27.02.2020 - 11:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grüne Seitenhiebe am Aschermittwoch

Gegen die "Groko" in Weiden, fehlenden Klimaschutz und die Kandidaten für den Chefsessel im Rathaus. Die Grünen ledern beim politischen Aschermittwoch kräftig ab. Landtagsabgeordnete Sengl zeigt Perspektiven auf.

Landtagsabgeordnete Gisela Sengl referiert zum Thema „Artenvielfalt und Landwirtschaft“.
von Redaktion ONETZProfil

Klare Schlagworte zu den politischen Gegnern mit einer Bestandsaufnahme der Kommunalpolitik der letzten Jahre sowie ein agrarpolitisches Referat – so stellte sich der Politische Aschermittwoch heraus, zu dem der Kreisverband von „Bündnis90/Die Grünen“ eingeladen hatte. Kreissprecherin und Stadträtin Gisela Helgath begrüßte dazu im Spargelhof Brunner in Neubau über 40 Zuhörer und besonders Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, OB-Kandidatin Sonja Schuhmacher und den Biolandwirt Josef Schmidt vom KV Tirschenreuth.

In ihrer Analyse bemängelte Helgath, dass in Weiden wenig bis gar nichts für den Klimaschutz gemacht wurde. Auch vernünftige Verkehrsführungen seien eine Fehlanzeige. Eingehend auf die Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl stellte sie fest, dass Meyer zwölf Jahre bei dem mitgemacht habe, was die große Koalition aus SPD und CSU in der Stadt ausheckte: eine Karriere von der Grenzlandförderung zur Stabilisierungshilfe.

Zeitler sei ein unbeschriebenes Blatt und was er bringe, wisse man nicht – genauso wie einst von Kurt Seggewiß, der auch nicht im Stadtrat war und mit dem dann keine grünen Ziele durchzusetzen waren. Skutella attestierte sie, ein sympathischer Mensch zu sein, aber leider bei der Partei, die mit der CDU die AfD fast salonfähig gemacht hätte. Die Bürgerliste bezeichnete Helgath als Wirtschaftszweig der CSU, in dem sich Bauunternehmer, Steuerberater und Chefarzt einen eigenen Verein leisten würden, der argumentiere, wie es gerade passe.

Sonja Schuhmacher sei seit langem im Naturschutz und bei den Grünen engagiert – man denke nur an den Kampf gegen den unrechtmäßig erbauten Festplatz, der nach Seggewiß benannt werden sollte – und setze sich für den Walderhalt in Weiden-West ein. Grün sei die zukunftsfähige Politik in der Stadt. Dies bekräftigte Schuhmacher mit einigen ihrer Ziele: die Stadt wieder lebendig machen durch weniger Verkehr und Autos, durch mehr Radwege sowie Bänke und Blumenkästen in den Straßen, mehr Bäume in einer sich aufheizenden Stadt, regionale und ökologisch erzeugte Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung.

Landtagsabgeordnete Sengl, Biohofbäuerin im Kreis Traunstein, machte in ihrem Referat zum Thema „Artenvielfalt und Landwirtschaft – Hand in Hand“ klar, dass sich um die 50 Prozent aller Treibhausgasemissionen auf die industrielle Lebensmittelproduktion zurückführen lassen. Bei einem Selbstversorgungsgrad bei Milch von 159 Prozent und bei Käse von 333 Prozent in Bayern würde für den Export produziert, doch die den Boden überdüngende Gülle bleibe da. Der weltweite Fleischverzehr verdreifachte sich laut Sengl in den letzten 45 Jahren. In der Tierhaltung der konventionellen Landwirtschaft lassen industrialisierte Prozesse wenig Platz für Leben, werden die Tiere der Haltung angepasst und nicht umgekehrt.

Auf den Feldern kollabieren durch den von Pestiziden hervorgerufenen Insektenschwund die Ökosysteme. Daher sei der richtige Weg eine klima- und umweltpositive Landwirtschaft, auch wenn nicht jeder Biobauer werden müsse. Sengl forderte einen echten Systemwechsel in der Agrarpolitik: Nicht für den Flächenbesitz, sondern für ökologische Leistungen, für nachhaltig wirtschaftende Betriebe, die ihre Verantwortung für Tiere, Klima, Artenvielfalt, Wasser- und Bodengesundheit und gesunde Lebensmittel optimal wahrnehmen, sollten Zahlungen aus der EU fließen. Wer konventionell wirtschaften wolle, solle es tun, aber ohne Steuergelder. Eine Stellschraube sei dabei die Verwendung von regionalen und biologischen Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung bei umweltorientierter Beschaffung und ökologischer Landwirtschaft. Maßnahmen dazu wären mehr Ernährungsbildung mit Spaß am Anbauen, Ernten und Kochen in Kitas und Schulen, eine Förderung der Wertschöpfungsketten für mehr Bio-Erzeugung überall in Bayern, ein Förderprogramm für Bio-Regio in Kantinen sowie feste Quoten und entsprechende Vergaberichtlinien für die staatliche Gemeinschaftsverpflegung. Dazu machte Biolandwirt Schmidt abschließend von seinen Erfahrungen geprägte Erläuterungen und bezeichnete „Grün“ als die Partei für die Bauern.

OB-Kandidatin Sonja Schuhmacher will Weiden wieder lebendiger machen.
Gisela Helgath spart nicht mit Kritik an der "Groko" in Weiden.
Landtagsabgeordnete Gisela Sengl referiert zum Thema „Artenvielfalt und Landwirtschaft“.
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