02.08.2018 - 18:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gucken, wo's brennt: Flug mit der Waldbrandluftbeobachtung

Waldbrandgefahr: höchste Alarmstufe. Das setzt das Team der Luftrettungsstaffel am Stützpunkt Weiden-Latsch unter Stress. Die Männer müssen abheben, Wälder und Felder auf Brände kontrollieren. Dafür opfern sie ihre Arbeits- und Freizeit.

von Sonja Kaute Kontakt Profil

(jak) Wenn der Waldbrand-Index Rot zeigt, wird am Wochenende geflogen. Ist die Region wie in diesen Tagen violett markiert, heißt das höchste Waldbrandgefahr und das Team der Luftrettungsstaffel fliegt auch an den Tagen, an denen die Männer normalerweise ihrem Hauptberuf nachgehen müssen oder ihre Freizeit genießen. Bis mindestens Montag starten sie täglich um 13 und um 18 Uhr. Am Mittwochabend steuert Berufspilot und Fluglehrer Markus Klemm die Cessna. Josef Kres, Kreisbrandinspektor a. D., ist sein Luftbeobachter. Klemm ist erst vor einer Stunde gelandet. Bei Theisseil hatte es einen kleinen Feldbrand gegeben. Oft werden solche Brände durch heißgelaufene Katalysatoren an Fahrzeugen ausgelöst.

"Der Pilot kümmert sich ums Fliegen und der Sepp schaut mit raus", erklärt der 41-jährige Steuerer die Rollenverteilung. Geflogen wird ohne Flugleiter am Boden. Deshalb muss der Pilot Ausschau nach anderen Luftfahrzeugen halten. "Vor allem am Wochenende ist ganz schön was los." Josef Kres erklärt, was er tut: "Man schaut in die Ferne, ob man was rauchen sieht. Das ist schwer zu erkennen." Als unter dem Flieger ein Zeltlager auftaucht, schaut er konzentriert runter, "wegen der Grillplätze".

Da es geregnet hat, steigt über Waldstücken Dunst auf. Auch auf einigen Feldern scheint es zu rauchen. "Es sieht aus wie Rauch, ist aber Staub, der von der landwirtschaftlichen Arbeit aufgewirbelt wird. Da kann man schon denken, da brennt irgendwas", erzählt der Mann am Steuer. Hinter der tschechischen Grenze ist tatsächlich eine Rauchsäule zu erkennen: Dort brennt eine rund 15 Hektar große Fläche. Wird in Deutschland ein Feuer entdeckt, melden es die Luftbeobachter an die Integrierte Leitstelle, die die Feuerwehr informiert. Aus der Luft wird dieser geholfen, den Brand zu finden.

Klemm fliegt eine steile 360-Grad-Runde über dem Firmengelände der Kartonagenfabrik Liebenstein in Plößberg. Der Magen meldet sich. Als die Sonne rauskommt, fängt der Flieger zu ruckeln an: "Das ist wie ein kochender Wassertopf, wenn die Sonne reinknallt", beschreibt Klemm die Wirkung der Thermik. Das flaue Gefühl bleibt. Das kennt auch der Luftbeobachter: "Wenn man einen Brand sieht, und man muss auf die Karte gucken, dann wird einem schon mulmig." Mulmig wird es den Männern auch bei dem Gedanken, das trockene Wetter könnte noch anhalten. "Das wird richtig Stress für uns", sagt Günter Zagel, Leiter des Stützpunktes Weiden-Latsch.

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