Improvisationstheater ist Theater unter besonderen Bedingungen. Kein fertiger Text, kein festgelegter Ablauf, kein Abend wie der andere. Die Schauspielerinnen und Schauspieler betreten die Bühne mit einer Ausgangsidee, und alles Weitere entsteht im Moment. Das Publikum liefert die Vorgaben, gibt Themen, Orte, Gefühle vor und manchmal sogar das Ziel der Geschichte. Genau daraus bezieht das moderne Improtheater seinen Reiz. Seine Wurzeln liegen in den 1950er- und 1960er-Jahren, als sich diese Form vor allem in Chicago entwickelte. Seither gilt: Aus dem Augenblick wird Handlung.
Genau darauf setzt die neue Ovigo-Produktion „Heureka!“, die am Freitagabend im Franz-Joachim-Behnisch-Saal der Regionalbibliothek aufgeführt wurde. Die Idee stammt von Regisseur Max Hegner. Und die ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Eine Hexe und ein Zauberer beschließen an einem öden Abend, ein Buch zu schreiben. Nur wie entsteht eine Geschichte, wenn den Autoren selbst so gar nichts einfällt? Die Antwort sitzt im Zuschauerraum.
Schon vor Beginn wurde das Publikum eingebunden. Auf kleinen Zetteln sollten Lieblingsfarbe, Lieblingstier und Lieblingsessen notiert werden. Später kamen weitere Einfälle aus dem Saal. Wo beginnt die Geschichte? In einer Taverne, entschied das Publikum. Welche Eigenschaften hat der Ritter? Er kämpft mit Sozialängsten. Welche Stimmung herrscht? Leidenschaft, Traurigkeit, Glück. All dies wurde zugerufen. Selbst kleine Details fanden ihren Weg auf die Bühne. Der Ritter bekam eine Brille, der Knappe war aufgeregt, ein eingeklemmter Zeh verhinderte einst den Kreuzzug.
Und worum ging es am Ende? Um ein Drachenei. Oder vielleicht doch nicht. Gerade das ist ja der Charme des Abends. Die Handlung springt, biegt ab, nimmt Umwege, wird zurückgedreht und wieder vorangetrieben. Mit einem Fingerschnippen stehen Ritter und Knappe plötzlich im Stimmbruch, fünf Jahre in der Vergangenheit, wenige Augenblicke später wieder in der Gegenwart. Logik ist dabei zweitrangig. Wichtig ist die Lust am spontanen Spiel.
Das Ensemble mit Bernhard Beer, Charlotte Bielefeldt, Erasmus Gerhards, Thomas Meserth, Finn Ebenschwanger und Katharina Mühln zeigte dabei viel Tempo, Spaß und Gespür für den richtigen Moment. Der Saal war am Freitagabend ausverkauft. Am Samstag folgt die Wiederholung. Unter völlig anderen Vorzeichen. Denn bei „Heureka!“ schreibt das Publikum die Geschichte jedes Mal neu. Neuer Spaß, neue Vorgaben, neues Spiel.



















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