Fremdfirma eine alte Farbmisch- und Lackieranlage aus den Räumen von "PM Events" ausbauen wollte. Die Maschine stand noch aus Zeiten, als an gleicher Stelle vor 30 bis 40 Jahren ein Möbelhersteller Inventar für Kinderzimmer schreinerte.

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Was ist alles verbrannt? Wolfgang Götz (rechts) und Marcus Lukas tun sich schwer mit dieser Frage.

""Ich hätte das nie gedacht, das ist eine Solidarität wie bei einem Hochwasser."

Wolfgang Götz, Geschäftsführer von

Wolfgang Götz, Geschäftsführer von "PM Events"

 

 

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