21.02.2020 - 15:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Günter Grünwald in Max-Reger-Halle: Von Tierärzten und Klosterschwestern

Günter Grünwald begeistert mit seinem "Definitiv vielleicht"-Programm 900 Besucher in der Max-Reger-Halle.

von Helmut KunzProfil

Aufgepasst, Zugabe: Wie Astrophysiker Harald Lesch kürzlich im Fernsehen berichtet habe, hätten neueste Berechnungen ergeben, dass Weiden der Mittelpunkt des Weltalls sei. „Und morgen werde ich in Regensburg den gleichen Scheißdreck erzählen.“ Ein typischer Grünwald. Erst auf liebevollen Schelm machen, dann Vulgarismen hinterherjagen und deftige Watschn verteilen.

Der Ingolstädter Günter Grünwald besucht am Donnerstagabend die ausverkaufte Max-Reger-Halle. Und jeder im Saal weiß, worauf er sich einlässt. Auf einen kleinbürgerlichen Säuerling, der manchmal auch ein rechter Hallodri sein kann und dann das Florett blitzschnell gegen den Zweihänder eintauscht. „Ich kann nicht viel, aber eines kann ich: Die Menschen schwindelig quatschen.“

Der 63-jährige rümpft die Nase. Nein, einen Hausarzt hat er nicht. „Ich geh zum Tierarzt.“ Vorteil: Keine Wartezeiten. Und wenn sich wirklich mal einer mit seiner Katze vordrängt, wir das Kätzchen kurzerhand weggekickt. Bis das wiedergefunden wird, hat er sich längst gegen die Mauser behandeln lassen. „Seither ist mir keine einzige Feder mehr ausgegangen.“ Für ein eigenes Medizinstudium hat’s leider nicht gereicht. „Die wollten den Numerus Clausus nicht auf 5,9 anheben.“

Das neue Programm heißt „Definitiv vielleicht“. Und der Titel wurde ihm quasi auf dem Silbertablett serviert. Ein Freund hatte weiland auf Grünwalds Geburtstagseinladung zum 60. wie folgt reagiert: „Mensch Günter, vielen Dank für die Einladung, ich komme definitiv vielleicht.“

Grünwald plaudert über seine Kochleidenschaft, die er von der Oma geerbt hat. "Anfangs hat’s genauso greislich g’schmeckt wie bei ihr." Inzwischen koche er meisterhaft und streng nach Rezept. Eine Zutat weglassen, damit es besser schmeckt? Niemals. „Ja, Zefick. Der Mann denkt sich doch was dabei, wenn er sein Rezeptbuch schreibt. Das ist ein Künstler“, brüllt er da los. "Das wär ja so, als würde man der Mona Lisa einen Schnauzbart hinmalen, nur weil einem ihre saudumme Fresse nicht gefällt."

Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die Grünwald sammelt. Mit der Gattin geht er aus zum Essen. Sie täuscht keinen Hunger vor, bestellt nur ein winziges Häppchen, das ratzepuzz vertilgt wird. Er: Große Pizza, nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten genau abgestimmt auf seinen Appetit. „Kein Biss zu viel und kein Biss zu wenig.“ Dann sie: „Kann ich noch was von deiner Pizza haben?“

Grünwald weiß nur zu gut, dass er Menschen porträtiert, die ihm täglich über den Weg laufen. Menschen, die im Publikum sitzen und ihm zujubeln. Gerade in dieser Tatsache liegt der Witz des Günter Grünwald, der den ganz normalen Wahnsinn gestenreich und mit viel Mimik unterstreicht. Seine Geschichten müssen nicht auf eine Pointe zulaufen.

Grünwald plustert sich auf, stapelt hoch und gibt klein bei. Weil es zur Kampfbomberpilot-Lizenz nicht reicht, macht er den Mofa-Führerschein. Einem leicht verletzten Unfallopfer reißt er beim Lösen des Motorradhelms den Kopf vom Hals, schiebt sein eigenes Ungeschick aber einem zufällig vorbeikommenden Autofahrer in die Schuhe.

Egal ob die Tante im OP-Saal entkernt wird oder Grünwald und Onkel Hans einen Afghanistan-Urlaub mit eingeschlossener Entführung buchen: Die Stimmung bricht nie ab. Selbst die Beschreibung, wie der besoffene Onkel Hans den Ober-Taliban in den Märtyrer-Selbstmord quasselt, garantiert Unterhaltung. „Was passiert, wenn die 72 Jungfrauen, die im Himmel auf ihn warten, 95-jährige Klosterschwestern sind?" Dem bleibt nichts mehr hinzuzufügen.

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