19.07.2018 - 19:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Das hätte Günter Zwack nie gedacht

Günter Zwack feiert 85. Geburtstag.
von Volker Klitzing Kontakt Profil

(vok) "Es geht scho'", antwortet er auf die Frage nach seinem Gesundheitszustand. Doch seine Stimme am Telefon klingt meist etwas brüchig. Und mit dem Gehen hat er so seine Probleme. Schmerzen an der Wirbelsäule begleiten ihn. Günter Zwack, so sagt er, lebt seit sechs Wochen in einem Alten- und Pflegeheim in Plauen. Auf Empfehlung von Pflegekräften bei einer Reha-Maßnahme sei er dort gelandet. Aber er will wieder zurück. Und dann merkt man ihn doch, den berühmten Schalk im Nacken, für den Zwack so bekannt war. In Plauen sei nichts los, Weiden sei interessanter. "Da gibt es die Gerüchte und Meldungen." Für die hat er früher oft selbst gesorgt.
Am Samstag wird er, der 32 Jahre Bürgermeister in Weiden war, 85 Jahre alt. "Ich hätte nie gedacht, dass ich so alt werd'", sagt er. "Und jetzt werd' ich's." Und er hofft, dass der eine oder andere zum Gratulieren kommt. Das würde ihm gut tun. Denn: Er fühlt sich "nicht mehr so gut." Dabei wollte er "nicht alt werden, nur lang leben". Und das an der Seite von Ehefrau Anneliese und Sohn Georg, der als Lehrer Karriere gemacht hat.
Günter Zwack: Die Weidener kennen ihn aus seiner aktiven Zeit anders. Ihm sei kein Zweiter bekannt, so Walter Leupold vor 18 Jahren bei einem Ehrenabend, der "so höflich und freundlich durch die Stadt geht". Der Name steht für Erfolg. Von 1966 bis 2008 gehört er dem Stadtrat an, davon 32 Jahre als zweiter Bürgermeister. 15 Jahre führte er die Weidener CSU, danach ab 1987 als Ehrenkreisvorsitzender. Es waren die Zeiten, in denen die Stadt ihre rasanteste Entwicklung nahm und Gustl Lang am Kabinettstisch in München saß. Oft arbeitete der schlitzohrige Zwack im Hintergrund. Launige Reden zu halten, entsprach nicht seinem Naturell. Er war der Strippenzieher und auch Querdenker, evangelisch getauft, ein Wirtschaftsliberaler, der es auch gut mit Gewerkschaftern wie Alois Wolfram konnte.
1976 stand Zwack vor seiner schwersten Entscheidung. Eine reizvolle Aufgabe, über die er lange, lange nachdenken musste. Er hätte Oberbürgermeister werden können. Seinen Verzicht begründete er später mit wirtschaftlicher Vernunft. Er hätte seine Autofirma aufgeben müssen, die er in dritter Generation leitete. Hier nicht loslassen zu können, führte am Ende, vor 13 Jahren, in die Insolvenz. Seine größte Enttäuschung.
Legendär sind Zwacks Auseinandersetzungen mit OB Hans Schröpf. "Ein- bis zweimal hab ich eine andere Meinung gehabt", umschreibt er den Sachverhalt im NT-Interview. So ließ er nach 100 Verletzten und einer Fast-Toten die WTW-Rutsche sperren, ohne den OB zu informieren. Und er kanzelte ihn wegen ungenügender Informationspolitik ab. Es dauerte einige Jahre, bis sie sich wieder angenähert hatten. "Wir haben dann auch wieder Händchen gegeben", sagte er im Jahr 2000.

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