30.10.2019 - 10:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Heiße Spur und kalte Schnauze

Er ist nervös, unruhig. Dabei wäre es einfach, die Strafe wegen des Reifenprofils zu akzeptieren. Aber er verstrickt sich in Widersprüche. Diskutiert mit den Polizisten. Auf die Frage nach Betäubungsmitteln reagiert er seltsam.

Besprechung am "mobilen Vollbüro". Die Polizeibeamten durchsuchen Autos, Lkws und Lieferwagen nach illegalen Substanzen.
von Laura Schertl Kontakt Profil

Eine dubiose Situation für die Beamten. Sie lassen den Drogenspürhund kommen. Zwei Stunden zuvor. Wer auf den Autobahnparkplatz Wittschauer Höhe auf der A6 Richtung Wernberg einbiegt, muss sich an einem Großaufgebot an Polizeiautos, Sprintern und vielen Beamten vorbeischieben. Noch passiert nichts. Doch die Polizisten sind fast fertig mit ihren Vorbereitungen. Hier beginnt um 13 Uhr der Großeinsatz Ostgrenze der Grenzpolizeidirektion mit Unterstützung durch die Bereitschaftspolizei. Insgesamt 19 Beamte sind an dem trüben Tag an der Großkontrolle beteiligt. Davon gibt es drei verschiedene Arten: Die Vollausleitung mit Vollkontrolle, bei der alle Fahrzeuge von der Autobahn geleitet und kontrolliert werden. Die Vollausleitung mit Selektion, bei der ein erfahrener Beamte mit geschultem Auge nur einzelne Fahrzeuge kontrollieren lässt. Und heute: eine teilstationäre Kontrolle, bei der Polizisten mobil auf der Autobahn unterwegs sind und Fahrzeuge selbst auf den Parkplatz ausleiten. Es dauert nicht lange bis ein dunkler BMW der Polizei mit einem Sprinter im Schlepptau von der Autobahn zurückkehrt. Darin eine Gruppe junger Männer aus Rumänien. Sie alle sprechen nur sehr gebrochen Deutsch. Die Beamten kontrollieren Papiere, Pässe und Führerschein. Sie lassen die ganze Gruppe aussteigen, jeder einzelne wird abgetastet. Taschen werden überprüft. Wer schon gecheckt wurde, soll sich abseits des Sprinters mit seiner Tasche hinstellen. Die Pässe werden weitergereicht zu dem weißen Transporter der Polizei. Dem Basis-KFZ.

Mobiles Vollbüro

Hier können die Beamten Dokumente prüfen, Daten abfragen, telefonieren. Auch Fax und Drucker sind dabei. „Das ist ein mobiles Vollbüro“, erklärt Stefan Moller. Er ist Dienststellenleiter und einer der Verantwortlichen für diesen Einsatz. Kontrollen wie diese finden unterschiedlich häufig statt. Sie können entweder selbst initiiert oder von der Dienststelle vorgegeben werden. Durchschnittlich finden solche Einsätze allerdings drei bis vier Mal im Monat statt, der Umfang variiert. Oft werden sie auch mit Bundespolizei und Zoll zusammengelegt.

Die jungen Männer aus Rumänien wurden inzwischen angewiesen, das gesamte Gepäck aus dem Sprinter zu räumen. Koffer um Koffer werden der Reihe nach auf dem Pflaster aufgestellt. Die Beamten öffnen einige davon, finden vor allem Unmengen an Keksen, Fleisch und Obst in Plastiktüten. Auch wenn es keine eindeutigen Anzeichen gibt: Das Gepäck soll routinemäßig auf Drogen geprüft werden. Das ruft den Beamten auf vier Pfoten auf den Plan. Der Drogenspürhund ist konzentriert, schon als er aus dem Auto springt. Auf das Kommando „Such“ hin schnüffelt er an jedem Koffer. Bei zwei Gepäckstücken schlägt er an, wenn auch nur leicht. Bei genauerer Durchsuchung können die Polizisten allerdings nichts entdecken.Das ist nicht untypisch. Erfreulicherweise finden die Beamten immer weniger Drogen. Doch noch in der Woche davor beschlagnahmten die Polizisten bei einer Vollausleitung 80 Gramm Marihuana. Normalerweise werden Drogen meistens auf dem Weg von Tschechien nach Deutschland entdeckt, in diesem Fall befand sich der Besitzer allerdings auf dem Weg ins Nachbarland. Eher ungewöhnlich.

