11.11.2019 - 16:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Das sagt Susanne Popp zur Festschrift Herausgeberin Susanne Popp über Mauser-Festschrift

Susanne Popp ist eine der Herausgeberinnen der Festschrift für Siegfried Mauser. Im Interview äußert sich Popp, die bei den Weidener Max-Reger-Tagen mitwirkt, zum umstrittenen Buch für den Sexualstraftäter.

Susanne Popp ist eine der Herausgeberinnen der Festschrift für Siegfried Mauser.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Sie hat das Max-Reger-Institut in Karlsruhe geleitet und sitzt im wissenschaftlichen Beirat der Max-Reger-Tage in Weiden. Die 74-Jährige äußert sich zum umstrittenen Vorwort der Festschrift - auch wenn sie der Ansicht ist, dass ihre Meinung die Öffentlichkeit nicht interessieren sollte, wie sie betont.

ONETZ: Warum gibt es diese Festschrift?

Susanne Popp: Die Festschrift erfüllt den Zweck, die künstlerische und wissenschaftliche Lebensleistung Siegfried Mausers zu würdigen. Auch gilt sie dem genialen Vermittler, der sein Publikum jahrzehntelang auch an schwer verständliche Werke herangeführt hat. An diesen Verdiensten ändert sich durch das Gerichtsurteil nichts. Angesichts der Hassausbrüche in den sogenannten sozialen Medien, in denen vermeintlich kultivierte Menschen über Mauser und die Autoren der Festschrift herziehen, halte ich die Festschrift auch für dringend notwendig, um einer über das Gerichtsurteil weit hinausgehenden Selbstjustiz entgegen zu treten.

ONETZ: Das Vorwort klingt, als ob Sie Mausers Verurteilung nicht akzeptieren. Stimmt das?

Ein Urteil des höchsten Gerichts in Deutschland nicht anzuerkennen, steht mir nicht zu, und ich bin weder bei den beanstandeten Taten, noch bei den Gerichtsverhandlungen dabei gewesen. Allerdings bin ich nach über 30 Jahren, in denen ich Siegfried Mauser sehr gut kenne, davon überzeugt, dass er kein Gewalttäter ist.

ONETZ: Was denken Sie über die Klägerinnen?

Ich kenne die Klägerinnen nicht und will mich deshalb dazu nicht äußern. Nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit kann ich nur für mich sagen, dass es mir immer möglich war, meinen männlichen Kollegen deutlich zu machen, was ich wollte und was nicht. Belästigungen, zumindest in zivilisierter Umgebung mit anderen Personen in Rufweite, hätte ich daher vermeiden können. Natürlich muss man das unterscheiden von Situationen, in denen Frauen der Gewalt hilflos ausgesetzt sind.

ONETZ: Ist Deutschland prüder als es etwa Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre war? Wäre Mausers Verhalten damals ein Skandal gewesen?

Die pauschale Tendenz zur undifferenzierten Reduzierung von Frauen auf die Rolle wehrloser Opfer halte ich für einen gefährlichen Rückschritt in der Emanzipation. Diese Sorge wird von vielen emanzipierten Kolleginnen und Freundinnen geteilt.

Zum Bericht über das Vorwort und Machtmissbrauch in der Musikszene

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