28.12.2020 - 21:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Was hat sich 2020 getan bei Alex und Oberpfalzbahn?

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Der Alex sorgte in vergangenen Jahren immer wieder durch Ausfälle und Verspätung für Aufsehen. In diesem Jahr war es ruhiger um den Zug - aber was die Situation auch besser? Ein Überblick.

Die Oberpfalzbahn steht am Bahnhof Weiden.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Der Alex-Nord war im Jahr 2019 unpünktlicher als alle anderen Regionalzüge in Bayern. Dies geht aus einer Studie der Bayerischen Eisenbahngesellschaft für das vergangene Jahr hervor. Was hat sich 2020 getan bei Alex und Oberpfalzbahn, die beide von der Länderbahn mit Sitz in Viechtach betrieben werden?

Personal

Eine gute Nachricht: "Größere mehrmonatige Ausfälle sind zum Glück ... in letzter Zeit nicht mehr vorgekommen. Das bedeutet insgesamt bei der Oberpfalzbahn einen sehr stabilen Betrieb", lobt Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Die Oberpfalzbahn ist zwischen Regensburg und Hof bzw. dem Bayerischen Wald unterwegs. Der Alex-Nord verkehrt zwischen München und Hof sowie ab Schwandorf bis Prag.

Auch der Mangel an Lokführern schwindet. Seit 2019 kooperiert die Länderbahn mit der Lokführer-Schule in Serbien. 25 Fachkräfte pro Jahr wechseln nach ihrer Ausbildung zu Oberpfalzbahn und Alex-Nord, aber auch zu anderen Zügen der Länderbahn. "Einige fahren schon bei uns", weiß Länderbahn-Geschäftsführer Wolfgang Pollety. 25 neue Lokführer aus Serbien erwarte er auch für 2021. Zusätzlich bildet die Länderbahn Quereinsteiger in neun Monaten zu Lokführern aus. Insgesamt arbeiten bei dem Unternehmen 300 Lokführer.

Material

"Die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge lässt weiter zu wünschen übrig", urteilt Iffländer. Der Bundesvize von Pro Bahn, der aus Neunkirchen bei Weiden stammt, erhofft sich durch das Freiwerden von Fahrzeugen aus dem Netz des Alex-Süd mehr Reserven für den Alex-Nord. Dies bestätigt Pollety: Mehr Loks und Wagen für den Alex-Nord. Den Folgeauftrag des Alex-Süd hat die DB Regio gewonnen. Die Übernahme fand zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember statt. Die Süd-Spange des Alex hat damit vorerst zu existieren aufgehört - der Alex-Nord ist der einzige noch existierende Alex.

Infrastruktur

"Deutlich über 80 Prozent der Gründe, die den Betrieb des Alex verkomplizieren, haben wir nicht selbst in der Hand", verteidigt sich Pollety. Er erwähnt etwa die Infrastruktur, für die die DB Netz und der tschechische Infrastrukturbetreiber SZDC zuständig sind, sowie häufige Verspätungen durch Baustellen im Nachbarland. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) wiederum plant, finanziert und kontrolliert den Schienenpersonennahverkehr im Auftrag des Freistaats.

Ein Problem auf den Strecken, die der Alex-Nord bedient, sei ein 140 Kilometer langes, eingleisiges Stück zwischen Schwandorf und Pilsen, erläutert der Geschäftsführer. Auf dieser Strecke sind keine Begegnungen und keine Überholungen möglich. 0,8 Minuten Puffer habe ein Alex-Lokführer bei einem Halt. "Wenn zum Beispiel morgens zwei Fahrgäste mit Rollator einsteigen, hat der Zug während des ganzen Tages Verspätung." Der Alex-Verkehr "ist einer der kompliziertesten Verkehre in Deutschland".

Hinzu kommt das Verbinden und Trennen von Zugteilen in Schwandorf. Das Verfahren, dass die Züge in Schwandorf nach Hof und Prag geteilt werden, sei bis zur Neuvergabe 2023 festgelegt. "Danach soll der Verkehr auf zwei Linien, München-Hof und München-Prag, aufgeteilt werden, die sich zwischen Schwandorf und München auf einen Stundentakt ergänzen. An der Infrastruktur wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern", erläutert Iffländer.

Pollety sieht bei diesem Thema Fehler bei anderen: Für den Alex-Nord stünden ursprünglich 13 Minuten Rangierzeit am Bahnhof Schwandorf zur Verfügung. "Wenn aber nun in dieser Zeit ein RE ausfährt und die Rangierstrecke kreuzt, müssen wir leider warten." Währenddessen darf nicht rangiert werden. Für diesen Fahrplan könne die Länderbahn nichts.

Baustellen

Tschechien will die eingleisige Strecke Domazlice-Pilsen auf zwei Gleise ausbauen, inklusive 7 Kilometer langem Tunnel. Das bedeutet zunächst vermutlich noch mehr Einschränkungen. Nach Fertigstellung sollten die Probleme auf der Strecke aber deutlich zurückgehen. Im kommenden Jahr soll es zudem mehrere kleinere Baustellen geben, 2022 rechnet Pollety mit der Großbaustelle. Die Länderbahn arbeite mit der Tschechischen Bahn an Lösungen vor allem für Pendler.

Corona

Corona hat im Frühjahr vor allem der Oberpfalzbahn Probleme bereitet. Ihr Personal wurde für Hauptstrecken bereitgehalten, erinnert sich Pollety. Auf anderen Strecken der Oberpfalzbahn fuhren damals deutlich weniger Fahrzeuge. Das sei nun aber nicht mehr der Fall. Fahrgastbeschwerden

"Fahrgastbeschwerden sind fast auf null runtergegangen", freut sich Länderbahn-Geschäftsführer Pollety. Für Oberpfalzbahn und Alex-Nord habe die Länderbahn "deutlich besseres Feedback erhalten". Das zeige ihm, dass die Anstrengungen, die Angebote zu verbessern, richtig gewesen seien. Die Strafzahlungen, die das Unternehmen etwa bei Unpünktlichkeit oder Zugausfall an die BEG leisten muss, seien 2020 wesentlich niedriger gewesen als 2019. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Ein Artikel über das Qualitätsranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft

Schwandorf

 

 

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