Auch mit dem Verdacht auf Drogen hat der nächste Fall zu tun. Ein Sprinter aus Hamburg, ebenfalls mit einer Gruppe junger Männer. Sie kommen von einem Eishockeyspiel und werden scherzend mit den Worten „Ich hab das gesehen, ihr könnt nicht mehr sitzen“ aus dem Polizeiwagen empfangen. Die Stimmung ist locker. Der Fahrer des Wagens fällt durch gerötete Nase und Augen auf. Er ist aber nur erkältet, wie sich schnell herausstellt. Wegen der Party nach dem gewonnenen Spiel am Vortag muss der junge Mann allerdings in den Alkoholtester pusten – ohne Ergebnis. Auch die Taschenkontrolle ist unauffällig. Die Truppe darf schnell wieder weiterziehen, aber nicht ohne einen kurzen Plausch mit den Beamten. „So entspannt laufen glücklicherweise die meisten Kontrollen ab“, erzählt Stefan Moller.

Weniger entspannt ist der nächste Kandidat der Polizei. Ein junger Mann mit Diesel Jeans, Lackweste und Kappe ist den Beamten mit seinem Audi aufgefallen. Das Profil der Reifen ist zu weit abgefahren. Nachdem Stefan Moller die Strafe erklärt, könnte das Thema eigentlich wieder erledigt sein, doch der Fahrer hat scheinbar für alles eine Erklärung. Die Reifen seien wegen des Autos so abgefahren, neue Reifen seien schon bestellt und bald da. „Ich fahr ja nicht so rum“, wiederholt er immer wieder. Dass er gerade eben doch so rum gefahren ist, kommt nicht an. „Eigentlich dürfen Sie so gar nicht weiterfahren, nur direkt zur nächsten Werkstatt“, weißt Moller ihn zurecht. Doch auch das zeigt keine Wirkung. „Seid ihr die bayrische Polizei? Ihr macht immer so Strafen, so hart.“, sagt der junge Mann. „Die Reifen sind ja schon bestellt, da kann man schon mal ne Ausnahme machen.“ Die bekommt er aber nicht. Stattdessen fragt ihn Stefan Moller nach Betäubungsmitteln. Nach einer fahrigen, viel zu wortreichen Antwort, kommt wieder der Hund zum Einsatz.

„Ein Auto bietet Millionen Versteckmöglichkeiten“, erklärt Moller. Die Beamten fanden schon im Reifen von Fahrzeugen Drogen. Was passiert, wenn Betäubungsmittel gefunden werden, kommt auf den Fall an. Es wird unterschieden zwischen weichen und harten Drogen und der Menge. Nach diesen Kriterien wird dann entschieden, ob ein Haftantrag gestellt wird. Eine Strafanzeige bekommt der Besitzer der Drogen aber grundsätzlich. Allein der Staatsanwalt hat dann noch die Möglichkeit, die Anzeige einzustellen.

Hund auf Drogensuche

Im Audi ist in der Zwischenzeit der Hund auf Drogensuche. Er schlägt an. Zweimal. In der Mittelkonsole und auf dem Rücksitz. Einsatz für die Beamten. Mit Einweghandschuhen und speziellen Geräten durchsuchen sie jeden Winkel des Fahrzeugs und finden: Nichts. Sie müssen den gesprächigen jungen Mann ziehen lassen.

Als nächstes fällt den Polizisten ein Abschleppwagen auf. Das Fahrzeug wurde nachträglich abgelastet, es ist allerdings nicht ganz klar, wer und wann den Wagen so modifiziert hat. Für die Beamten Grund genug zur Annahme, dass der Wagen gestohlen sein könnte. Es folgt eine genaue Überprüfung und ein Telefonat mit dem Besitzer des Fahrzeugs. Der Verdacht bestätigt sich nicht.

Manuel Rosenmüller hingegen weiß, dass gerade hochklassige Fahrzeuge immer öfter gestohlen werden. „Es wird immer einfacher, gerade mit den Keyless Go Systemen“, erklärt der KFZ-Experte. Mit speziellen Geräten können Täter das Signal des Schlüssels an der Haustür des Opfers verstärken und damit das Auto problemlos öffnen. Bis das Auto das nächste Mal abgeschaltet wird, können Diebe es bewegen und einen neuen Schlüssel anmelden. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 18.000 Fahrzeuge gestohlen. Die Zahl ist zwar rückläufig, der Schaden wird allerdings immer höher, weil vor allem teure Autos gestohlen werden. Die Wagen werden entweder direkt zerlegt und als Ersatzteile verkauft oder mit der Identität eines völlig verunfallten Autos wieder angemeldet. An diesem Tag passiert nichts dergleichen. Es bleibt ruhig. Auch wenn das eher langweilig wirkt, freut sich Stefan Moller über den entspannten Verlauf. Wenig los heißt nämlich auch, dass es weniger Straftaten gibt. Oder: „Wenn man nix hat, ist die Welt in Ordnung.“

Info:

Ausbildung der bayerischen Landespolizei

Wer zur Grenzpolizei möchte, absolviert zuerst die Generalistenausbildung der bayerischen Landespolizei. Danach kann sich auf die entsprechende Dienststelle beworben werden. Eine zusätzliche Ausbildung ist nur bedarfsabhängig nötig. Das Meiste entwickelt sich in der Praxis.

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