Wenn es bei Familientreffen, Essen mit alten Bekanntschaften oder ähnlichen Anlässen darum geht, wie abgedreht der Sohnemann von Zeit zu Zeit war und ist, packt meine Frau Mama gerne mal diese Geschichte aus: Nämlich dass ich mir mit 15 Jahren von einem Tag auf den anderen die Haare raspelkurz rasierte, weil mein persönlicher Jazz-Piano-Gott Esbjörn Svensson - seines Zeichens stolzer Minimalhaupthaarträger - urplötzlich nach einem Tauchunfall aus dem Leben schied. Shave-off als Zeichen der Anteilnahme quasi.
Und yes, mitten der Lebensphase, in der sich Kids heutzutage dicke Trap-Beats auf die Ohren und überteuerte Markenkleidung auf die insta-optimierten Bodys schnallen, habe ich die Liebe zum Jazz entdeckt und bin diesem seither auch nicht untreu geworden. Leute, hört mehr Jazz! Nicht nur den, den euch die Jazz-Polizei als solchen verkaufen will. Sondern den Jazz, der maßgeblich zur musikalischen Diversität der Jetztzeit beiträgt. Künstler*innen wie Ariana Grande oder Kendrick Lamar kommen nicht mehr aus ohne Über-Bands wie Badbadnotgood oder den Über-Künstler Thundercat, um nur zwei Beispiele zu nennen. Sei es als Performing oder Producing Artists. Es gäbe noch so viel mehr darüber zu erzählen, aber bis dahin empfehle ich euch die Playlist zur Kolumne. (zu finden unter spoti.fi/3GVcRNK)
Tipp #1
Am 18. November gastiert das Omer Klein Trio im Jazzclub "Leerer Beutel" in Regensburg und damit einer der etabliertesten Piano-Boys der israelischen Jazzwelt. Wenn ich mich für einen Teil der Erde entscheiden müsste, in dem ich Jazzer von Gottes Gnaden sein dürfte, dann im gelobten Jazzland Israel. Mit Omer Klein gastiert ein Künstler in der Domstadt, der den Sound einer ganzen Pianisten-Generation aus diesem Teil der Erde mitprägt. Modern, intensiv, mitunter melancholisch. Wunderbar.
Tipp #2
Weg vom klassischen Jazz-Trio hin zu einer Künstlerin, die man nicht direkt in die jazzige Ecke packt, dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass ihr Sound unmittelbar mit Mechanismen, Harmonien und der Feinfühligkeit aus der Welt des Real Books zusammenhängt. Ich liebe sie: Alice Phoebe Lou aus Südafrika. In Berlin lebend und am Dienstag, 9. November, in Prag gastierend. Definitiv einen Ausflug wert! Lukas Höllerer kümmert sich darum, dass kein Geheimtipp mehr geheim bleibt. Der 28-Jährige lebt in Weiden und tobt sich immerzu kulturell aus - als Veranstalter, Tonmann oder Musiker. Immer auf der Jagd nach neuen, spannende Sounds.
Lukas Höllerer
- 28 Jahre alt, lebt in Weiden und träumt seit der Kindheit von lauten Bässen, hellen Lichtern und seiner Lieblingsband „The Notwist“
- Tobt sich immerzu kulturell aus, sei es als Veranstalter, Tonmann oder Musiker
- Immer auf der Jagd nach neuen, spannenden Sounds. Egal ob am Schafferhof, bei den Projekten des "sündikat e.V." oder auf, vor oder hinter irgendwelchen Bühnen zwischen Köln und Korea





















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.